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Uwe Krupp (l.) gewann 1996 und 2002 den Stanley Cup in der NHL © imago

Trotz der historischen Pleitenserie glaubt Trainer Uwe Krupp vor dem Spiel gegen Ungarn weiter an das Potenzial des DEB-Teams.

Bern - Nach der historischen Pleite und dem Absturz auf einen Abstiegsplatz wollte Bundestrainer Uwe Krupp ganz schnell weg.

Nur 33 Sekunden dauerte seine Stellungnahme zum 0:1 (0:0, 0:1, 0:0) gegen Österreich, dann verschwand der ehemalige NHL-Star in der Kabine.

Erst auf Nachfrage kehrte der 43-Jährige nach der fünften WM-Niederlage in Folge zurück und stellte sich den Fragen.

Historische Pleite

"Ich habe die Aufgabe 2005 übernommen, weil es eine Herausforderung war. Es ist immer noch eine Herausforderung", sagte Krupp nach der ersten WM-Pleite gegen Österreich seit 75 Jahren, die den sportlichen Abstieg der deutschen Nationalmannschaft besiegelte.

Nur die Gastgeberrolle der WM 2010 bewahrt die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes vor dem Gang in die Zweitklassigkeit.

"Es sind die richtigen Spieler hier"

Obwohl der Frust riesig ist, aufgeben will der ehemalige Weltklasseverteidiger nach dem Debakel von Bern nicht.

"Ich glaube an meine Spieler", sagte Krupp und ergänzte mit Blick auf die Kritik aus der Heimat an seiner Personalpolitik: "Es sind die richtigen Spieler hier. Ich sehe keinen in Deutschland, der uns hier helfen könnte."

Krupp steht nicht zur Diskussion

Auch wenn die mit Viertelfinalträumen angereiste deutsche Mannschaft in der Schweiz so schlecht abschnitt wie seit der WM 1991 in Finnland nicht mehr, als sie ebenfalls die ersten fünf Spiele verlor und am Ende Letzter wurde - Krupp steht beim Verband nicht zur Diskussion. (Ratlosigkeit nach Pleitenserie)

"Ich habe riesigen Respekt vor ihm. Ein anderer hätte sich schon die Joggingschuhe geschnappt und wäre weggelaufen", erklärte DEB-Generalsekretär Franz Reindl.

"Wir sehen das klare Konzept, das Uwe hat. Wir glauben an sein Konzept."

Die Offensive versagt

Umsetzen konnte die DEB-Auswahl das Kruppsche Konzept wie schon bei den peinlichen Niederlagen gegen Frankreich (1:2) und Dänemark (1:3) aber nicht.

Obwohl der Coach für NHL-Profi Jochen Hecht zum dritten Mal eine neue Angriffsformation zusammengestellt hatte, versagte gegen den Weltranglisten-16. wieder einmal die Offensive.

Selbst als das Paradesturmduo Michael Wolf/Michael Hackert allein aufs Tor zulief, spielte es sich mit einem Doppelpass selbst aus (29.). So reichte den Österreichern, die zuletzt bei der WM 1934 in Mailand gegen den großen Nachbarn gewonnen hatten (2:1), vor 3828 Zuschauern ein einziges Tor durch Thomas Koch (28.).

Nun gegen Ungarn

"Wir sind von Spiel zu Spiel verunsicherter. Jeder schiebt die Verantwortung weiter", meinte Wolf ratlos und fügte resigniert hinzu: "Ich bin sprachlos."

Das letzte WM-Spiel am Montag gegen die bereits als Absteiger feststehenden Ungarn (Mo., ab 12.15 Uhr LIVESCORES ) hat nur noch statistischen Wert.

Verantwortliche auf Schuldsuche

Nicht beim Trainer, sondern in den Strukturen suchten die Verantwortlichen nach dem völlig überraschenden Absturz von den Plätzen neun und zehn bei den vorangegangenen WM-Turnieren die Schuld.

"Das deutsche Eishockey ist jetzt am Boden", meinte Kapitän Andreas Renz und verwies auf den Abstieg der U20- und U18-Junioren in diesem Jahr: "Wir sind eigentlich mit allen Mannschaften abgestiegen. Ein schlimmeres Jahr für den DEB kann es nicht geben. Es wird Zeit, dass etwas passiert."

Änderungen in der DEL

Die Zahl der Ausländerstellen in der DEL sollte weiter reduziert werden, meinte der Kölner Abwehrspieler: "Wir haben Verteidiger, die spielen seit 20 Jahren nicht in Überzahl und sollen hier das Spiel rausreißen."

Eher die unzureichende Jugendarbeit hat Reindl im Blick: "Wir haben Nachwuchskonzepte, aber es reicht nicht. Wir müssen mehr tun und wichtige und gewaltige Schritte unternehmen."

Den Aufwind nutzen

Die WM im kommenden Jahr, die mit viel Spektakel und einem Weltrekord auf Schalke beginnen soll, sei eine gute Gelegenheit.

"Diesen Aufwind müssen wir nutzen", forderte Reindl, "danach wird es keinen Aufwind mehr geben." Denn, so der Bronzemedaillengewinner von 1976, irgendwann wolle er "in Pension gehen und sehen, dass Deutschland oben dabei ist." Davon kann er im Moment nur träumen.

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