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Dennis Endras wechselte 2008 vom Zweitligisten EV Ravensburg nach Augsburg © getty

USA-Schreck Dennis Endras freut sich über den "Riesenabend" und hohen Polit-Besuch. Dass er nun die Bank drückt, nimmt er locker.

Aus Köln berichtet Rainer Nachtwey

Köln - Er war der Mann des Spiels. Dennoch wich kurzzeitig - aber nur kurz - das Lächeln aus seinem Gesicht.

Der Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 beim 2:1-Sieg nach Verlängerung der deutschen Nationalmannschaft über die USA 234412(die Bilder) beim Auftaktspiel der 74. Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland wurmte Dennis Endras.

"Da habe ich nicht gut ausgeschaut", sagt der Augsburger Keeper bei SPORT1. "Bitter ist, dass ich den Puck selbst reingemacht habe. Aber so ist Eishockey."

Rasanter Aufstieg aus der Regionalliga

So, aber auch so kann Eishockey sein: Denn "vor ein paar Jahren habe ich in Sonthofen noch vor 200 Zuschauern gespielt. Jetzt spiele ich vor 77.000 für Deutschland".

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Ob er denn träume und gezwickt werden müsse, um aufzuwachen? "Meine Familie muss mich schon seit zwei Jahren zwicken."

Sein Aufstieg führte den mittlerweile 25-Jährigen von der Regionalliga mit Sonthofen zum Förderlizenzspieler und endete als Stammkeeper bei den Augsburg Panther.

Krupps "Bauchgefühl" pro Endras

In Augsburg hat Endras eine überragende Saison gespielt, führte sein Team ins DEL-Finale und stellte dabei einen Rekord auf. Nie zuvor hatte ein Keeper in der DEL über 2000 Schüsse in einer Saison pariert.

"Das DEL-Finale in Augsburg hat mich schon beflügelt", sagt Endras und auch Bundestrainer Uwe Krupp hat bemerkt, dass "Dennis zurzeit unglaublich viel Selbstbewusstsein hat".

Die Entscheidung des Trainerteams für Endras an Stelle von Dimitri Kotschnew, der die komplette Vorbereitung mit der deutschen Mannschaft mitgemacht hatte und überzeugende Leistungen gebracht hatte, war "ein Bauchgefühl".

T-Frage völlig offen

Doch trotz der starken Leistung will sich Krupp auf keine Nummer 1 festgelegen. "Wir könnten jeden der drei einsetzen", sagt der Bundestrainer.

Gegen die Finnen (Mo., ab 16 Uhr LIVE im Ticker und im TV auf SPORT1) wird Endras nicht zwischen den Pfosten stehen. Er erhält eine Verschnaufpause. "Gegen Finnland würde er unter Dauerbeschuss stehen. Er wird wieder gegen Dänemark spielen, da brauchen wir einen Torwart, der fit ist", begründete Krupp seine Maßnahme. (Statistiken)

Für Endras rückt Rob Zepp in sie Startauftsellung. Der Bundestrainer gab dem Berliner Keeper den Vorzug vor Dimitri Kotschnew. "Rob hat eine zeitlang in Finnland gespielt. Deshalb spielt er", sagte Krupp.

Für Dimitri Kotschnew sei "das natürlich sehr bitter", meinte Krupp. "Hätten wir gegen ein ehemaliges Ostblockland gespielt, wie Lettland, hätte Dimitri den Vorzug erhalten."

"Mal sehen wie gut ich schlafen kann"

Endras selbst scheint über die Pause nicht nach dem aufregenden Spiel nicht enttäuscht zu sein. "Ich muss jetzt ein bisschen zur Ruhe kommen, mal sehen wie gut ich schlafen kann", sagte er nach seinem Gala-Auftritt.

Zumal die "Nacht ein bisschen länger war. Es war einfach ein Riesenabend für uns", erzählt Endras.

Vor allem für Endras selbst. Trotz der verpassten Titelgewinn mit den Augsburgern konnte Endras einen persönlichen Erfolg feiern. "Es war wie ein Meisterschaftsgewinn und ein großer Tag für das deutsche Eishockey."

Überraschungsgast in der Kabine

Besonders beeindruckt zeigte sich der Keeper von einem Überraschungsgast in der Kabine: "Der Bundespräsident hat uns persönlich gratuliert, das war eine große Sache."

Einen besonderen Dank richtet Endras an den Bundestrainer: "Ich muss mich bedanken, dass ich spielen durfte. So etwas werde ich in meiner Karriere nicht noch einmal erleben."

Krupp selbst hatte für die beiden Ersatzkeeper "ein Dankeschön" bereit. Obwohl nur ein Backup auf dem Spielberichtsbogen stehen darf, setzte er sich ein, damit beide, Zepp und Pätzold, das Weltrekordspiel von der Bank aus verfolgen durften.

"Ich möchte mich auch bei Team USA bedanken, die dies durch ihre Zustimmung ermöglicht haben."

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