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Bundestrainer Krupp und seinem Team stehen harte Zeiten bevor © getty

Das DEB-Team sehnt das Ende der verkorksten WM in der Schweiz herbei. "Zwei High-Noon-Spiele nacheinander" erwartet Franz Reindl.

Bern - Augen zu und durch: Nach dem unerwarteten Absturz bei der WM in der Schweiz sehnen beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) alle das Ende eines verkorksten Turniers herbei.

"Jetzt haben wir zwei High-Noon-Spiele nacheinander", sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl mit Blick auf die letzten beiden Relegationspartien am Sonntag (12.15 Uhr LIVESCORES) gegen Österreich und am Montag (12.15 Uhr LIVESCORES) gegen Ungarn:

"Das sind so Spiele, da wünscht sich kein Mensch, dabei zu sein. Aber die müssen wir jetzt überstehen." (Ratlosigkeit nach Pleitenserie)

Zu Retten ist nach vier Niederlagen in Folge, aber vor allem den peinlichen Pleiten gegen Frankreich (1:2) und Dänemark (1:3), ohnehin nicht mehr viel (SPIELBERICHT: DEB-Team blamiert).

Ein Jahr vor der Heim-WM, die mit großem Spektakel und Zuschauer-Weltrekord auf Schalke beginnen soll, ist das Image wieder ramponiert, und der Bundestrainer gerät zunehmend in die Kritik.

Krupp ratlos

Nach erstmals vier Pflichtspielniederlagen in Serie unter seiner Regie wirkte Uwe Krupp ratlos. Seine Erklärungsversuche waren wenig überzeugend.

"Torschüsse, Torchancen, Überzahlsituationen - mathematisch waren wir in allen Belangen überlegen", zählte der ehemalige NHL-Profi auf, und musste dann feststellen, dass Eishockey keine Mathematik ist: "Aber auch Chancenauswertung und der gegnerische Torwart gehören in die Rechnung, und die kann man nicht kontrollieren."

Mannschaft schreit nach Hilfe

Interessant in den letzten beiden Spielen, die wegen der Gastgeberrolle 2010 sportlich unbedeutend sind, wird vor allem sein, wie Krupp auf die völlig demoralisierte Mannschaft einwirken kann.

Die schreit regelrecht nach Hilfe. "Alle sind frustriert, nervös, keiner kriegt die Handbremse gelöst", stellte Kapitän Andreas Renz fest und folgerte: "Jetzt ist guter Rat teuer."

Die Situation erinnert immer mehr an das Abstiegsjahr 2005, als die DEB-Auswahl unter Krupps Vorgänger Greg Poss mit völlig unrealistischen Halbfinalträumen startete und geradewegs in die Zweitklassigkeit abstürzte.

Das kann jetzt nicht passieren, doch es droht immerhin noch die Peinlichkeit, als eigentlich abgestiegenes Team in die Heim-WM zu gehen.

"Das Einfachste wird zum Schwierigsten"

"Das wollen wir auf keinen Fall", sagte Renz. Doch wie der Umschwung gelingen soll, weiß im Augenblick niemand.

"Die Dinge laufen nicht wie normalerweise. Das Einfachste wird zum Schwierigsten", stellte Reindl fest und gab als Ex-Spieler den Tipp: "Du musst auf Kleinigkeiten zurückgehen. Gut schlafen, gut essen, viel, viel frische Luft und dann Schritt für Schritt, Wechsel für Wechsel sehen, nur so kommt man da wieder raus."

Vor vier Jahren bei der WM in Österreich stand nach vier Spielen auch nur ein Punkt zu Buche. Dann gelang mit dem 9:1 gegen Slowenien der vermeintliche Befreiungsschlag, dem mit dem 2:3 gegen Dänemark prompt der endgültige Absturz folgte.

Sieben Monate später ging Poss, schwer angeschlagen und auch verbandsintern heftig kritisiert, freiwillig (DATENCENTER: WM-Ergebnisse und Tabellen).

Rückhalt für den Trainer

Sein Nachfolger Krupp, der das Team aus der Zweitklassigkeit zurück in die erweiterte Weltelite führte, hat weiter den Rückhalt der DEB-Spitze. Doch er selbst nährt die Zweifel.

So jubelte er den Dänen Peter Regin zu einem der "vier, fünf besten Stürmer im ganzen Turnier" hoch, obwohl der 23-Jährige gerade einmal elf NHL-Spiele mit einem Tor bei den Ottawa Senators vorweisen kann.

Angesichts von Dany Heatley, Jason Spezza, Martin St. Louis und Jungstar Steve Stamkos im Team Canada, der Weltmeister Ilja Kowaltchuk, Alexander Radulow und Alexej Morosow bei den Russen, Altstar Jaromir Jagr und Patrik Elias bei den Tschechen, Kristian Huselius und Teenie-Star Linus Omark bei den Schweden eine sehr gewagte Aussage.

Wirre Aussagen

Auch sein Hinweis, die Dänen träten bei der WM mit einem anderen Personal als in der Vorbereitung bei den 0:3- und 2:7-Niederlagen gegen die deutsche Mannschaft an, löste Kopfschütteln aus.

Lediglich Kasper Degn, der mit Bietigheim in den Zweitliga-Playoffs spielte, und Morten Madsen aus der AHL hatten vor zwei Wochen noch gefehlt.

Ohne Seidenberg und Schubert

Beim Spiel gegen Österreich muss Krupp auf Verteidiger Christoph Schubert und Stürmer Yannic Seidenberg verzichten.

NHL-Profi Schubert von den Ottawa Senators, der zwei der vier deutschen Tore erzielte, muss wegen einer Knieverletzung aussetzen, der Ingolstädter Seidenberg fällt wegen einer Schulterverletzung aus. Für die beiden rücken Nikolai Goc (Hannover Scorpions) und Patrick Hager (Krefeld Pinguine) ins Team.

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