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Pat Cortina (r.) war unter anderem Trainer des italienischen und ungarischen Nationalteams © imago

Der DEB-Coach hat aus seinen Fehlern gelernt und richtet seine Auswahl neu aus. Die Testergebnisse spielen dabei keine Rolle.

Von Rainer Nachtwey

München/Selb - Obwohl erschöpft und ausgepowert wurden die Spieler nicht müde zu erwähnen, wie kräftezehrend die vergangenen Tage in Regensburg und Selb waren.

"Wir haben eine ganz harte Woche hinter uns, mit viel laufen und sehr langen Einheiten", sagte Marcel Müller im Gespräch mit SPORT1.

Vor den beiden abschließenden Testspielen gegen Tschechien, die die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft jeweils mit 1:3 gegen den zwölfmaligen Weltmeister verlor, hatte Bundestrainer Pat Cortina viel Wert auf Kondition gelegt und seinen Ruf als harter Hund und Schleifer wieder einmal bestätigt.

Müde nach anstrengender Woche

Der Nachfolger von Jakob Kölliker hatte extra einen Fitness-Coach in seinen Trainerstab aufgenommen. "Die Jungs haben gut mitgezogen", zeigte sich Cortina bei SPORT1 von seinem Team angetan (SERVICE: Alles zur Eishockey-WM 2013 auf der SPORT1-Facebook-Seite).

Dass die schweren Beine insbesondere im ersten Drittel des zweiten Tests gegen Tschechien nicht zu übersehen waren, war für Jochen Reimer nur die logische Konsequenz.

"Da muss man dann auch mental unheimlich stark sein, um zwei gute Spiele zu absolvieren", sagte der Keeper zu SPORT1. "Es ist gut zu wissen, dass wenn wir müde sind, auch bereit sind über die Schmerzen hinaus zu gehen. Das stimmt uns positiv."

Ergebnis nebensächlich

Da fällt es nicht ins Gewicht, dass die DEB-Auswahl in der Vorbereitung auf die WM in Helsinki und Stockholm (3. bis 19. Mai LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) weiter auf das erste Erfolgserlebnis wartet.

"Das ist nur Vorbereitung. Wir haben uns jeden Tag verbessert und das ist, was zählt", sagte Reimer.

Und Christoph Ullmann führte bei SPORT1 weiter aus: "Das Ergebnis ist nebensächlich. Wir haben im Spiel nach unserem kämpferischen Aspekt gesucht."

Leidenschaft und Disziplin

Fighten über die Schmerzgrenze hinaus - das ist Cortinas neues Credo. "Wir legen den Fokus mehr auf das Kämpferische", sagte der Italo-Kanadier.

Der Bundestrainer rückte damit von seiner bisherigen Vorgabe, die er beim Olympia-Qualifikations-Turnier in Bietigheim ausgegeben hatte ab. Statt offensiv orientiertem Eishockey fordert Cortina die deutschen Tugenden ein.

"Wir müssen härter dagegen halten als wir es im Februar getan haben. Deutschland war immer erfolgreich, wenn jeder im Team gekämpft hat", führte der Coach aus. "Wir legen viel Wert auf Teamdisziplin und viel Leidenschaft. Das ist, was ich sehen will."

Typen wie Tripp wieder gefragt

Dies hat vor allem Auswirkungen auf die Teamzusammenstellung, denn die vermisste der Bundestrainer: "Der Kader wird sicherlich anders aussehen als bei der Olympia-Qualifikation."

Typen wie der Kölner John Tripp, das Paradebeispiel für Einsatz und Kampfgeist, stehen wieder hoch im Kurs. Bei der Olympia-Quali hatte Cortina noch auf den bulligen Stürmer verzichtet.

"Aber das heißt nicht, dass wir nur Kämpfer in der Mannschaft haben werden. Wir brauchen die richtige Mischung", führte der Bundestrainer weiter aus.

Arbeiter gepaart mit Technikern

Hart arbeitende, giftige "Grinder" - wie Cortina sie nennt -, Spieler mit Energie - wie Uli Maurer, Martin Buchwieser oder Yannic Seidenberg gepaart mit filigranen Technikern wie Thomas Greilinger und Christoph Ullmann soll das Erfolgsrezept heißen.

"Aber Jungs, die sehr talentiert sind, dürfen ruhig auch kämpfen. Sie sind immer eingeladen, hier zu bleiben", sagte Cortina.

Aus den Fehlern gelernt

Zumal der neue starke Mann im sportlichen Bereich auch ein neues System eingeführt hat. Die Stürmer agieren noch etwas defensiver.

Cortina hat aus seinen Fehlern gelernt und versucht diese nun abzustellen - im Gegensatz zu seinem Vorgänger Köbi Kölliker.

Der Schweizer hatte stur an seiner offensive Mann-gegen-Mann-Verteidigung festgehalten, die bereits beim Deutschland Cup 2011 Kritiker auf den Plan gerufen hatte. Und mit dieser Ausrichtung führte Kölliker die DEB-Auswahl bei der WM 2012 mit wehenden Fahnen ins Debakel.

Cortina will nach zwei Enttäuschungen wieder das wahre Gesicht des deutschen Eishockeys zeigen. An mangelnder Fitness dürfte es auf keinen Fall scheitern.

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