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Für die Schweiz stehen bei dieser WM vier Siege und zwei Niederlagen zu Buche © getty

Bei Deutschlands Viertelfinal-Gegner Schweiz ist die Anfangseuphorie verflogen. Krueger sorgt auf beiden Seiten für Unruhe.

Mannheim - Seit Bundestrainer Uwe Krupp und der langjährige Schweizer Coach beim kurzen Plausch beobachtet wurden, wittern die Schweizer Medien eine Verschwörung.

"Wird Ralph Krueger zum Einflüsterer der Deutschen?", fragte der "Tagesanzeiger" vor dem Viertelfinal-Duell am Donnerstag (ab 20 Uhr LIVE im Ticker und im TV auf SPORT1) in Mannheim gegen den Gastgeber der Eishockey-WM.

Sean Simpson dürfte dies wenig stören, denn der neue Trainer der Eidgenossen hat dem Team - das immer wieder als Vorbild für die Deutschen genannt wurde - innerhalb kürzester Zeit bereits seine eigene Handschrift verpasst.

Neue Ära in der Schweiz

"Im Schweizer Eishockey gibt es eine neue Ära, die hoffentlich noch erfolgreicher wird", sagt der Kanadier, der dem K.o.-Duell gegen den ewigen Rivalen entgegenfiebert:

"Ich bin ein Fan des Eishockeys in beiden Ländern. Ich hatte vier wunderschöne Jahre in Deutschland und bin jetzt glücklich in der Schweiz. Das ist eine besondere Begegnung für mich."

Nachfolge von Krueger

Zur Jahrtausendwende übernahm Simpson die München Barons in der DEL und führte sie gleich im ersten Jahr zum Meistertitel. Danach machte er den Züricher Klub ZSC Lions zum Champions-League-Sieger (2009) und trat nach Olympia das Amt von Krueger an.

Dieser hatte 13 Jahre lang die Eidgenossen überwiegend erfolgreich gecoacht, doch bei großen Turnieren war spätestens im Viertelfinale Endstation für die Rot-Weißen.

Simpson krempelt Team um

Das soll sich unter Simpson ändern. Der 50-Jährige lässt den Olympia-Achten wesentlich offensiver agieren und krempelte zudem den Kader komplett um.

"Sean Simpson hat eine neue Philosophie reingebracht", sagte Stürmer Ivo Rüthemann, mit 33 Jahren einer der wenigen Routiniers im Team. Und selbst Ex-Coach Krueger, der als möglicher Nachfolger von Bundestrainer Krupp gehandelt wird, gestand ein, dass die Veränderungen der "Nati" gut tun:

"Inzwischen ist mir klar, dass dieser Erfolg bei der WM mit mir nicht möglich gewesen wäre."

Niederlagen bremsen Euphorie

Doch die zwei Niederlagen zum Zwischenrundenabschluss gegen Schweden (0:5) und Norwegen (2:3) haben ist die Euphorie im Alpenland von einem leichten Kater abgelöst worden (Die WM-Statistiken).

Die Hoffnung auf die erste WM-Medaille seit 57 Jahren ist etwas gesunken. "Die Schweizer kollidieren mit der Realität", titelte die "Neue Züricher Zeitung" und meinte:

"Eine Niederlage gegen Deutschland wäre eine Enttäuschung, die auch Glanz von den Siegen gegen Kanada und Tschechien nehmen würde."

Schweizer erwarten eine Schlacht

Zuletzt standen sich Deutschland und die Schweiz 1992 bei der WM in Prag in einem Spiel um den Halbfinaleinzug gegenüber 238969(DIASHOW: Deutschland - Slowakei).

Damals siegten die "Eisgenossen" nach hartem Kampf 3:1. Auch dieses Mal erwarten die Schweizer, bei denen Verteidiger Julien Vauclair nach einer Oberkörperverletzung wieder einsatzfähig ist, eine Schlacht.

"Das wird kein schönes Spiel. Es wird um jeden Zentimeter auf dem Eis gekämpft werden", sagte Kapitän Mathias Seger.

"Ralph ist ein Edelfan"

Bundestrainer Krupp erwartet einen Schweizer Gegner, "der inzwischen zu den großen Eishockey-Nationen zählt. Sie sind in den vergangenen Jahren in eine andere Kategorie aufgestiegen."

Insidertipps von Krueger will Krupp aber keine bekommen haben: "Ralph ist so etwas wie unser Edelfan. Wenn wir sprechen, dann geht es meist über seinen Sohn Justin, der bei uns spielt."

Reindl hat nur einen Plan A

Kruegers Anwesenheit ist aber auch aus deutscher Sicht brisant, denn er hat sich selbst öffentlich als Nachfolge-Kandidat für Krupp in Stellung gebracht. Und trotz der überraschenden Erfolge bei der WM ist Krupps Verbleib danach allein aufgrund seiner Privatsituation alles andere als sicher.

DEB-Generalsekretär will dennoch nichts zu Krueger oder anderen potenziellen Nachfolgern sagen: "Ich habe nur einen Plan A: Ein Gespräch mit Uwe Krupp im Anschluss an die WM."

Ullmann: "Sind eine Supertruppe"

Krupps Spieler sind im Moment zu euphorisiert, um sich von Krupps ungewisser Zukunft beeinflussen zu lassen. Die Stimmung bei der nach dem Sieg gegen die Slowakei und dem damit verbundenen Viertelfinaleinzug riesig.

"Wir sind eine Supertruppe", sagt der am Mittwoch 27 Jahre alt gewordene Christoph Ullmann bei SPORT1 und hebt vor allem den Teamgeist hervor: "Wir sind in der Vorbereitung zusammengewachsen und haben viel Spaß miteinander."

Die deutschen Cracks werden alles tun, um sich von den "Eisgenossen" den Spaß nicht verderben zu lassen.

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