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Alexander Owetschkin wechselte 2005 von HK Dynamo Moskau zu den Washington Capitals © getty

Olympia-Pleite und frühes Playoff-Aus: "The Great Eight" fehlen Team-Trophäen. Das will der 100-Millionen-Mann nun ändern.

Köln - "Alexander der Große", "The Great Eight" oder einfach "Owi": Seit 2005 hält Alexander Owetschkin die Fans in aller Welt in Atem und hat dem Eishockey zusammen mit seinem kanadischen Erzrivalen Sidney Crosby wieder neues Leben eingehaucht.

Doch die wirklich großen Titel sind dem russischen Linksaußen bislang noch verwehrt geblieben.

Bei Olympia in Vancouver wurde der 24-Jährige von Crosby und den Kanadiern gedemütigt. Und als Kapitän der Washington Capitals, dem besten NHL-Team der Vorrunde, scheiterte er trotz einer 3:1-Führung nach Siegen gegen die Montreal Canadiens in der ersten Playoff-Runde.

"Ich versuche, das einfach zu vergessen"

"Wenn du verlierst, versuchst du einfach zu vergessen. Aber wenn man ein Spiel wie dieses verliert, dann ist es hart, Worte zu finden", sagte Owetschkin nach dem 1:2 im Spiel sieben gegen den Rekordmeister.

"Ich versuche, das einfach zu vergessen, aber es ist schwer."

Der Stanley Cup ist das Objekt seiner Begierde, er muss darauf noch warten. Crosby hat ihn bereits, dessen berühmter Mentor Mario Lemieux holte den Pott zweimal und Wayne Gretzky viermal.

Owetschkin ist eine One-Man-Show

Die Schmerzen will Owetschkin nun mit der russischen Sbornaja ein wenig lindern und bei der WM in Deutschland die Goldmedaille holen.

Der Auftakt ist am Sonntag gegen die Slowakei.

Der gebürtige Moskauer ist ein Entertainer, er will Eishockey spielen, er ist aber (noch) kein Stratege. Alexander Owetschkin ist eine One-Man-Show.

Im Verizon Center in Washington muss angesichts der Kabinettstückchen nicht selten das Spiel unterbrochen werden, weil vor Begeisterung die Mützen auf das Eis fliegen.

Auch Kunststücke im Repertoire

Owetschkin ist der komplette Athlet. Kein Stürmer hat seit 2005 mehr Tore in der NHL erzielt als er (269).

In seiner Rookie-Saison waren es bereits 52. Über eines davon sprechen die Fans, als ob es gestern gewesen wäre: Am 16. Januar 2006 beim Spiel der Caps in Phoenix nimmt "Owi" den Puck, zieht aufs Tor, wird vom Verteidiger zu Fall gebracht - und bringt die Scheibe auf dem Rücken rutschend mit dem Schläger über seinem Kopf aus spitzem Winkel ins Tor.

Wayne Gretzky, damals Coach der Coyotes, schaute ungläubig auf die Wiederholung auf dem Videowürfel. Aber der Stürmer legt auch Tore für seine Kollegen auf oder er rammt seine Gegenspieler von den Beinen.

Geld kann Titel nicht ersetzen

Erst bei den Winterspielen in Vancouver bekam das der tschechische Superstar Jaromir Jagr zu spüren, den Owetschkin im Mitteldrittel einfach über den Haufen fuhr.

Und der Angreifer mit der markanten Zahnlücke lässt, immer noch eher unrussisch, auch die Handschuhe fallen und prügelt sich, wenn es ihm zu bunt wird.

Doch Tore, Vorlagen, Hits, Fights oder Ehrungen wie Bester Spieler der Liga (MVP) und Torschützenkönig sind dem Topverdiener, dem die Capitals 2008 einen 13-Jahresvertrag mit einer Garantiesumme von umgerechnet rund 100 Millionen Euro gaben, nicht genug.

Vorbilder aller Art

Er will Titel, Gold soll es bei der WM 2010(Alles zur Eishockey-WM) werden und dann im kommenden Jahr der Stanley Cup.

"Wir müssen uns auf die Playoffs konzentrieren, um mit Drucksituationen besser umgehen zu können", sagte Owetschkin nach dem Aus.

Es ist eigentlich fast undenkbar, dass einer wie er den Stanley Cup nicht holt.

Aber Beispiele aus der Vergangenheit gibt es. Der Kanadier Mike Gartner, der seine Karriere ebenfalls in Washington begann und mit 708 Toren einer der besten Stürmer aller Zeiten ist, schaffte es in 19 Jahren nicht.

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