Die Zusage des NHL-Stars und der erste Erfolg über Schweden seit acht Jahren verbreiten beim DEB-Team verhaltenen Optimismus.

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Von Rainer Nachtwey

München/Frankfurt - Wie schnell sich doch alles drehen kann.

Am Samstag nach dem 0:8-Debakel gegen Schweden hingen die Gewitterwolken noch tief über der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Als "Armutszeugnis" hatte Marcel Müller den Auftritt am SPORT1-Mikrofon noch bezeichnet.

Doch zwei Tage später scheint bereits wieder die Sonne. Dem überraschenden und durchaus verdienten 5:2-Erfolg (Bericht) am Tag nach dem Debakel folgte die wohl schönste Mitteilung.

"Ja, ich bin bei der WM dabei", bestätigte Christian Ehrhoff seine Teilnahme bei den anstehenden Titelkämpfen in Helsinki und Stockholm (ab 3. Mai LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) .

Gedämpfter Optimismus

Sieben Worte, die bei Bundestrainer Pat Cortina wohl nicht nur einen Stein vom Herzen fallen lässt.

Der Italo-Kanadier gab sich zunächst verwundert - "Mir hat er seine finale Entscheidung noch nicht mitgeteilt" - wusste aber um die Bedeutung: "Ich hoffe sehr auf ihn. Er wäre eine große Verstärkung für das Team."

Mit der Zusage des deutschen Star-Verteidigers vom NHL-Klub Buffalo Sabres und dem ersten Erfolgserlebnis der Vorbereitung kehrt wieder gedämpfter Optimismus rund um das DEB-Team ein.

Alles mangelhaft

Denn nach dem 0:8 gegen eine schwedische Mannschaft, in der wohl nur wenige Spieler des späteren WM-Kaders standen, schien alles andere als der Abstiegskampf hochgegriffen.

Geradezu dilettantisch in Spielaufbau und Verteidigung und insbesondere völlig leblos reagierte die deutsche Mannschaft nur am Vortag.

SPORT1-Experte Rick Goldmann fällte ein gnadenloses Urteil. "Wenn ich mir die schlittschuhläuferische Qualität, die Passgenauigkeit und die defensive Zuordnung der deutschen Mannschaft anschaue, dann muss ich leider sagen, das ist alles drei mangelhaft."

Und dabei vergab er nur die Schulnote fünf, eine sechs - also ungenügend - wäre wohl eher angebracht gewesen.

Einsatz, Wille, Leidenschaft

Umso überraschender war der Auftritt am Folgetag, als die Mannschaft kaum wiederzuerkennen war. Einsatz, Wille, Leidenschaft - alles was in Krefeld vermisst wurde - zeigte die Cortina-Auswahl.

"Wir haben brutal gefightet", analysierte Keeper Dennis Endras bei SPORT1, und Christoph Ullmann atmete nach dem ersten Erfolg über Schweden seit acht Jahren auf. "Der Sieg tut sehr, sehr gut", sagte der Mannheimer Stürmer bei SPORT1.

Spieler stehen auf dem Prüfstand

Zuvor hatte sie der Coach auch bei SPORT1 bei der Ehre gepackt: "Ich hoffe, dass ihnen es etwas bedeutet, das Nationaltrikot zu tragen. Vor allem nach so einer Vorstellung wie am Samstag."

Zugleich betonte er, dass alle Spieler im aktuellen Kader auf dem Prüfstand stehen.

"Wir haben noch Spieler in Nordamerika und in den Finals. Wenn die Spieler nicht die Leistung zeigen, werden wir noch einige Wechsel vornehmen", sagte Cortina (SERVICE: Alles zur Eishockey-WM 2013 auf der SPORT1-Facebook-Seite).

Keine Kritik an Cortina

Der Bundestrainer weiß um die Rückendeckung, die er derzeit beim DEB genießt - auch wenn in Krefeld bereits erste "Cortina raus"-Rufe zu hören waren.

"Wir müssen Geduld haben und Pat die Zeit geben, seine Philosophie zu transportieren und wir müssen ihn in seinen Entscheidungen unterstützen", sprach ihm Charly Fliegauf, Mitglied des Kompetenzzentrums, bei SPORT1 das Vertrauen aus.

"Ich bin sehr zufrieden, was er macht, wie er die Mannschaft vorbereitet. Das ist tipp topp. Da gibt es nichts zu kritisieren."

Führungsqualitäten gefragt

Stattdessen analysierte Fliegauf den Leistungsstand der aktuellen Mannschaft nach der Absagenflut von 14 Spielern aufgrund von Verletzungen und privater Gründe sehr kritisch.

"Die Mannschaft ist im Moment auch nicht besser, das muss man knallhart sagen", führte Wolfsburgs Manager aus.

Immerhin machen Ehrhoffs und die noch ausstehende Zusage von Marcel Goc Hoffnung. Nicht nur aufgrund ihres Könnens, vor allem als Führungsfiguren.

"Uns fehlt ein bisschen Leadership. Das haben die zwei auf jeden Fall", meinte Fliegauf.

Aufwertung der Defensive

Zudem stoßen noch rund zehn Spieler vom neuen und alten Meister Eisbären Berlin und Vize-Champion Kölner Haie zum Team.

Vor allem die Defensive, die bisher die Achillesferse der DEB-Auswahl war, würde dadurch eine enorme Aufwertung erfahren.

Mit Ehrhoff, Constantin Braun, Frank Hördler, Jens Baxmann (alle drei Berlin), Moritz Müller und Torsten Ankert (beide Köln) stünden Cortina dann sechs zusätzliche Verteidiger zur Verfügung.

Dennoch herrscht beim DEB-Team verhaltene Zurückhaltung.

Endras, der in den vergangenen Jahren immer sehr forsche Ziele formuliert hatte, meinte: "Wenn man sich unsere Gruppe anschaut, spielen wir wahrscheinlich gegen den Abstieg. Erst einmal heißt es nicht absteigen und dann sind nach oben die Grenzen offen."

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