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Alexei Morozov (M.) präsentiert den von Jaques Rogge (l.) überreichten Pokal © getty

Trainer Wjatscheslaw Bykow will Russland nach dem zweiten WM-Titel in Folge als neue Eishockey-Supermacht etablieren.

Bern - Es war kurz nach Mitternacht, als Wjatscheslaw Bykow den Beginn einer neuen Ära ausrief.

"Wir haben eine junge Mannschaft, und wir haben noch mehr junge Spieler. Davon wird unser Eishockey profitieren", sagte der Trainer des alten und neuen Weltmeisters Russland und fügte hinzu: "Wir waren zu lange hinten dran, jetzt haben wir einen Neustart hingelegt."

Der 2:1-Triumph im Traumfinale von Bern gegen den Erzrivalen Kanada könne der Anfang einer neuen russischen Dynastie sein (Russland ist alleiniger Rekordweltmeister).

"Ja, das hoffe ich", sagte der 48-Jährige, der als Spieler selbst noch das Ende der Sowjet-Dominanz erlebt hatte.

19 Jahre, nachdem er als Kapitän in der Berner Allmend-Halle zum letzten Mal den WM-Pokal für die Eis-Sputniks der Sowjetunion in Empfang genommen hatte, vollendete er an gleicher Stelle als Trainer mit dem 25. WM-Gold die Renaissance des russischen Eishockeys.

Zwei WM-Titel in Folge

Sein alter Lehrmeister Wiktor Tichonow war Augenzeuge, als Bykow mit seiner neuen Sbornaja unter dem überschäumenden Jubel mehrerer Tausend Landsleute dem Finaltriumph des Vorjahres in Kanada wiederholte.

Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten gewann Russland zwei WM-Titel in Folge.

Als er nach dem Unterschied zwischen den beiden Finalsiegen gefragt wurde, ließ Bykow erstmals die Maske des unnahbaren, emotionslosen Erfolgstrainers fallen. "Ein Jahr", antwortete er - und lachte befreit auf.

"Große rote Maschine"

Die Mannschaft sei eine andere, fügte er wieder ernst an, "aber es ist die gleiche Methode, die gleiche Emotion, die gleiche Leidenschaft".

Seit der einstige Weltklassestürmer im Sommer 2006 das Kommando bei der Sbornaja übernommen hat, ist sie wieder die "große rote Maschine", vor der die Eishockey-Welt zittert.

Von 27 WM-Spielen unter seiner Regie verlor Russland nur ein einziges: das Halbfinale 2007 in Moskau gegen Finnland (1:2 n.V.) (DATENCENTER: WM-Ergebnisse).

Was seit dem Zerfall der Sowjetunion seine Vorgänger vergeblich versuchten, hat Bykow geschafft.

Kollektiv ist das Wichigste

Er hat aus begnadeten Solisten ein grandioses Ensemble geformt, in dem das Kollektiv das Wichtigste ist - ganz ohne die gefürchteten Sowjet-Methoden seines einstigen Trainers Tichonow (95818DIASHOW: Die Stars der WM).

"Wir sind eine Familie, in der jeder seine Aufgabe zu erfüllen hat", erklärte Bykow sein Erfolgsrezept: "Ich arbeite mit Respekt, Professionalismus und mit Freiheit für jeden Einzelnen."

Doch nicht nur seine Methoden hat die Mannschaft dankbar angenommen, auch seine taktischen Vorgaben.

Starke Defensive

Im zweiten WM-Finale der Eishockey-Supermächte nacheinander sahen 11.454 Zuschauer in der Berner Arena und Millionen vor den TV-Geräten ein russisches Team, das nicht mit bedingungslosem Offensiv-Eishockey, sondern mit starker Defensive und blitzschnellen Kontern die Kanadier zur Verzweiflung brachte.

Oleg Saprykin (13.) und Alexander Radulow (35.) wandelten so den 0:1-Rückstand durch Jason Spezza (6.) in einen Sieg für den nun alleinigen Rekordweltmeister um (Statistik: Stenogramme).

"So grausam kann Eishockey sein", sagte Kanadas Trainer Lindy Ruff, nachdem sein Team zwei Drittel lang vergeblich gegen das Tor von Ilja Brysgalow angerannt war.

Kanada brennt auf Revanche

Die NHL-Profis aus dem Eishockey-Mutterland fiebern nun den Olympischen Spielen im Februar in Vancouver entgegen, um vor eigenem Publikum im ultimativen Showdown der Superstars Revanche zu nehmen.

"Das wird anders, das wird größer", prophezeite Kapitän Shane Doan.

Dany Heatley, der im Finale leer ausgegangene kanadische WM-Rekordtorjäger, wollte von einer neuen russischen Eishockey-Dynastie jedenfalls nichts wissen.

"Wir sind die Nummer eins"

"Nein, auf keinen Fall", sagte der Deutsch-Kanadier: "Sie haben einige tolle junge Spieler, aber wir auch."

Doch das interessierte Bykows neue Generation in der Stunde des Triumphes nicht.

"Bei Olympia sind wir die Nummer eins", sagte Verteidiger Denis Grebeschkow: "Alle werden gegen uns nervös sein, denn wir haben sie alle in den letzten zwei Jahren geschlagen."

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