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Auch Kapitän Andreas Renz (r.) konnte die Schlappe gegen Dänemark nicht verhindern © imago

Das DEB-Team erlebt bei der WM ein Debakel. "Wir haben die Scheiße am Schläger", sagt der Frankfurter Verteidiger Sebastian Osterloh.

Bern - Nach der vierten WM-Pleite in Folge herrschte Ratlosigkeit.

"Wir haben uns in der Kabine angeschwiegen", berichtete Stürmer Daniel Kreutzer nach der 1:3 (1:1, 0:0, 0:2)-Niederlage der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft gegen Dänemark (SPIELBERICHT: DEB-Team blamiert).

Statt Wiedergutmachung gab es einen weiteren Rückschlag, statt des so dringend nötigen Erfolgserlebnisses noch mehr Frust - die WM in der Schweiz wird für Bundestrainer Uwe Krupp und sein Team zu einem Debakel.

Auch der Chefcoach, der erstmals in seiner Amtszeit vier Pflichtspielniederlagen in Folge erlebte, wirkte ratlos.

"Wenn du keine Tore schießt, ist es schwierig", meinte Krupp angesichts von nur vier Treffern in vier WM-Spielen (DATENCENTER: WM-Ergebnisse und Tabellen).

Auch wenn er seinen Spielern erneut Kampfgeist bescheinigte, nach dem Sturz aus allen Viertelfinalträumen in die Niederungen der Relegation musste er feststellen: "Im Moment laufen wir nicht in Bestform."

Kredit bei den Fans verspielt

Obwohl die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) als Gastgeber der WM 2010 gesetzt ist und somit nicht absteigen kann, verspielt sie derzeit in Bern eine Menge. Ein Jahr vor der Heim-WM ist der Kredit bei den Fans verloren, das Image wieder im Keller.

"Wenn du bei einer WM so spielt, musst du die Kritik auch annehmen", meinte DEB-Generalsekretär Franz Reindl und trauerte der verpassten Chance, Werbung in eigener Sache zu machen, nach: "In Deutschland musst du einen herausragenden Erfolg schaffen, wenn du aus der grauen Masse herauskommen willst. Aber davon sind wir weit weg."

Herber Rückschlag

Gegen die Dänen, die zuletzt bei der WM 2005 gegen die Deutschen gewonnen und sie in die Zweitklassigkeit geschickt hatten, war Krupps Mannschaft von ihrer Bestform weit entfernt.

Zwar gelang NHL-Profi Christoph Schubert von den Ottawa Senators mit seinem zweiten WM-Tor (14.) nach dem 0:1 durch Mikkel Bödker von den Phoenix Coyotes (11.) der zwischenzeitliche Ausgleich.

Doch Peter Regin (Ottawa/50.) und Nichlas Hardt (54.) besiegelten vor 4241 Zuschauern in der Allmend-Halle 68 Stunden nach dem 1:2 gegen Frankreich die nächste bittere Pleite gegen ein Team, das man eigentlich hinter sich wähnte.

Osterloh stützt Krupp

"Wir haben alles gegeben, aber die Scheibe will einfach nicht über die Linie. Wir haben die Scheiße am Schläger", sagte der Frankfurter Verteidiger Sebastian Osterloh.

Er meinte sogar, dem in die Kritik geratenen Bundestrainer beistehen zu müssen: "Er macht absolut einen Superjob. Ich hatte noch keinen Trainer, der so gut ist wie er und der den Spielern so hilft."

Ziel Schadensbegrenzung

Nun müssen Krupp aber auch die Spieler helfen, damit das Turnier nicht völlig verkorkst wird.

In den letzten beiden Spielen am Sonntag (12.15 Uhr LIVESCORES) gegen Österreich und am Montag (12.15 Uhr LIVESCORES) gegen Ungarn gibt es nur noch das Ziel, den Super-GAU zu verhindern und nicht als eigentlich abgestiegener Gastgeber bei der Heim-WM antreten zu müssen.

Rankel rückt ins Team

Krupp hatte gegen Dänemark sein Team nur auf einer Position umgestellt.

Für den Krefelder Patrick Hager rückte der nachgemeldete Berliner Andre Rankel in den zweiten Sturm. Verteidiger Nikolai Goc von den Hannover Scorpions, den Krupp ebenfalls für die Abstiegsrunde nachnominiert hatte, musste dagegen zuschauen.

Die angeschlagenen Abwehrspieler Schubert (Knieprobleme) und Chris Schmidt (grippaler Infekt) meldeten sich rechtzeitig fit.

Böse Schnitzer in der Abwehr

Die DEB-Auswahl knüpfte zunächst nahtlos an das Frankreich-Spiel an. Wieder lief in der Offensive wenig zusammen, die Defensive produzierte zum Teil haarsträubende Fehler.

So liefen sich Kapitän Andreas Renz und Frank Hördler gegenseitig über den Haufen und ermöglichten Bödker das 0:1.

Torchancen nicht genutzt

Im zweiten Durchgang ging die deutsche Mannschaft etwas konzentrierter und engagierter zu Werke. Zwangsläufig ergaben sich Torchancen, doch der Knoten wollte nicht platzen.

Vor allem die Paradereihe mit Michael Wolf, Michael Hackert und Philip Gogulla ließ beste Möglichkeiten aus. Die Entscheidung fiel, als Regin mit einem Alleingang über das gesamte Eis das 1:2 erzielte.

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