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Christoph Ullmann (r.) feierte sein Debüt im DEB-Team bei der WM 2004 © getty

Der Sieg im letzten WM-Spiel bessert die miserable Bilanz des DEB-Teams nur unwesentlich auf. Trotzdem gibt es eine Jobgarantie.

Bern - Die Spieler übten Selbstkritik, und der Trainer nahm Abschied von hohen Zielen: Nach der miserablen WM in der Schweiz leckte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ihre Wunden von Bern.

"Es ist ein Debakel", sagte Stürmer Michael Hackert nach dem abschließenden 2:1 (1:1, 1:0, 0:0)-Sieg gegen Absteiger Ungarn, der die verheerende WM-Bilanz nur unwesentlich schönte: "Wir haben nichts gebacken bekommen."

Platz 15, sportlicher Abstieg, fünf Pleiten in sechs Spielen - die Auswahl des DEB ist ein Jahr vor ihrer Heim-WM am Tiefpunkt angelangt.

Schwerer Rückschlag für Krupp

Das wollte auch Bundestrainer Uwe Krupp nicht beschönigen, der vor dem Turnier vom Viertelfinale gesprochen hatte. "Wir stehen jetzt genau da, wo wir in Normalform spielen - gegen den Abstieg", sagte der 43-Jährige, der den ersten schweren Rückschlag seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit einstecken musste.

Die Zielsetzung vor dem Turnier sei zu hoch gewesen, gab der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger zu und ergänzte mit Blick auf seine ersten beiden A-Weltmeisterschaften als Chefcoach: "Die letzten beiden Jahre sind verkehrt bewertet worden." In Russland und Kanada hatte die DEB-Auswahl mit den Plätzen neun und zehn nur knapp das Viertelfinale verpasst.

Von Tag zu Tag ratloser

Mit dem mühsamen Sieg im letzten WM-Spiel gegen den Weltranglisten-20. Ungarn, der erstmals seit 70 Jahren wieder in der A-Gruppe spielte, verhinderte die deutsche Mannschaft immerhin eine peinliche Premiere: Noch nie hat sie bei einer WM alle Spiele verloren.

Doch der unansehnliche Dreier durch zwei Verteidigertore des Kölners Moritz Müller (4.) und des Ingolstädters Michael Bakos (34.) änderte nichts am Gesamtbild.

Die Mannschaft war von Spiel zu Spiel verunsicherter, der Bundestrainer konnte den Abwärtstrend nicht stoppen und wirkte von Tag zu Tag ratloser. "Wenn ein Erfolgserlebnis fehlt, kannst du als Trainer sagen, was du willst, die Spieler glauben dir nicht", stellte Krupp fest.

Jobgarantie für den Coach

Fehler wollte er - abgesehen von der zu optimistischen Zielsetzung - aber nicht gemacht haben.

"Die Chemie in der Mannschaft war gut", sagte Krupp, andere Spieler hätten auch nicht weiterhelfen können. Um seinen Job muss der ehemalige Weltklasseverteidiger nicht bangen.

Der DEB stellte ihm schon während des Turniers eine Jobgarantie für die Olympischen Spiele in Vancouver und die Heim-WM im nächsten Frühjahr aus.

"Er war ein absoluter Leader"

"Ich muss ihm ein absolutes Kompliment aussprechen", sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl: "In einer solchen Situation gäbe es normalerweise den Zerfall einer Mannschaft. Aber er hat es verstanden, alle bei der Stange zu halten, und war ein absoluter Leader."

Doch die Kritik an Krupp dürfte in nächster Zeit lauter werden. Nach drei Weltmeisterschaften und einer Olympia-Teilnahme steht für den ehemaligen NHL-Star als beste Platzierung ein neunter Rang zu Buche.

Unter seinem Vorvorgänger Hans Zach war dieser Platz nach vier Viertelfinalteilnahmen in Folge bei WM und Olympia das schlechteste Abschneiden, das 2004 zum Ende der Amtszeit des Bad Tölzers führte.

Kampf gegen den Abstieg

Bei der Heim-WM im nächsten Jahr, die mit großem Spektakel und einem Zuschauer-Weltrekord auf Schalke beginnen soll, sind nun bescheidenere Ziele vorgesehen.

"Wir sind alle ein wenig auf der falschen Fährte gewesen", meinte Reindl: "Wir sind weiter weg von der Weltspitze als wir gedacht haben. Wir kämpfen nur gegen den Abstieg." In Bern gewann Krupps Mannschaft diesen Kampf lediglich am Grünen Tisch: Sie blieb nur erstklassig, weil sie 2010 WM-Gastgeber ist.

Erarbeitung von Perspektiven

Damit die Perspektiven künftig besser werden, will sich der DEB mit den Verantwortlichen der DEL und der unteren Klassen noch einmal an einen Tisch setzen. Das bereits verabschiedete Nachwuchskonzept sei ein erster Schritt.

"Wenn wir irgendwann mal ganz vorne dabei sein und nicht nur um frustrierende Plätze spielen wollen, müssen wir einen gemeinsamen Weg beschließen", forderte Reindl.

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