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Pat Cortina (r.) löste nach der letzten WM Jakob Kölliker als Bundestrainer ab © imago

Bundestrainer Cortina überrascht bei der WM-Nominierung mit Lindlbauer und Noebels. SPORT1-Experte Goldmann erkennt eine Linie.

Von Rainer Nachtwey

München - Ohne Schweden-Legionär Marcel Müller und mit sechs WM-Neulingen geht Bundestrainer Pat Cortina in die 77. Eishockey-WM in Schweden und Finnland (ab 3. Mai LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de).

Der Bundestrainer strich neben Müller die beiden Hamburger David Wolf und Patrick Köppchen sowie die Benedikt Schopper (Wolfsburg) und Matthias Plachta (Mannheim) aus dem Kader.

Müller war einer von nur vier Akteuren, die die Vorbereitung von den ersten Minuten beginnend mit dem Weißrussland-Trip bis zu den beiden abschließenden Tests in der Schweiz mitgemacht hatte.

"Es war eine harte Entscheidung, die Spieler haben es mir sehr schwer gemacht", sagte Cortina. "Wenn ich einen nach Hause schicke, heißt das nicht, dass er kein guter Eishockeyspieler ist."

Klare Aufgabenverteilung

Erstmals WM-Luft schnuppern der Kölner Keeper Danny aus den Birken, die Verteidiger Peter Lindlbauer (Nürnberg), Benedikt Kohl (Wolfsburg), Jens Baxmann (Berlin) und Torsten Ankert sowie der Stürmer Marcel Noebels.

Cortina setzt damit seine Linie konsequent um, die er nach der verpassten Olympia-Qualifikation im Februar angekündigt hatte.

"Das fällt auf", stellt SPORT1-Experte Erich Goldmann fest. "Er hat bewusst auf Offensivkraft verzichtet und setzt stattdessen auf klare Aufgabenverteilung." (SERVICE: Alles zur Eishockey-WM 2013 auf der SPORT1-Facebook-Seite)

Noebels mit WM-Debüt

Dies zeigt sich insbesondere im Sturm. Auf Marcel Müller, Patrick Reimer und David Wolf verzichtete er zugunsten von harten Arbeitern wie Yannic Seidenberg oder Patrick Hager.

"Er baut auf zwei offensivausgerichtete Reihen und zwei Arbeiterreihen, die sich auf die Defensivaufgaben konzentrieren sollen", analysiert Goldmann das deutsche WM-Aufgebot.

Mit dem 21 Jahre alten Marcel Noebels nimmt er zudem einen recht unerfahrenen Stürmer mit nach Helsinki, der dort seine erste WM spielen wird.

Allerdings passt der AHL-Stürmer, der in Adirondack auf der kleineren Eisfläche mehr gegen den Körper spielen muss, perfekt in Cortinas Schema.

"Cortina geht seinen eigenen Weg. Das zeigt die Personalie Noebels", führt Goldmann aus.

NHL-Stars als Vorbilder

Für Cortina gilt es nach dem "Cordoba on Ice" bei der Olympia-Quali und dem WM-Debakel vom Vorjahr Wiedergutmachung zu betreiben. Dabei helfen sollen allen voran die NHL-Stars Marcel Goc und Christian Ehrhoff. Beide sieht der Bundestrainer als Vorbilder.

"Sie sind exzellente Eishockeyspieler. Aber genauso wichtig ist ihre Einstellung. Sie leben vor, wie wichtig ihnen das deutsche Eishockey und die Nationalmannschaft ist", sagt Cortina.

Vor allem Ehrhoff kommt in der Defensive eine enorme Bedeutung zu, da gleich vier der acht Verteidiger ihr WM-Debüt in Helsinki geben.

Der Starverteidiger der Buffalo Sabres bildet voraussichtlich mit Frank Hördler die erste Formation. "Die beiden werden viel Eiszeit erhalten", ist sich Goldmann sicher.

Nachnominierung möglich

Ob Cortina alle 25 Kaderplätze gleich zu Beginn besetzt, bleibt abzuwarten. Der Bundestrainer hat die Option, bis zur letzten Begegnung Spieler nachzunominieren, um während der Titelkämpfe auf Verletzungen zu reagieren - solange das Kontingent nicht erschöpft ist.

Allerdings müssen zum Turnierstart am Freitag gegen Co-Gastgeber Finnland (ab 19.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) mindestens 15 Feldspieler und zwei Torhüter gemeldet sein.

Nach dem Auftakt gegen den Weltmeister von 2011 stehen in der Vorrunde in Helsinki die Partien gegen Titelverteidiger Russland, Vizeweltmeister Slowakei, Österreich, Lettland, die USA und Frankreich auf dem Programm.

Der deutsche Kader im Überblick:

Tor (3):33 Danny Aus den Birken (Köln)44 Dennis Endras (Mannheim)72 Rob Zepp (Berlin)

Abwehr (8):3 Peter Lindlbauer (Nürnberg)10 Christian Ehrhoff (Buffalo)15 Jens Baxmann (Berlin)34 Benedikt Kohl (Wolfsburg)48 Frank Hördler (Berlin)77 Nikolai Goc (Mannheim)81 Torsten Ankert (Köln)91 Moritz Müller (Köln)

Sturm (14):16 Michael Wolf (Iserlohn)17 Marcus Kink (Mannheim)21 John Tripp (Köln)24 Andre Rankel (Berlin)28 Frank Mauer (Mannheim)36 Yannic Seidenberg (Mannheim)39 Thomas Greilinger (Ingolstadt)47 Christoph Ullmann (Mannheim)50 Patrick Hager (Ingolstadt)55 Felix Schütz (Köln)57 Marcel Goc (Florida)86 Daniel Pietta (Krefeld)87 Philip Gogulla (Köln)92 Marcel Noebels (Adirondack/AHL)

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