Erich Goldmann schreibt in seiner Kolumne über das Finale Russland gegen Kanada und stellt sein Allstar-Team der WM auf.

Hallo Eishockey-Freunde,

Obwohl das Finale recht ausgeglichen war, die Kanadier vielleicht sogar einen Touch mehr vom Spiel hatten, was das Schussverhältnis von 38:17 belegt, hat Russland verdient gewonnen.

Die Russen haben ihr Spiel von der ersten Partie bis zum Schluss durchgezogen, ein Spiel mit unheimlich hohem Tempo und Drang zum Tor. Darüber hinaus haben sie trotz all des Offensivfeuerwerks die Defensive nicht vernachlässigt.

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Das war nicht immer so. In den letzten Jahren hat es sich schon gebessert, aber von 2001 bis 2006 haben sie im Angriff gezaubert und in die Abwehrarbeit schleifen gelassen.

Der überragende Spieler des Turniers war für mich Ilja Kowaltschuk. Der Stürmer von den Atlanta Thrashers hat die Mannschaft durch seine Einzelaktionen im Viertel- und Halbfinale aufgebaut. Ich habe selten einen Spieler gesehen, der eine Mannschaft auf so hohem Niveau immer noch Energie einhauchen kann.

Kowaltschuk führt auch mein Allstar-Team an. Allerdings muss ich zugeben, dass meines mit dem der Medienvertreter sehr ähnlich ist. Einzig beim Keeper konnte ich mich nicht entscheiden.

Neben MVP Kowaltschuk sind die weiteren Stürmer Steven Stamkos und Martin St. Louis von den Kanadiern. Stamkos ist mit sieben Treffern - gemeinsam mit Finnlands Niko Kapanen und Teamkollege Jason Spezza - bester Torjäger. Und das mit seinen erst 19 Jahren. St. Louis ist mit 15 Punkten in neun Spielen bester Scorer, deshalb führt kein Weg an ihm vorbei.

Gleiches gilt bei den Verteidigern mit Shea Weber. Weber spielte nicht nur im Finale 30 Minuten unheimlich hart gegen Kowaltschuk. Er überzeugte das ganze Turnier mit seinen harten Checks in der Defensive. Zudem war er auch überragend im Angriff. Mit vier Toren und acht Assists ist er nicht nur punktbester Verteidiger, sondern belegt insgesamt den dritten Platz.

Beim zweiten Verteidiger war ich erst am Überlegen. Jack Johnson von den Amerikanern war ein Kandidat, allerdings baute er im Laufe des Turniers ab. Ganz das Gegenteil war bei Kenny Jönsson der Fall. Der Schwede wurde von Spiel zu Spiel besser und weist mit +13 die beste Plus-Minus-Bilanz auf.

Im Tor konnte ich mich nicht zwischen Andrej Mezin aus Weißrussland und dem Letten Edgars Masalskis entscheiden. Beide sind nicht von großen Nationen, haben aber dazu beigetragen, dass ihre Teams sich fürs Viertelfinale qualifizierten.

Leider schafft kein deutscher Spieler den Sprung ins Allstar-Team. Bleibt nur die Hoffnung für das kommende Jahr.

Generell wünsche ich mir, dass wir ein besseres Turnier aufbauen und die Schweizer nicht nur in den Zuschauerzahlen schlagen. Mit den Hallen in Mannheim und Köln haben wir beste Voraussetzungen.

Mit Finnland, USA und Dänemark haben wir eine Gruppe, bei der man in die Zwischenrunde kommen muss. Allerdings hat man bei den Schweizern gesehen, dass eine Heim-WM nicht besonders leicht ist. Es lastet ein unheimlicher Druck auf den Spielern. Trotzdem ist das ein Erlebnis, das kein Spieler jemals vergessen wird - allein wenn ich an das Auftaktspiel in der Arena AufSchalke mit 70.000 Zuschauern denke.

Ich hoffe, dass das deutsche Eishockey zum Nachdenken kommt, und dass, auch wenn sie keine Schnellschüsse wollen, zumindest gezielte Schüsse abfeuern und die angesprochenen Punkte umsetzen.

Euer

Erich Goldmann

Erich Goldmann, 33, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für das DSF kommentiert Goldmann die Spiele von der WM in Bern und Zürich-Kloten.

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