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Ralph Krueger (l.) setzte seine Hoffnungen auf NHL-Starverteidiger Mark Streit (r.) © imago

Die Schweizer Nationalmannschaft scheitert bei der WM im eigenen Land in der Zwischenrunde. Trainer Krueger steht vor dem Aus.

Bern - Als Roman Wick nach 13 Sekunden in der Verlängerung das Siegtor schoss, jubelte kein einziger Schweizer Spieler.

Die 10.000 Fans im Berner Allmend-Stadion spendeten ihrer Eishockey-Nati nach dem 4:3 gegen die USA zwar aufmunternden Applaus, doch trösten konnten sie die unglücklichen Sieger nicht.

Der Gastgeber ist ausgeschieden, bevor die WM in ihre heiße Phase geht.

"Es ist bitter, wir haben ein Superspiel gezeigt, aber es hat nicht gereicht", sagte der Torschütze, der sich über seinen Treffer überhaupt nicht freuen wollte.

"Es zerreißt einem das Herz", meinte NHL-Profi Mark Streit.

Ende der Ära Krueger?

Die Schweizer hätten einen Sieg in der regulären Spielzeit benötigt, um ihr Minimalziel Viertelfinale zu erreichen.

Zwar verabschiedeten die Fans ihr Team mit viel Applaus, und zum Ende wurde noch einmal die Schweizer Hymne gespielt - doch schon am Tag danach wusste Trainer Ralph Krueger, was die Stunde geschlagen hat.

"Nach Hockey-Blamage: Ende der Ära Krueger", titelte das Boulevardblatt "Blick", das den ehemaligen deutschen Nationalspieler schon vor der WM hart kritisiert und als "WM-Totengräber" bezeichnet hatte.

Blick geht nach Vancouver

Der 49-Jährige gab sich zwar unbeeindruckt: "Ich habe sechs Wochen lang keine Medien verfolgt, und ich werde es auch die nächsten sechs Wochen nicht machen."

Doch der Deutsch-Kanadier, der seit zwölf Jahren im Amt ist und vor der WM vom Halbfinale geredet hatte, weiß, dass seine Zukunft nicht in seiner Hand liegt.

"Mein Vertrag läuft noch bis 1. Juni 2010. Solange ich keine andere Meldung bekomme, werde ich weiter die Arme hochkrempeln und alles dafür tun, dass wir traumhafte Olympische Spiele in Vancouver erleben werden", sagte Krueger.

Neuer Präsident entscheidet

Ob er tatsächlich im Februar 2010 noch Coach der Nati ist, wird sich im Sommer entscheiden, wenn der neue Verbandspräsident Philippe Gaydoul sein Amt antritt.

Sorgen um seine Zukunft müsste sich Krueger auch bei einem Rauswurf nicht machen.

Nach neun Viertelfinalteilnahmen bei Weltmeisterschaften und Olympia-Turnieren ist der ehemalige Düsseldorfer Bundesliga-Stürmer in der Szene ein gefragter Mann.

Kein Gedanke an Deutschland

So konnte er sich auch ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ein deutscher Journalist nach dem Aus mit der Schweiz fragte, ob er sich ein Engagement als deutscher Bundestrainer vorstellen könnte.

"Ich konzentriere mich jetzt auf den Job, den ich gerade habe", antwortete er, "und vermeide es, über andere Dinge zu sprechen".

Für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB), der wahrscheinlich nach der Heim-WM 2010 einen Nachfolger für Uwe Krupp suchen muss, wäre Krueger allerdings eine teure Lösung.

Angeblich verdient er in der Schweiz rund 500.000 Euro im Jahr.

Weißrussland und Lettland dabei

Während Kruegers Eidgenossen seit dem späten Montagabend nur noch WM-Zuschauer sind, haben sich die Außenseiter Lettland und Weißrussland überraschend ins Viertelfinale vorgespielt.

Die Balten um den Krefelder Herberts Vasiljevs profitierten vom Schweizer Scheitern und zogen erstmals seit 2004 wieder in die Runde der letzten Acht ein.

Die Weißrussen um Torwart-Oldie Andrej Mesin schafften erst zum zweiten Mal in zehn Jahren den Sprung in die WM-Playoffs.

Profiteure der KHL

Die ehemaligen Sowjetrepubliken profitieren vor allem von der neuen KHL.

Ihre Topklubs Dinamo Riga und Dynamo Minsk messen sich dort mit den russischen Spitzenvereinen. "Da haben wir uns an den internationalen Rhythmus gewöhnt", sagte Weißrusslands kanadischer Trainer Glen Hanlon.

Die Stars aus der KHL sehen seine Spieler am Mittwoch (ab 16.15 Uhr LIVESCORES und im DSF) im Viertelfinale wieder, dann treffen sie auf den seit 16 WM-Spielen ungeschlagenen Weltmeister Russland, der in diesem Jahr vor allem auf die Profis aus der heimischen Liga setzt.

Lettland gegen Vizeweltmeister

Lettland bekommt es am Donnerstag (ab 16.15 Uhr LIVESCORES und im DSF) mit Vizeweltmeister Kanada zu tun, der am Montag beim 3:4 nach Penaltyschießen gegen Finnland seine erste WM-Niederlage kassierte.

Finnland und die USA am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVESCORES und im DSF) sowie Olympiasieger Schweden und Tschechien am Donnerstag (ab 20.15 Uhr LIVESCORES und im DSF) bestreiten die beiden anderen Viertelfinals.

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