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Der Krefelder Pinguin Patrick Hager landet im Tor der Russen © getty

Nach der ansprechenden Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der Niederlage gegen Russland mahnt Trainer Uwe Krupp.

Köln - Die Fans tobten, die Spieler waren stolz, nur der Bundestrainer wollte das Lob von allen Seiten nicht hören.

"Wir müssen aufpassen, dass wir uns von den Schulterklopfern nicht ablenken lassen", sagte Uwe Krupp, nachdem die deutsche Nationalmannschaft beim Start in die WM-Zwischenrunde beinahe die Siegesserie des Rekordweltmeisters Russland beendet hatte.237553(DIASHOW: Die Bilder der Partie)

Über ihren großen Kampf beim 2:3 gegen die Eishockey-Millionäre um Superstar Alexander Owetschkin, mit dem sie 18.343 Zuschauer in der Kölner Arena begeistert hatten, durften seine Spieler nur kurz reden.

"Riesig Spaß"

"Wir haben uns gut verkauft", sagte NHL-Profi Christian Ehrhoff, der erst 48 Stunden zuvor aus Kanada eingetroffen war, es habe riesig Spaß gemacht, "wir hatten die Chance, das Spiel anders ausgehen zu lassen."

Krupp wurde da deutlicher: "Wir haben ein starkes Spiel gezeigt und von Beginn an aggressiv agiert. Dabei haben wir uns immer wieder gute Torchancen erarbeitet und ständigen Druck auf das russische Tor ausgeübt. Gerade in der neutralen Zone haben wir unserem Gegner wenig Raum gelassen."

Dann war Schluss, Krupp rief sein Team in die Kabine.

Regeneration ist Trumpf

Die Regeneration für die nächsten Aufgaben war wichtiger als die Außendarstellung bei der Heim-WM, die die einmalige Chance bietet, zumindest für zwei Wochen aus der Randsport-Nische herauszukommen. (Die WM-Statistiken)

Konzentration auf das Wesentliche - der in den vergangenen Monaten in die Kritik geratene Bundestrainer lebt es vor. Fokussiert auf die Arbeit mit der Mannschaft, bisweilen verbissen wirkt Krupp, der bei seiner vierten WM um einen krönenden Abschluss seiner Amtszeit kämpft.

Schlussstrich von Krupp?

Denn dass der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land aufhört, gilt als sicher.

Der zermürbende Kampf gegen die Deutsche Eishockey Liga um bessere Rahmenbedingungen, aber auch die Kritik nach dem WM-Debakel von Bern 2009 und dem schwachen Abschneiden bei Olympia in Vancouver haben Spuren hinterlassen. Krupp ist dünnhäutig, misstrauisch und zuweilen einsilbig geworden.

Krupp wortkarg

Über die starke Leistung von Ehrhoff, der mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1:2 (40.) der aufopferungsvoll kämpfenden deutschen Mannschaft neuen Mut gab, wollte er nicht reden: "Sie spricht für sich selbst."

Auf die Frage, warum Dennis Endras am Sonntagabend gegen Weißrussland wieder im Tor stehe, antwortete er nur widerwillig: "Er ist wieder an der Reihe."

Rücktrittsgedanken vor WM

Wegen der Krebserkrankung seiner Frau Valerie hatte Krupp schon vor der WM an Rücktritt gedacht. Doch sie hielt ihn davon ab, und er stürzte sich in die Arbeit.

Offiziell lautet die Sprachregelung beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB): "Wir sprechen in den nächsten Wochen", wie Sportdirektor Franz Reindl wiederholte, der sich erneut für ein weiteres Engagement Krupps aussprach: `Er muss bleiben."

Falsche Perspektive

Der Bundestrainer selbst sieht seine Arbeit seit seinem Amtsantritt im Dezember 2005 nicht ausreichend gewürdigt.

"Nach den Olympischen Spielen sind wir mit identischen Leistungen zerrissen worden", sagte er am Sonntag: "Am Ende guckt niemand auf die Leistung, sondern nur auf Resultate." Er habe in seiner viereinhalbjährigen Arbeit die Philosophie verändert, statt "Reagier-Eishockey" spiele die Mannschaft nun mit, "die Spielanlagen sind nicht mehr anders als bei allen anderen Nationen".

Krupp appelliert

Die Begeisterung nach den bislang starken Leistungen bei der Heim-WM ist ihm suspekt: "Wenn du in der Abstiegsrunde spielst, ist alles schlecht. Geht es nach oben, wird eine unheimliche Euphorie aufgebaut. Wir müssen die Waage halten."

Erneut betonte Krupp, dass seine junge Mannschaft mehr Torchancen als in der Vergangenheit kreiere. Eine davon nutzte Alexander Barta (54.) zum 2:3. Doch der große Unterschied zu den vergangenen Turnieren ist die deutlich verbesserte Defensivarbeit.

Lob von Bykow

"Die Deutschen spielen sehr diszipliniert", lobte auch Russlands Erfolgstrainer Wjatscheslaw Bykow, nachdem nur Ilja Kowaltschuk (15.), Nikolaj Kulemin (27.) und Superstar Owetschkin (50.) die deutsche Abwehr überwunden hatten.

Kreis zahlt sich aus

Vor allem die Aufnahme von Harold Kreis in Krupps Trainerstab erwies sich als Glücksfall. Der erfahrene Coach, der in der Schweiz zwei Meistertitel gewann und die Düsseldorfer EG 2009 ins DEL-Finale führte, war auf sanften Druck der Liga ins WM-Team gerückt.

Mit ihm wurde in der Vorbereitung mehr Wert auf die Defensivaufgaben gelegt und erstmals allen Spielern ein Playbook an die Hand gegeben.

Auch während der Spiele wirkt Kreis ein, gibt Krupp Hinweise, redet mit den Spielern. "An der Bande kommt keine Hektik auf, alle ziehen an einem Strang", sagte Kapitän Marcel Goc.

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