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Christoph Ullmann verpasste die Olympia-Qualifikation aufgrund einer Verletzung © imago

Das DEB-Team weist in den Tschechien-Tests Abstimmungsprobleme auf. Ullmann hält bei SPORT1 ein Plädoyer für die WM-Teilnahme.

Aus Selb berichtet Rainer Nachtwey

München/Selb - Es mag an den nicht ganz so guten Deutschkenntnissen von Bundestrainer Pat Cortina liegen, dass sich folgender Satz des Italo-Kanadiers so - sagen wir extrem - anhörte.

"In der Abwehr gab es keine große Katastrophe", sagte Cortina nach der zweiten 1:3-Niederlage gegen Tschechien und immerhin relativierte er anschließend. "Daher ist das nicht schlecht, wenn man gegen so ein gutes Team wie die Tschechen spielt."

Die Defensive ist und bleibt vor der WM in Helsinki und Stockholm (ab 3. Mai LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) die Achillesferse im deutschen Team, auch wenn sie sich gegen Tschechien zweimal achtbar aus der Affäre gezogen hatte.

Sechs Gegentore in zwei Spielen - bei der WM 2012 hatte die DEB-Auswahl noch acht in einem gegen den zwölfmaligen Weltmeister kassiert.

Fehlende Sicherheit in der Defensive

"Defensiv müssen wir sicherer stehen", prangerte auch Keeper Jochen Reimer bei SPORT1 die Fehler an, und Teamkollege Patrick Hager meinte am SPORT1-Mikrofon: "Wir dürfen hinten einfach keine Hochkaräter abgeben, weil das Niveau international so hoch ist, dass das sofort bestraft wird."

Hier macht sich die fehlende Erfahrung in der deutschen Abwehr bemerkbar. In Regensburg stand mit Niki Goc nur ein Verteidiger mit mehr Erfahrung als von einer WM auf dem Eis. In Selb erhielt der Mannheimer dann auch noch eine Pause (SERVICE: Alles zur Eishockey-WM 2013 auf der SPORT1-Facebook-Seite).

Hoffen auf Eisbären und Haie

Die verletzungsbedingten Absagen im deutschen Team (u.a. Christoph Schubert, Felix Petermann) machen sich insbesondere im Defensivverbund bemerkbar. Und so kommt die Aufforderung von Christoph Ullmann an die DEL-Finalisten schon einem Hilferuf gleich.

"Natürlich sind die Jungs wahnsinnig wichtig. Constantin Braun spielt wahnsinnig starke Playoffs. Auch Moritz Müller in Köln. Solche Jungs würden uns schon gut zu Gesicht stehen", sagte der Mannheimer Stürmer bei SPORT1.

Ullmann baut auf Finalisten

Fünf Verteidiger könnten von den Finalisten noch nachrücken. Braun, Frank Hördler und Jens Baxmann aus Berlin, Müller und Torsten Ankert von den Haien.

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Und Ullmann setzte sein Plädoyer noch fort.

"Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir das deutsche Eishockey wieder oben etablieren. Vor allem mit dem Rückschlag Olympia-Qualifikation. Da müssen die Jungs einfach kommen."

Nun ginge es nur darum, an Deutschland zu denken, kleine Wehwehchen und die eigenen Interessen in den Hintergrund zu schieben.

"Wir müssen zusammenstehen und zusammenhalten. Da kann nicht ein Einzelner sagen: 'Hey, ich bleibe zu Hause und gucke mir das mit einem blauen Fleck aus der Ferne an.' Wir brauchen wirklich alle Jungs, damit wir zusammen in die Bresche springen."

Abstimmungsprobleme im Angriff

Aber nicht nur in der Defensive, auch im Angriff läuft noch wenig rund bei der deutschen Mannschaft.

Im Spiel nach vorne offenbart die DEB-Auswahl große Defizite.

"Es gibt noch Abstimmungsprobleme, wir sind noch nicht alle auf einer Wellenlänge, die Rädchen greifen noch nicht ineinander", sagte Frank Mauer bei SPORT1. "Aber dafür haben wir die Vorbereitung. Wir müssen nicht jetzt unser bestes Eishockey spielen, sondern bei der WM."

Schwache Chancenverwertung

Gegen die Tschechen traf die DEB-Auswahl jeweils nur einmal, insgesamt kommt sie in vier Testspielen auf sieben Tore - zu wenig, um international zu bestehen.

"Wir müssen eindeutig an der Chancenverwertung arbeiten. Natürlich auch mal die Dinger reinknallen", sagte Marcel Müller, einziger Torschütze in Selb bei SPORT1.

Dies steht auch bei Cortina in den kommenden Tagen auf dem Zettel, wenn die Mannschaft am Mittwoch in Krefeld wieder zusammenkommt.

"Wir haben kaum Powerplay geübt. Diese Feinheiten kommen erst noch", sagte Cortina.

Hoffen auf Ehrhoff

Dort könnten dann auch noch weitere Akteure von den DEL-Halbfinalisten hinzustoßen. Drei Pinguine gelten als heiße Kandidaten. Daniel Pietta und Andreas Driendl werden wohl den Angriff verstärken, Sinan Akdag die Verteidigung.

Das Warten auf die Finalisten geht aber weiter. Und die Hoffnung auf NHL-Star Christian Ehrhoff besteht auch noch.

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