"Es ist klar, dass es eines Neuanfangs bedarf"
Von Rainer Nachtwey
München - Der Deutsche-Eishockey-Bund (DEB) steht vor einer Herkulesaufgabe.
Nach der Trennung von Bundestrainer Jakob Kölliker steht die Nationalmannschaft aktuell ohne sportliche Führung da, weil der Schweizer nach der desaströsen Weltmeisterschaft nicht als Sportdirektor auch installiert wurde.
Stattdessen wird eine Task Force - bestehend aus den DEB-Vertretern Franz Reindl und Klaus Merk sowie den DEL-Managern Peter John Lee (Eisbären Berlin) und Karl-Heinz Fliegauf (EHC Wolfsburg) - vorläufig die Zügel übernehmen.
Quartett soll Sportdirektor finden
Dieses neue Gremium soll sowohl einen neuen Sportdirektor als auch Köllikers Nachfolger finden ( BERICHT: Kölliker tritt nach - Task Force kommt).
Fliegauf hatte sich als Teil des Kompetenzzentrums, das sich um die Zukunftsplanung des deutschen Eishockeys kümmern soll, auch gegen eine Weiterverpflichtung des Coaches ausgesprochen ( BERICHT: DEB trennt sich von Kölliker - kommt Zach zurück?).
Im Gespräch mit SPORT1 nennt der Ex-Spieler die Gründe, skizziert die nächsten Schritte und erklärt das Anforderungsprofil an Sportdirektor und Trainer.
SPORT1: Was hat den Ausschlag für das Kompetenzzentrum Sport gegeben, Jakob Kölliker nicht als Sportdirektor zu verpflichten? DEB-Präsident Uwe Harnos hatte sich ja für Kölliker stark gemacht.
Karl-Heinz Fliegauf: Es ist doch klar, dass es nach einer WM mit einem solchen Ergebnis eines Neuanfangs bedarf. Das Minimalziel Olympiaqualifikation wurde verpasst. Wir haben das Ergebnis und auch die ganze Vorbereitung auf die WM hin eingehend mit dem Bundestrainer analysiert und diskutiert und sind zu dem Entschluss gekommen, dass es im Sinne dieses Neufangs besser ist, wenn Koebi diese Rolle nicht weiter fortführt. Diese Empfehlung wurde dann auch vom Direktorat mitgetragen und dem Bundestrainer durch den DEB mitgeteilt (DIASHOW: Die WM-Spiele Deutschlands).
SPORT1: Was für ein Anforderungsprofil haben Sie an den Sportdirektor?
Fliegauf: Der Sportdirektor sollte eine mehrjährige Tätigkeit als Manager bzw. sportlicher Leiter in einem Profiklub vorweisen können, und auch Erfahrungen im Nachwuchsbereich sind wichtig. Zudem muss er ein stringentes Konzept für alle Altersklassen haben, und auch seine Philosophie muss mit unseren Vorstellungen vereinbar sein.
SPORT1: Wer ist dann ein Kandidat auf den Posten?
Fliegauf: Wir haben uns im Kompetenzzentrum Sport darauf verständigt, dass die anstehenden sportlichen Aufgaben intern verteilt werden, um unter anderem verstärkt bei der Suche nach dem Sportdirektor voranzukommen und auch die operative Leitung der Nationalmannschaft zu organisieren und vorzubereiten. Letztendlich werden wir gemeinsam alle in Frage kommenden Kandidaten und Modelle prüfen und dann eine Entscheidung fällen.
SPORT1: Bis wann soll eine Entscheidung fallen?
Fliegauf: Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Wichtig ist, dass wir am Ende des Prozesses einen Mann als Sportdirektor installieren, der das Können und die Kompetenz hat, diese Schlüsselposition im deutschen Eishockey auch auszufüllen.
SPORT1: Auch der Bundestrainerposten ist ja vakant. Suchen Sie einen Kandidaten erst, wenn Sie einen Sportdirektor gefunden haben?
Fliegauf: Grundsätzlich suchen wir zunächst einen Sportdirektor. Klar ist doch aber auch, dass wir jemanden für die Nationalmannschaft benötigen, der sich maßnahmenbezogen um das operative Tagesgeschäft kümmert. Aber auch hier gilt: Wir werden mit Augenmaß und sehr überlegt vorgehen.
SPORT1: Es gab ja die Idee einen Bundestrainer nur zu den Turnieren nach Vorbild der Nordamerikaner einzusetzen. Ist dies noch ein Thema?
Fliegauf: Ja, das ist ein realistisches Szenario.
SPORT1: Es wurde vom DEB eine Agenda 2018 herausgebracht. Wäre das nicht etwas, dass ein Sportdirektor ausarbeiten sollte?
Fliegauf: Die Agenda 2018 bezieht sich ja nicht allein auf die Nationalmannschaft, sondern auf alle Bereiche des DEB. Insofern ist das Thema beim DEB schon richtig verankert.
SPORT1: Wer hat dies beim DEB gemacht, wenn es den Sportdirektor nicht gibt?
Fliegauf: Die Agenda 2018 ist, dort wo es um die Nationalmannschaft geht, mit der DEL abgestimmt. Unabhängig davon liegt die Verantwortung für den Gesamtkomplex beim DEB.