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Uwe Krupp ist seit dem 15. Dezember 2005 Head Coach der DEB-Auswahl © getty

Bundestrainer Uwe Krupp steht nach dem schlechten Abschneiden des Teams bei der WM in der Kritik. Bei Sport1.de stellt er sich.

Von Rainer Nachtwey

München - Enttäuschende Leistungen, Absturz auf Rang 15: Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz ihre Ziele klar verpasst. (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

Vor dem Turnier hatte Bundestrainer Uwe Krupp noch vom Viertelfinale gesprochen (95818Krupps WM-Kader).

Jetzt bewahrt lediglich die Ausrichtung der Titelkämpfe im kommenden Jahr in Mannheim, Köln und AufSchalke die DEB-Auswahl vor dem Abstieg.

Personalentscheidungen vertagt

Im Anschluss an ein Krisengespräch mit Krupp und Sportdirektor Franz Reindl in Bern am Donnerstag wollte der Verband zunächst keine eiligen personellen Konsequenzen ziehen.

Allerdings würden sie sich "weitere Gedanken machen", so DEB-Präsident Uwe Harnos. (DEB-Präsident stellt Krupp in Frage)

Eine endgültige Analyse des WM-Debakels soll Ende Mai vorliegen.

Im Interview mit Sport1.de nimmt Bundestrainer Uwe Krupp Stellung zur Kritik an ihm und seiner Mannschaft. Außerdem spricht der 43-Jährige über den "Krisengipfel" mit dem Verband und persönliche Enttäuschungen.

Sport1.de: Herr Krupp, Sie haben mit Verbandspräsident Uwe Harnos, den Vizepräsidenten Erich Kühnhackl und Wolfgang Brück sowie Generalsekretär Franz Reindl die WM analysiert. Was ist das Ergebnis dieser Zusammenkunft?

Uwe Krupp: Wir haben über die Leistung und die Situation der Nationalmannschaft gesprochen. Welchen Weg wir einschlagen, welche Aufgaben auf uns warten und wie wir diese am besten bewältigen. Dabei ist uns klar geworden, dass wir Klartext sprechen müssen. Wir haben für das nächste Jahr große Ziele und wir werden versuchen, dafür die bestmöglichste Mannschaft aufzustellen. Mit dem Abschneiden bei dieser WM war natürlich keiner zufrieden.

Sport1.de: Wurde bereits über Konsequenzen gesprochen? (DEL-Manager fordern Konsequenzen)

Krupp: Es ist jetzt nicht an der Zeit, zu einem Rundumschlag auszuholen, Fehler bei Anderen zu suchen und alles über den Haufen zu werfen. Ich glaube, dass wir die Linie, die wir verfolgt haben, in dem wir die Mannschaft verjüngt und jedes Jahr neue Spieler eingebaut haben, weiter beibehalten werden. Wir haben bei der WM wieder gesehen, dass die Leistungen in der Liga leider kein Indikator für die Stärke unserer Spieler im Internationalen Wettbewerb sind. Das ist natürlich sehr ernüchternd. Wir wünschten uns sicherlich, dass unsere Spieler bei einer WM eine ähnliche Durchschlagskraft haben wie in der Liga, aber es wird jedes Jahr klarer, dass man noch mehr nach Spielertyp aussuchen muss und nicht nach Statistiken.

Sport1.de: Würden Sie im Nachhinein dann den Kader anders zusammenstellen?

Krupp: Im Nachhinein bist du immer schlauer. Es gilt weiterhin, dass die Spieler bestimme Qualitäten haben und wir danach aussuchen müssen.

Sport1.de: Was sind diese Qualitäten?

Krupp: Das sind in erster Linie die läuferischen und körperlichen Voraussetzungen, damit du auf diesem Niveau mitlaufen und mitkämpfen kannst und dass du in der Offensive in der Lage bist, dich auch durchzusetzen. Das ist eine Grundvoraussetzung. Wenn ein Spieler nicht auf dem Niveau ist, dass er mit dem Tempo mithalten kann, ist er in der Nationalmannschaft uneffektiv. Wir werden versuchen, in Zukunft so viele effektive Spieler wie möglich aufzustellen.

Sport1.de: Was hat der Mannschaft bei der WM gefehlt?

Krupp: Wir hätten besonders in der Vorrunde noch mehr aufs gegnerische Tor schießen müssen. Das Endresultat ist, dass man nicht genug Druck auf das gegnerische Tor ausüben kann. Das muss ich mir ankreiden lassen. Ich versuche der Mannschaft und den Spielern, die aus unserer Liga kommen, kurzfristig eine andere Spielart und andere notwendige Charakteristiken zu vermitteln. Das ist mein Job. Wie wir gesehen haben, hat das dieses Jahr nicht so gut geklappt, wie ich mir das erhofft hatte.

Sport1.de: Bei der WM in Halifax war Marco Sturm der Führungsspieler, der Fixpunkt auf dem Eis. Hat so ein Führungsspieler gefehlt?

Krupp: Wir haben gute Führungsspieler. Marco Sturm hat in Halifax Akzente setzen können und in unserer Mannschaft sehr gut gespielt. Aber es haben noch weitere Führungsspieler gefehlt. John Tripp zum Beispiel. Man hat jetzt gesehen, wo er nicht dabei war, wie wichtig er für uns ist. Die anderen Führungsspieler wie Daniel Kreutzer, Sven Felski, Andi Renz sind erfahrene Recken, die sich auskennen im internationalen Geschäft. Aber deren Führungsqualitäten waren bei dieser WM eher weniger auf dem Eis zu sehen, und sie konnten dort weniger Akzente setzen.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews >>

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