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Sein letztes Spiel im Nationalteam bestritt Greilinger bei der WM 2004 in Prag © getty

Thomas Greilinger wird nach turbulentem Karriereverlauf wieder für das Nationalteam nominiert und kämpft um einen WM-Platz.

München - Er galt als Jahrhunderttalent, stürzte böse ab und ist jetzt wieder auf dem Weg nach oben:

Nach fünf Jahren gibt Thomas Greilinger sein Comeback in der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft - und kämpft um seine Rückkehr auf die WM-Bühne.

"Ich freue mich riesig und will meine Chance auf jeden Fall nutzen", sagt der 27-Jährige vor den Länderspielen am Freitag (18 Uhr) und Samstag (16 Uhr) in Riga gegen Lettland, mit der die Vorbereitung auf die WM in der Schweiz (24. April bis 10. Mai) beginnt.

Comeback belohnt

Die Berufung durch Bundestrainer Uwe Krupp kam für Greilinger selbst "überraschend", wie er zugibt.

Doch sie ist Belohnung für eine starke Saison beim ERC Ingolstadt und sein Comeback in der Deutschen Eishockey Liga, das ihm nur wenige zugetraut hatten.

"Er hat sich wieder an das DEL-Tempo angepasst. Jetzt wollen wir sehen, ob er das auch international schafft", sagt Krupp, den Greilingers Vorgeschichte nicht interessiert: "Er muss mir keinen Lebenslauf vorlegen, für mich ist er ein unbeschriebenes Blatt."

Rasanter Aufstieg

Eigentlich war die Karriere des gebürtigen Deggendorfers schon beendet gewesen - fast so schnell, wie sie begonnen hatte.

Als 18-Jähriger startete "Turbo-Thomas" in nur vier Wochen von Null auf Hundert durch: aus der Oberliga geradewegs in die erste Sturmreihe der deutschen Nationalmannschaft bei der B-WM 2000 in Kattowitz und weiter mit den München Barons zur deutschen Meisterschaft.

Anfänglicher Lorbeer

Der Anfang einer großen Karriere schien gemacht. "Er wird seinen Weg machen, er besitzt Fähigkeiten, die nicht viele Stürmer haben", lobte der damalige Bundestrainer Hans Zach. Und Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), verglich ihn gar mit einem Stürmeridol: "Er erinnert mich an den jungen Dieter Hegen."

Es folgten vier Jahre in Schwenningen und Nürnberg in der DEL und insgesamt 58 Länderspiele für den DEB, doch den Vorschusslorbeeren wurde Greilinger nicht gerecht. Max Fedra, einst sein Manager in München, sprach vom "vergeudeten Talent".

Seine Trainer klagten über seine unprofessionelle Einstellung. "Ich war jung und dumm", sagt Greilinger rückblickend.

Der Absturz

Gewichtsprobleme, mangelnde Fitness, schließlich schwere Verletzungen - das Top-Talent stürzte ab. Nach einer erneuten Knieverletzung bei der Inline-WM 2006 beendete Greilinger mit 24 seine Profi-Karriere. "Hätte ich noch länger in der DEL gespielt, könnte ich heute nicht mehr gehen."

Doch vom Eishockey wollte er nicht lassen. Bei seinem Heimatklub Deggendorfer SC in der Bayernliga gewann er langsam die "Lust am Spielen" zurück.

Ingolstadt bot ihm im vergangenen Jahr mit einem stark leistungsbezogenen Vertrag die Chance auf die Rückkehr ins Profigeschäft - Greilinger nutzte sie und erhielt als Belohnung einen neuen Dreijahresvertrag, allerdings mit einigen Klauseln, die vor allem seine Fitness betreffen.

Noch WM-Tickets

"Es ist schön, dass ich mich wieder hochgekämpft habe", sagt Greilinger stolz, der in Riga sein erstes Länderspiel seit dem 4. Mai 2004 (0:1 bei der WM in Prag gegen die Schweiz) bestreitet.

Ein paar Tickets für die WM in Bern hat Krupp noch zu vergeben, nicht zuletzt weil in John Tripp, Richard Mueller und Manuel Klinge drei Außenstürmer verletzt ausfallen. "Er ist auf dem richtigen Weg", sagt der Bundestrainer: "Ich unterstütze ihn, er bekommt seine Chance."

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