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Marco Sturm spielt seit 1997 in der NHL.2005 wechselte er von San Jose nach Boston © SPORT1

Bei SPORT1 analysiert Deutschlands NHL-Star den Auftaktgegner. Bei den Keepern und der Einstellung macht er Schwächen aus.

Von Rainer Nachtwey

Gelsenkirchen/Boston - Er hätte sich wenigstens mit der Heim-WM trösten können, wäre Marco Sturm mit den Boston Bruins in den Playoffs frühzeitig gescheitert.

Er wäre der Hoffnungsträger der deutschen Fans für die Titelkämpfe in Köln und Mannheim gewesen. Und vor allem für das Rekordspektakel gegen die USA vor über 76.000 Zuschauern in der Arena AufSchalke (ab 19.45 Uhr LIVE auf SPORT1), mit dem die Titelkämpfe 2010 eröffnet werden.

Doch Deutschlands Vorzeige-Eishockeyspieler erreichte mit den Bruins die zweite Playoff-Runde, und verletzte sich im ersten Spiel der Serie gegen Philadelphia nach 21 Sekunden so schwer am Knie, dass wohl erst wieder im Dezember an Eishockey zu denken ist.

"Als ich in die Bande gekracht bin, wusste ich sofort, dass etwas kaputt ist", sagt der Flügelstürmer im Gespräch mit SPORT1 und erinnert sich an seinen Kreuzbandriss in der vergangenen Saison. "Es war dasselbe Gefühl wie beim letzten Mal."

Gegen Dänemark zählt's

Zeit, das Turnier in Deutschland zu verfolgen, hätte Sturm nun, aber "in den USA läuft die WM nirgendwo im Fernsehen".

Dennoch drückt der 31-Jährige seinen Teamkollegen fest die Daumen: "Es wird mit Sicherheit nicht leicht, weil wir eine schwere Gruppe haben. Ich hoffe, dass die Jungs das packen."

Vom Einzug in die Zwischenrunde ist Sturm überzeugt. "Das muss auf alle Fälle das Ziel sein. Gegen die USA und Finnland wird es natürlich schwer, das ist klar. Gegen Dänemark ist das Spiel, das man gewinnen muss", sagt Sturm. "Dann hat man die Zwischenrunde auch so gut wie sicher. Und mit dem eigenen Publikum im Rücken kann vielleicht noch mehr rausspringen."(Alles zur Eishockey-WM)

Vor dem Auftaktspiel der deutschen Mannschaft analysiert Sturm gemeinsam mit SPORT1 den Gegner USA, Olympiazweiter von Vancouver.

Torwart: Scott Clemmensen

Der Keeper der Florida Panthers erhöht mit 32 Jahren deutlich den Altersdurchschnitt des jungen amerikanischen Kaders, der mit ihm bei 25 Jahren liegt, ohne ihn bei 23 liegen würde. In seinem Klub ist Clemmensen nur der Backup hinter Tomas Vokoun.

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"Wenn man den Kader begutachtet, ist das vom Papier her die Schwachstelle. Aber er ist kein schlechter Torhüter, so ist es nicht", sagt Sturm und verweist auf die letzte Saison, als Clemmensen in New Jersey Star-Goalie Martin Brodeur ersetzte und die Devils mit 25 Siegen in 40 Spielen zu Platz 1 in der Atlantic Division führte.

"Er hat sein Können bewiesen", sagt Sturm, "aber er ist dennoch nur der Backup, und das muss man versuchen auszunutzen." Für die DEB-Auswahl von Bundestrainer Uwe Krupp heißt es daher "viel Schießen und Druck aufs Tor ausüben, damit man die kleine Chance ausnutzen kann".

Abwehr:

Der Anker der amerikanischen Verteidigung ist Jack Johnson. Der Blueliner von den Los Angeles Kings ließ bereits bei der WM 2009 in Bern sein Können aufblitzen, als er mit 5 Toren treffsicherster Verteidiger des gesamten Turniers war.

Johnson, einziger Spieler des aktuellen Kaders, der mit den USA bei den Olympischen Spielen in Vancouver die Silbermedaille gewann, weist trotz seiner erst 23 Jahre die größte Erfahrung aller Verteidiger auf der internationalen Bühne auf.

Für Sturm ist dies jedoch kein Manko. "Die Mannschaft ist trotz ihres Alters immer noch erfahren genug. Eine Führungsperson fehlt ihnen nicht." Die haben sie in Johnson.

Angriff:

Kein Patrick Kane, kein Zach Parise, kein Jamie Langenbrunner, kein Chris Drury: Die großen Namen sucht man im Angriff der Amerikaner vergebens.

Die Hoffnungsträger von Trainer Scott Gordon heißen Kyle Okposo (22), T.J. Oshie (24) und Brandon Dubinsky (24). Alle drei überschreiten nicht die 25-Jahre-Grenze.

Okposo bewies bei der Generalprobe gegen Frankreich (3:1) mit zwei Treffern seinen Torriecher. "Die Spieler sind individuell einfach sehr gut. Sie wissen haargenau, auf was es ankommt", sagt Sturm.

Special Teams:

Es ist das alte Spiel, wenn man einen Favoriten schlagen will: Von der Strafbank wegbleiben und selbst im Power Play zuschlagen. Auch gegen die USA wird dem Über- und Unterzahl-Spiel eine enorme Bedeutung beikommen.

"Man darf nicht vergessen, auch wenn die richtig großen Namen fehlen, dass die USA einfach besser sind", sagt Sturm. "Aber es müssen eben einige Spieler über sich hinauswachsen. Und wir brauchen natürlich einen guten Torhüter, der alles hält. Dann kann man die USA durchaus schlagen."

Erfahrung:

Die Amerikaner sind eine sehr junge Mannschaft, dennoch spielen bis auf die beiden Ersatz-Keeper und Junioren-Weltmeister Chris Kreider alle in der NHL.

"Kann sein, dass ihnen die WM-Erfahrung fehlt", sagt Sturm, allerdings sind die Erkenntnisse der Gordon-Truppe aus 82 Saisonspielen in der besten Eishockey-Liga der Welt "immer noch immens hoch".

Einstellung:

WM ist etwas für Verlierer: Diese Bild hat sich nicht nur in der amerikanischen Öffentlichkeit, sondern auch bei den Spielern im Kopf festgesetzt. Wer die Playoffs nicht erreicht oder dort früh scheitert, sucht bei den Titelkämpfen nach einem versöhnlichen Saisonabschluss oder verabschiedet sich frühzeitig in Urlaub.

"Die WM wird nicht so ernst genommen wie Olympische Spiele", hat Sturm bei den Amerikanern ausgemacht. "Die Jungs gehen das etwas lockerer an, und das muss man dann schamlos ausnutzen."

Zumal die deutsche Mannschaft das Publikum im Rücken weiß. "Es wird natürlich ein Riesen-Spektakel, ganz klar mit 76.000 Zuschauern. Sicher sind die Amerikaner ein heißer Gegner, aber das deutsche Team muss einfach die Euphorie mitnehmen und alles geben", sagt Sturm. "Und vielleicht gibt?s eine Überraschung."

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