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Jaromir Jagr ist in der NHL 13. der ewigen Torjäger- und Neunter der Scorerliste © getty

Nach dem Viertelfinal-Aus tritt Jaromir Jagr wortlos von der WM-Bühne ab. Doch eine Rückkehr in die NHL reizt den Tschechen.

Bern - Der Superstar verschwand durch die Hintertür. Kein Kommentar nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM in der Schweiz - Jaromir Jagr ließ sich nach seinem vielleicht letzten Auftritt auf der internationalen Eishockey-Bühne nicht mehr blicken. (Kanada und Schweden komplettieren Halbfinals)

Zu groß war die Enttäuschung nach dem 1:3 der Tschechen gegen Schweden und der bitteren Erkenntnis, dass der einst beste europäische Eishockey-Spieler seinem Team nicht mehr wirklich helfen konnte.

"Er ist immer noch sehr gefährlich, wenn er den Puck hat und man ihm Raum gibt", sagte Schwedens Trainer Bengt-Ake Gustafsson: "Ich habe großen Respekt vor ihm. Aber er ist nicht mehr der, der er einmal war."

Nicht mehr die dominante Kraft

Davon hatten sich zuvor auch die 10.415 Zuschauer in der Berner Allmend-Halle überzeugen können. (DATENCENTER: Alles zur WM)

Im Spätherbst seiner Karriere ist der zweimalige Stanley-Cup-Sieger, Weltmeister von 2005 und Olympiasieger von 1998 längst nicht mehr wie früher die dominante Kraft auf dem Eis.

Zwar ist sein berühmter Handgelenkschuss noch immer eine Waffe, doch der mittlerweile 37-Jährige ist langsamer geworden. Die Zeit, als er Verteidigern Knoten in die Beine spielte, ist vorbei.

Oberliga-Spiel für Schalke

Und weil Jagr, mit Vollbart auch äußerlich als Altstar zu erkennen, mit neun Scorerpunkten und insgesamt 114 Minuten Eiszeit in sieben Spielen dennoch der auffälligste Tscheche in der Schweiz war, ist das Aus des elfmaligen Weltmeisters nur folgerichtig.

Ob es für den Stanley-Cup-Sieger von 1991 und 1992 eine Rückkehr ins internationale Eishockey geben wird, hat er selbst offen gelassen.

"Vielleicht spiele ich ja noch bei Olympia in Vancouver, vielleicht auch bei der WM in Deutschland", hatte das tschechische Eishockey-Idol, das in der offiziellen Mannschaftsbroschüre wegen eines Oberliga-Spiels während des NHL-Arbeitskampfes 1994 als Ex-Schalker geführt wird, vor dem Viertelfinale gesagt: "Vielleicht aber auch nicht. In meinem Alter muss man kurzfristig denken."

NHL-Rückkehr nicht ausgeschlossen

Kurzfristig Gedanken macht sich Jagr auch über eine mögliche Rückkehr in die NHL, in der er in 1273 Spielen 1599 Scorerpunkte sammelte.

Vor einem Jahr war er dem Lockruf des Geldes in die russische KHL gefolgt und strich beim Roman-Abramowitsch-Klub Awangard Omsk angeblich zwölf Millionen US-Dollar ein.

Jetzt deutete er an, möglicherweise das Angebot der Edmonton Oilers annehmen zu wollen, die ihn schon 2008 nach seinem Abschied von den New York Rangers verpflichten wollten. "Wenn ich zurück in die NHL gehe, dann sind sie meine erste Wahl. Sie haben als Erste Interesse gezeigt", sagte Jagr.

Lamento über täglichen Druck

Zwar klagt er über die hohen Ansprüche in der NHL: "Der Druck ist Tag für Tag sehr groß. Nach einer Weile brauchst du einfach eine Pause, um den Kopf frei zu bekommen."

Doch eine Rückkehr auf die ganz große Bühne reizt ihn trotzdem: "Ich wollte immer derjenige sein, von dem am meisten erwartet wird."

Körperlich sei er topfit, betonte er: "Ich arbeite härter als jemals zuvor in meinem Leben."

Schließt sich der Kreis?

Sollte sein Auftritt in der Allmend-Halle am Donnerstagabend sein letzter auf der internationalen Bühne gewesen sein, schlösse sich ein Kreis.

An gleicher Stelle war Jagr 1990 erstmals ins Rampenlicht getreten - als 18-Jähriger, der noch von keinem NHL-Klub verpflichtet worden war, der seine grandiose Karriere noch vor sich hatte.

Und der - wie sich ein schwedischer Journalist erinnerte - noch keinen Rasierapparat brauchte.

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