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Kreutzer (29) ist mit 34 Treffern erfolgreichster noch aktiver Nationalspieler © getty

Überraschend verzichtet Bundestrainer Uwe Krupp bei der Olympia-Qualifikation in Hannover auf den erfahrenen DEG-Angreifer.

Düsseldorf/Hannover - Daniel Kreutzer hatte seine Tasche schon gepackt, da sah der Düsseldorfer Eishockey-Profi, dass Bundestrainer Uwe Krupp versucht hatte, ihn auf dem Handy zu erreichen.

Kreutzer rief zurück - und packte seine Sachen wieder aus. Die Olympia-Qualifikation in Hannover (19.30 Uhr LIVESCORES) findet ohne den erfahrensten deutschen Nationalspieler statt.

"Das war ein großer Schock", sagt der 29-Jährige, der fest mit seiner Nominierung gerechnet hatte: "So was habe ich noch nicht erlebt."

Nach langer Leidenszeit mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber hatte sich der DEG-Kapitän mühsam wieder an sein altes Leistungsniveau herangekämpft.

"Ein absoluter Härtefall"

Kreutzer rückte von der dritten in die erste Sturmreihe auf, steigerte seine Bilanz auf 16 Tore und 22 Assists und wollte in Hannover endlich ins Nationalteam zurückkehren, für das er schon 174 Spiele bestritten hat.

Doch Krupp strich Kreutzer überraschend aus dem Kader. "Das war ein absoluter Härtefall für mich", gibt der Bundestrainer zu.

Seine Entscheidung begründet er damit, dass der DEG-Stürmer lange fehlte: "Es war wichtig, eine eingespielte Mannschaft ins Turnier zu schicken."

Und Torjäger Kreutzer, mit 34 Treffern der erfolgreichste noch aktive Nationalspieler, solle nicht defensiven vierten Sturm spielen. "Das wollte er mir nicht zumuten", sagt Kreutzer.

Kreutzer sieht sich ungerecht behandelt

Verständnis für die Entscheidung des Bundestrainers hat der Düsseldorfer nicht. "Ich kann das nicht nachvollziehen", sagt Kreutzer, der von 1999 bis 2007 an allen WM- und Olympia-Turnieren teilnahm, bis ihn das Pfeiffersche Drüsenfieber bremste.

"Ich habe zehn Jahre lang immer für Deutschland gespielt, auch wenn ich angeschlagen war. Ich glaube, ich habe einen anderen Abgang verdient."

"Will selbst sagen, wann Schluss ist"

Ob er noch einmal das Trikot des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) überstreift, weiß er selbst nicht. "Ich werde mir Gedanken machen, wie ich reagiere", sagt er.

Doch mit Olympia im Eishockey-Mutterland und der Heim-WM mit dem Eröffnungsspiel auf Schalke vor 76.000 Zuschauern im nächsten Jahr als Anreiz will Kreutzer nicht einfach "die Brocken hinschmeißen".

Ich bin ein Kämpfertyp, das war ich immer schon", sagt Kreutzer: "Ich will selbst sagen, wann Schluss ist."

Hoffnung auf ein Comeback

Allerdings weiß Kreutzer auch, dass Krupp in der Vergangenheit selbst bei umstrittenen Personalentscheidungen den einmal Ausgebooteten keine Chance mehr gab.

Jan Benda, Klaus Kathan, Tino Boos oder Eduard Lewandowski wurden danach einfach nicht mehr berücksichtigt - meist ohne ihnen die Gründe zu nennen. "Ich hoffe, dass ich wieder reinrutschen kann", sagt Kreutzer.

Daumen drücken vor dem Fernseher

Weil Krupp den Düsseldorfer erst kurz vor dem Treffen in Hannover aussortierte, sitzt dieser nun frustriert zu Hause.

"Hätte ich es früher gewusst, wäre ich mit meiner Familie in Urlaub gefahren", sagt Kreutzer, der seinen Teamkollegen nun vor dem Fernseher die Daumen drückt: "Ich hoffe, sie schaffen es. Es geht ums deutsche Eishockey."

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