Erich Goldmann schreibt in seiner Kolumne über die Probleme des DEB-Teams und wagt eine Prognose für das Finale.

Hallo Eishockey-Freunde,

Nach dem Debakel in Bern muss man eines festhalten: Die Strukturen im deutschen Eishockey stimmen nicht.

Kapitän Andi Renz und Generalsekretär Franz Reindl haben die Probleme bereits angesprochen. Es müssen gewisse Strukturen überdacht werden. Es ist kein Zufall, dass U18, U20, Damen und A-Mannschaft im selben Jahr absteigen bzw. um den Wiederaufstieg spielen.

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Mir fallen sofort drei Dinge ein, die ich ändern bzw. einführen würde.

Erstens sollte das Alter in der DNL, der deutsche Nachwuchsliga, bei denen die Spieler 16 und 17 Jahre alt sind, nach oben auf 18 und 19 verschoben werden.

Der Sprung in den Seniorenbereich ist dann nicht mehr so groß. Mit 17 Jahren ist man meiner Meinung nach noch nicht so weit. Sollte einer mit 16 bereits so gut sein, spricht nichts dagegen, dass er sich an den körperlich Überlegenen misst.

Mein zweiter Vorschlag ist, Sommercamps einzuführen.

Es muss spezifisch an den Positionen gearbeitet werden. Hierbei muss das Augemerk auf Taktik, Zweikampfverhalten und Schusstechnik gelegt werden.

Diese Aufgaben sollten aktive oder ehemalige Spieler übernehmen, die noch nicht allzu lange aus dem Geschäft raus sind. Schön wäre es, wenn sich hierfür Nationalspieler bereit erklären würden. Besonders geeignet sind die Camps für Nachwuchsspieler im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Das ist meiner Meinung nach das beste Entwicklungsalter.

Zur Nationalmannschaft direkt: Mir würde es sehr gefallen, wenn der DEB einen Teammanager einführt. Dies habe ich bereits letztes Jahr bei der WM angeregt.

Der Teammanager sollte Franz Reindl als Sportdirektor entlasten, hauptsächlich für die A-Nationalmannschaft da sein, guten Kontakt zu den DEL-Vereinen und den Nationalspielern pflegen, viele Spiele vor Ort sehen, in die Liga eingebunden sein und Nachwuchstalente sichten.

Er sollte Bundestrainer Uwe Krupp unterstützen - kein Aufpasser für den Uwe, sondern eine zusätzliche Hilfe.

Zu Uwes Arbeit möchte ich direkt nach dem Turnier-Ende für die deutsche Mannschaft noch nichts sagen. Das möchte ich erst einmal etwas sacken lassen. Ich muss erst noch ein wenig Abstand finden, um das Ganze einzuordnen.

Ich hoffe, dass der sportliche Abstieg ein Weckruf für den DEB ist, dass sich gewisse Dinge ändern müssen.

Aber nun noch zur K.o.-Runde.

Mein Eindruck von den acht Teams ist, dass es wieder auf das Finale Kanada gegen Russland hinausläuft.

Die Russen sind in ihrem Viertelfinalspiel gegen Weißrussland sowohl im Angriff als auch in der Abwehr weit überlegen. Vor allem von ihrer Defensivleistung bin ich sehr angetan. Das war in den letzten Jahren nicht immer so.

Finnland gegen USA wird sicherlich ein sehr enges Match. Die USA haben ein sehr junges, offensivstarkes Team, lassen allerdings viele Tore in Unterzahl zu. Die Finnen haben mit dem Sieg nach Penaltyschießen über Kanada bewiesen, was sie zu leisten im Stande sind, auch wenn sie es nicht immer gezeigt haben. Hier könnten die Special Teams den Ausschlag geben.

Kanada brennt im Angriff ein wahres Torfeuerwerk ab. 16 Tore in Überzahl und fünf Spieler unter den Topscorern sind Beweis hierfür. Die Letten spielen zwar sehr diszipliniert und taktisch klug, können aber mit den Kanadiern nicht mithalten.

Schweden oder Tschechien rechne ich im Halbfinale gegen Kanada nicht sehr viele Chancen aus. Beide Teams waren in ihren Leistungen zu schwankend. Die Schweden sind mir zu verspielt. Außerdem war das letzte Spiel, in dem sie Frankreich nicht wirklich forderte, vor so einer wichtigen Partie wie dem Viertelfinale gegen die Tschechen nicht förderlich.

Trotz der enttäuschenden Leistung der deutschen Mannschaft wünsche ich Euch noch viel Spaß noch bei der WM!

Euer

Erich Goldmann

Erich Goldmann, 33, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für das DSF kommentiert Goldmann die Spiele von der WM in Bern und Zürich-Kloten.

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