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Bundestrainer Pat Cortina betreute die U 20 bei der WM
Pat Cortina verpasste mit dem DEB-Team die Olympia-Qualifikation © getty

Der Bundestrainer gesteht nach der USA-Pleite Fehler ein. Sein Team kann das Viertelfinale aus eigener Kraft nicht mehr schaffen.

Aus Helsinki berichten Rainer Nachtwey, Jonas Beck, Sascha Bandermann undRick Goldmann

Helsinki - Pat Cortina redete nicht groß um den heißen Brei herum.

"Das war mein Fehler, dafür übernehme ich die Verantwortung", sagte der Bundestrainer nach der 0:3-Niederlage gegen die USA (Bericht).

Seine Anweisung an die Mannschaft, in den ersten Minuten ihre Kräfte zu schonen, kostete der DEB-Auswahl das Spiel.

"Ich wusste, dass die Amerikaner mit viel Druck aus der Kabine kommen würden. Die Jungs sollten sich ihre Kräfte einteilen und nicht gleich zu Beginn voll draufgehen", gab Cortina seine Marschroute preis.

Damit habe er seiner Mannschaft aber unterbewusst suggeriert, sie sei müde. "Da haben die Jungs dann wohl nur das gehört, was man in so einem Moment hören will", fuhr Cortina fort.

DEB-Team fehlt die Kraft

Nur so sind die völlig verschlafenen ersten fünf Minuten zu erklären, in der die DEB-Auswahl mit 0:2 ins Hintertreffen geriet. "Anschließend hat uns die Kraft gefehlt", meinte Christian Ehrhoff.

Zunächst schlug Bobby Butler im Powerplay zu (3.), anschließend erhöhte Paul Stastny auf 2:0 (5.).

"Das darf uns nicht passieren", meinte Christoph Ullmann im Gespräch mit SPORT1: "Wir wollten den Schwung aus dem Lettland-Spiel mitnehmen. Das ist uns nicht gelungen."

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"Wir sind jetzt Russland-Fans

Durch die Niederlage hat es die DEB-Auswahl nun nicht mehr selbst in der Hand, den Einzug ins Viertelfinale zu schaffen.

Daher war nach der Begegnung Daumen drücken angesagt. Nur durch eine Niederlage der Slowakei gegen Russland blieb der deutschen Mannschaft die Chance auf die Runde der letzten Acht erhalten. "Wir sind jetzt Russland-Fans", meinte Cortina.

Und die deutsche Mannschaft erhielt die erhoffte Schützenhilfe der Sbornaja. Der Weltmeister gewann die Neuauflage des Finals von 2012 mit 3:1 (0:0, 2:1, 1:0).

Endspiel gegen Frankreich

Dadurch muss die DEB-Auswahl im abschließenden Vorrundenspiel am Dienstag Frankreich schlagen (ab 15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 sowie im LIVESTREAM und LIVE-TICKER auf SPORT1.de) und gleichzeitig mehr Punkte einfahren als die die Slowakei, die auf die USA trifft.(DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Wir müssen jetzt den spielfreien Tag nutzen, um Kraft zu tanken, damit wir im Endspiel gegen Frankreich von Beginn an wach sind", meinte Ullman.

Neben dem verpatzten Start machte sich wieder einmal die Chancenverwertung der DEB-Auswahl bemerkbar. Nach dem 0:2-Rückstand verpasste erst Michael Wolf mit einem Pfostentreffer (31.), anschließend Philip Gogulla bei einer 2-auf-1-Situation den Anschlusstreffer.(SERVICE: Die Statistiken der WM)

In der 48. Minute scheiterte Patrick Hager am erst 19 Jahre alten US-Goalie John Gibson. "Wenn wir ein Tor machen, hätte das Spiel vielleicht eine Wendung genommen", meinte Cortina.

Anfällig in der Defensive

Zudem zeigte sich die deutsche Mannschaft in der Defensive, die in den Spielen zuvor gegen Lettland und Österreich das Prunkstück der Cortina-Truppe war, anfällig.

Alle drei Gegentore fielen nach dem gleichen Muster. Nach einem Abpraller bekamen die Verteidiger den Puck nicht vor dem Kasten vom Dennis Endras aus der Gefahrenzone, dreimal nutzten die Amerikaner die Rebounds zum Tor.

"Das sind unsere Dinger, die müssen wir weghauen", nahm Ehrhoff den Mannheimer Keeper in Schutz. "Dennis hat eine starke Leistung gezeigt."

Endras ersetzt Zepp

Endras war für Rob Zepp ins Tor gerückt, dem Cortina nach drei Spielen in fünf Tagen eine Pause gegönnt hatte.

Zudem musste Cortina auf die verletzten Frank Mauer (Knochenödem), Jens Baxmann (Oberschenkelprellung) und Andre Rankel (Verdacht auf Meniskus-Einriss) verzichten. Mauer und Baxmann sollen bis zum Frankreich-Spiel ihre Blessuren auskuriert haben.( 710835 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader )

Stürmer Gogulla, der zu den Aktivposten im deutschen Spiel gehörte, lief trotz gebrochenen Kiefers und geklebter Zähne auf. Auf zusätzlichen Schutz verzichtete er. "Damit zeigt man dem Gegner nur, dass man angeschlagen ist."

Cortina hofft auf Wiedersehen mit USA

Trotz der Niederlage geht der Kölner Stürmer voller Selbstvertrauen in die Partie gegen Frankreich: "Für uns gibt es noch ein Endspiel. Dann müssen wir voll da sein."

Und Cortina meinte, als er sich von Trainerkollege Joe Sacco auf der Pressekonferenz verabschiedete: "Hoffentlich erhalten wir noch einmal die Chance, hier in Helsinki gegen die USA zu spielen."

Dies wäre im Viertelfinale der Fall, wenn die USA Gruppenerster wird und die DEB-Auswahl als Vierter in die Runde der letzten Acht einzieht.

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