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Bundestrainer Pat Cortina (o.) hat beim DEB einen Dreijahresvertrag unterschrieben © imago

Mit dem Festhalten an Zepp geht der Bundestrainer gegen Austria ein Risiko ein, behält aber Recht. Den Spielern gibt Cortina frei.

Aus Helsinki berichten Rainer Nachtwey, Jonas Beck,Sascha Bandermann undRick Goldmann

Helsinki - Pat Cortina dachte nur an seine Mannschaft. Ganz, ganz glücklich sei er, dass seine Jungs endlich einen Sieg bejubeln durften, sagte er.

Aber das 2:0 im richtungweisenden Spiel gegen Österreich (Bericht) war auch ein Erfolg für den Bundestrainer.

Denn Cortina hatte hochgradig gelitten nach der verpassten Winterspiele-Quali für Sotschi - und den darauf folgenden Aussagen von DEB-Präsident Uwe Harnos ("Das Olympia-Aus ist nicht wiedergutzumachen").

Umso erleichterter wirkte der Italo-Kanadier nach dem ersten Dreier der WM und dem fast abgewendeten Abstieg. "Ich hoffe, dass der Druck weg ist und ich bin froh, wo wir jetzt sind", sagte er.

Entscheidung für Zepp war richtig

Froh war Cortina auch deshalb, weil sich seine Maßnahme als richtig herausstellte, Rob Zepp den Vorzug vor Dennis Endras zu geben. ( 710835 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader )

Der Berliner Keeper hatte sich durch den Patzer beim Siegtreffer der Slowaken den Unmut der Fans zugezogen, doch Cortina hielt an seiner Nummer 1 fest. Durchaus ein Risiko - denn mit Endras' Degradierung machte er sich angreifbar.

Andererseits stärkte er seinem Keeper damit den Rücken, zeigte, dass er Vertrauen in ihn setzt und nicht beim leichtesten Gegenwind umfällt. ( 713319 DIASHOW: Die Bilder der WM 2013 )

"Ich war mir sicher: Zepp verliert nicht dreimal in Folge gegen Österreich", meinte Cortina und nahm damit Bezug auf die European Trophy und die Olympia-Quali. (EINWURF: Hauptsache gewonnen!)

"Zepp hat herausragend gehalten"

Zur Erinnerung: Bei der European Trophy hatte der Goalie mit den Eisbären Berlin gegen die Vienna Capitals im Viertelfinale den Kürzeren gezogen.

In Bietigheim kam der 3:2-Sieg nach Verlängerung einer Niederlage gleich, weil den Österreichern ein Punkt gereicht hatte für das Ticket nach Sotschi.

Nun also mal ein Happy End: "Zepp hat herausragend gehalten. So etwas wie gegen die Slowakei kann passieren", nahm Cortina seinen Keeper nach dessen Patzer in Schutz.

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Auch die Spielerkollegen hatten keine Zweifel an ihrem Keeper aufkommen lassen.

"Es ist schön, wenn man nach einem Rückschlag wieder zurückzukommt", meinte Zepp, dem mit 27 Saves sein erster WM-Shutout gelang und erstmals als Sieger das Eis bei einer WM verließ.

Nach dem ersten Dreier zog Cortina ohnehin eine zufriedenstellende Bilanz. "Sie wäre sehr positiv, wenn es noch ein paar Punkte mehr wären", meinte der Bundestrainer.

Cortina warnt

Das Thema Abstieg dürfte sich erledigt haben, auf Österreich weist Cortinas Truppe mit vier Punkten einen mehr auf, der gewonnene direkte Vergleich wiegt wie ein weiterer Zähler.

Mit der Slowakei, Finnland und Russland weisen die Österreicher zudem das schwerste Restprogramm auf. Und Lettland wartet vor seinem vierten Spiel gegen die Slowakei weiterhin auf den ersten Punkt.

Sich komplett in Sicherheit wiegen mag der Bundestrainer dennoch nicht:

"Mathematisch ist es noch möglich", warnt Cortina, dessen Mannschaft auch als Vorrunden-Siebter der Abstieg treffen könnte, sollte Weißrussland, als Gastgeber der WM 2014 automatisch qualifiziert, in der Stockholm-Gruppe Letzter werden.

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Blick geht nach vorne

Der Blick richtet sich nun auf die noch ausstehenden Spiele gegen Lettland am Samstag (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 sowie im LIVESTREAM und LIVE-TICKER auf SPORT1.de), am Sonntag gegen die USA und zum Vorrunden-Abschluss am Dienstag gegen Frankreich.

"Die Punkte werden uns helfen, besser zu spielen", weiß Cortina. Dennoch will er nicht zu weit in die Ferne blicken: "Jetzt kommt erst einmal Lettland. Danach können wir schauen, was noch möglich ist."

Die Chancen auf das Viertelfinale sind noch vorhanden, der eine Punkt aus dem Finnland-Spiel könnte noch Gold wert sein.

"Wir haben noch andere Ziele", meinte auch der Doppeltorschütze gegen Österreich Marcus Kink. Und Felix Schütz sagte bei SPORT1: "Die Mannschaft ist gut drauf, vielleicht klappt es ja noch mit dem Viertelfinale."

USA überrascht

Allerdings wird es äußerst schwer durch die Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten Finnland (8 Punkte) und Slowakei (6), die beide noch auf Österreich und Lettland treffen.

Drei Siege sind dann Pflicht. Indes: Die zu Turnierbeginn eher schwächer eingeschätzten Amerikaner zeigten, dass mit ihnen im Kampf um die Medaillen zu rechnen ist.

Gegen Finnland überzeugte die Mannschaft vor allem mit ihrer Geschlossenheit. Dies bekam auch Cortina zu sehen, der die Partie verfolgte.

Um gut gerüstet in den Endspurt zu gehen, gab der Bundestrainer seinen Spielern den Tag nach dem Österreich-Spiel frei. "Sie sollen mal den Kopf von Eishockey frei bekommen", begründete der Coach die Maßnahme: "Das wird jetzt ein frischer Start."