Trotz der Blamage bei der WM in der Schweiz verfällt der DEB in Schönrednerei. Uwe Krupp ist an seinen Ansprüchen gescheitert.

Das Fazit kann nur vernichtend ausfallen: Fünf Pleiten in sechs WM-Spielen.

Am Ende gibt's gerade mal einen 2:1-Rumpelsieg über die Eishockey-Kleinmacht Ungarn, den vorletzten Platz - und zumindest den gefühlten Abstieg in die B-Gruppe.

Kurzum: Das deutsche Eishockey steht vor einem Scherbenhaufen. Und das ausgerechnet ein Jahr vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land, bei der man nur mitmachen darf, weil man Ausrichter ist.

Was bleibt also unterm Strich? Natürlich die bittere Erkenntnis, dass es den deutschen Kufencracks schlichtweg an individueller Klasse fehlt. Vor allem die Offensive ist ihre Bezeichnung nicht wert. Torjäger- oder Führungsqualitäten blieben Mangelware wie spielerische Ideen.

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Was aber mindestens genauso schwer wiegt: Es bleibt im Verborgenen, welche Konsequenzen die Verantwortlichen aus der Blamage zu ziehen gedenken. Es klingt wie eine Endlos-Schleife, wenn der DEB nun ankündigt, sich mit den Verantwortlichen der DEL und der unteren Klassen erneut an einen Tisch zu setzen.

Sich damit zu erklären, Liga und Arenen seien hervorragend, obendrein ein Nachwuchskonzept ja bereits verabschiedet, ist allein Schönrednerei. Für eine Sportart, die sich einst anschickte, gleich hinter Fußball zu positionieren, sollten echte Reformen tiefer schürfen.

Dass zudem Uwe Krupp davon absieht, auf sein von einer Verlegenheit in die nächste schlitterndes Personal öffentlich einzuschlagen, ehrt ihn vielleicht menschlich.

In der Sache wäre eine knallharte Analyse des Bundestrainers jedoch hilfreicher als das alleinige Fehler-Eingeständnis, die Zielsetzung Viertelfinale sei halt zu hoch gewesen.

"Die letzten beiden Jahre sind verkehrt bewertet worden", meint Krupp mit Verweis auf die Ränge neun und zehn bei den beiden vorherigen Weltmeisterschaften.

Für die richtige Einschätzung der Situation ist jedoch Krupp alleinverantwortlich - und er ist demnach daran gescheitert. Wie der 43-Jährige auch schon bei seiner Personalpolitik in die Schusslinie der Kritiker geraten war.

Ohnehin drängt sich mehr denn je die Frage auf, ob der Bundestrainer gut damit beraten ist, nach wie vor vom Wohnsitz in Atlanta aus seine Funktion auszuüben.

Augenscheinlich ist der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger doch zu weit weg vom Puls der DEL - Jürgen Klinsmann aus dem sonnigen Kalifornien lässt grüßen.

Der DEB täte gut daran, Krupp hierzulande wenigstens einen Assistenten für die Belange der Liga zur Seite zu stellen.

Statt ihm schon während (!) des Turniers eine Jobgarantie für die Olympischen Spiele in Vancouver und die Heim-WM 2010 auszusprechen.

Unter Krupps Ägide bloß von vorübergehender Stagnation zu sprechen, greift sowieso zu kurz: Nach drei Weltmeisterschaften und einer Olympia-Teilnahme steht als beste Platzierung gerade mal ein neunter Rang zu Buche.

Zum Vergleich: Unter Krupps Vorvorgänger Hans Zach war dieser Rang nach vier Viertelfinalteilnahmen in Folge bei WM und Olympia das schlechteste Abschneiden - und führte 2004 zum Ende der Amtszeit des Bad Tölzers.

Für das kommende Jahr klingt das wenig verheißungsvoll, zumal Deutschland rein sportlich gar nicht dabei sein dürfte.

Zurückgeben kann man die Ausrichter-Rolle natürlich nicht. Eine großes Frühjahrsmärchen ist aber keinesfalls zu erwarten - eher ein Turnier nach dem Motto "Die Welt zu Gast bei Absteigern".

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