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Uwe Krupp gewann 1996 mit Colorado und 2002 mit Detroit den Stanley Cup © getty

Nach der Olympia-Qualifikation fällt von Bundestrainer Krupp eine große Last ab. In Vancouver wartet eine Hammer-Gruppe auf die Truppe.

Hannover - Die Spieler lagen sich glückselig in den Armen, der Präsident bekam feuchte Augen, und auch Uwe Krupp zeigte ungewohnte Emotionen.

Als seine Mannschaft vorzeitig das Olympia-Ticket gelöst hatte, ließ der sonst so coole Eishockey-Bundestrainer einen tiefen Blick in sein Innenleben zu.

"Das war das wichtigste Spiel in meinem ganzen Leben", sagte der ehemalige NHL-Profi nach dem entscheidenden 2:1-Sieg gegen Österreich, "wichtiger als der Stanley-Cup."

Mit dem Turniersieg bei der Qualifikation in Hannover hat der 43-Jährige, der 1996 die Colorado Avalanche zum Stanley-Cup-Triumph schoss, den bislang bedeutendsten Erfolg seiner Trainerkarriere gefeiert.

Riesiger Druck auf Krupp

Im Kampf um Vancouver ging es nicht nur für das deutsche Eishockey um viel, sondern auch für Krupp selbst.

"Du brauchst nur die Zeitung aufzuschlagen, dann weißt du, wie groß der Druck war", sagte der Bundestrainer, der wegen der Ausbootung des ehemaligen Kapitäns Daniel Kreutzer und der Nominierung von insgesamt fünf Deutsch-Kanadiern kritisiert worden war: "Jede Entscheidung wird in der Öffentlichkeit hinterfragt, aber was auf dem Eis passiert, ist entscheidend."

Und da ließen ihn die Spieler, die er ausgewählt hatte, erneut nicht hängen.

Freudentränen beim Präsident

Wie schon bei der B-WM 2006, als das deutsche Eishockey am absoluten Tiefpunkt angekommen war, hielt die Mannschaft mit vielen jungen Talenten und einigen erfahrenen Recken dem enormen Druck stand und machte auf dem kürzesten Weg die 16. Olympia-Teilnahme in Folge schon vor dem abschließenden 2:1 (1:0, 1:0, 0:1) gegen Slowenien perfekt.

Während die Sieger in der Kabine ausgelassen feierten, verdrückte Uwe Harnos sogar die eine oder andere Träne. "Es ist eine Zentnerlast abgefallen", gab der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes zu.

Gleichzeitig erinnerte er an die Negativ-Schlagzeilen des vergangenen Jahres um Florian Buschs verweigerte Dopingkontrolle: "Wir haben ziemlich viel auf den Deckel gekriegt, jetzt haben wir ein bisschen Genugtuung bekommen."

Schub für WM im eigenen Land

Die Rückkehr ins olympische Rampenlicht mit den Live-Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soll nun helfen, den angerichteten Schaden nicht nur für das Image, sondern auch für die Finanzen zu beheben.

"Die Olympia-Teilnahme an sich bringt keinen Geldregen", sagte Harnos, betonte aber: "Bei Olympia in Kanada, im Land des Eishockeys, dabei zu sein, hat Relevanz für die Vermarktung und in den Medien."

So lässt sich vor allem die Heim-WM 2010 besser vermarkten. "Das gibt einen weiteren Schub für den Kartenverkauf", meinte Harnos. Für das Eröffnungsspiel auf Schalke sind bereits über 50.000 Tickets verkauft.

Busch-Frage noch nicht geklärt

Außerdem ist mit der Olympia-Teilnahme sicher, dass der DEB weiterhin Fördermittel von 370.000 Euro jährlich vom Bundesinnenministerium (BMI) bekommt.

Wegen Versäumnissen im Fall Busch hatte das BMI zuletzt rund 130.000 Euro einbehalten. Der Berliner fehlte in Hannover, weil nach dem Freispruch durch das Adhoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) noch immer ein Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anhängig ist.

"Er hat auf anwaltlichen Rat die Athletenvereinbarung noch nicht unterzeichnet, deshalb kommt er nicht in Frage", stellte DEB-Generalsekretär Franz Reindl klar.

Nach Hause telefoniert

Auch ohne Busch hielt dank der Tore von Yannic Seidenberg (23.) und John Tripp (34.) bei einem Gegentreffer von Dieter Kalt (31.) die Erfolgsserie gegen Österreich. Seit der WM 1934 in Mailand (1:2) hat Deutschland kein Pflichtspiel mehr gegen den Nachbarn verloren.

Der 22. Sieg im 35. Duell bescherte der DEB-Auswahl das Vancouver-Ticket und drei Nationalspielern die Aussicht auf Olympia vor der eigenen Haustür.

"Ich habe gleich zu Hause angerufen", sagte Verteidiger Sven Butenschön, der wie die Stürmer Richard Mueller und Travis Mulock im Sommer in Vancouver lebt: "Das wird ein Riesenspaß."

Hammergruppe für DEB-Truppe

Für den ehemaligen NHL-Profi geht ein Traum in Erfüllung: "Wenn ich in der Sonne sitze, im Kraftraum arbeite oder müde bin - ich denke nur noch an Olympia."

Dort erwartet die deutsche Auswahl in der Vorrunde ein Hammerlos: Neben Olympiasieger Schweden, Vize Finnland und Weißrussland geht die Krupp-Truppe als krasser Außenseiter ins Turnier.

Gegen Slowenien kam Neuling Mulock vom Zweitligisten Tölzer Löwen zu seinem ersten Tor im DEB-Trikot (22.). Der Mannheimer Michael Hackert (13.) erzielte den anderen Treffer.

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