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Die deutsche Mannschaft hat die Chance auf die erste Medaille seit Olympia 1976 © getty

Was für ein Kraftakt: Die deutsche Mannschaft erreicht erstmals seit 57 Jahren wieder das Halbfinale einer WM. 1:0 über die Schweiz.

Mannheim - Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat Geschichte geschrieben und darf von der ersten WM-Medaille seit 57 Jahren träumen.

In einem mitreißenden Viertelfinale setzte sich das Team von Bundestrainer Uwe Krupp gegen den Erzrivalen Schweiz mit 1:0 (0:0, 1:0, 0:0) durch und schaffte erstmals seit 1953 den Sprung unter den besten Vier. (das Video)

Im Halbfinale ist die Hürde allerdings riesig: Am Samstag (ab 18 Uhr LIVE im Ticker und im TV auf SPORT1) wartet Rekordweltmeister Russland mit Superstar Alexander Owetschkin.

Große Euphorie im deutschen Lager

"Das ist das größte Event, das ich als Trainer erlebte, so etwas wie der Stanley Cup in der NHL. Es ist unglaublich", meinte Bundestrainer Uwe Krupp und lobte bei SPORT1: "Die Mannschaft hat eine gute Chemie, auch der Trainerstab insgesamt macht eine Superarbeit."

Dem stimmte auch Kapitän Marcel Goc zu: "Diese WM wird keiner von uns vergessen. Wir sind alle happy, jeder hat riesig gekämpft."

Frust bei den Schweizern

Nach der Schlusssirene kam es auf dem Eis noch zu einer Masseschlägerei. "Die Schweizer haben ihren Frust rausgelassen", sagte Stürmer Daniel Kreutzer.

Den größten deutschen Erfolg seit Olympia-Bronze 1976 in Innsbruck schoss Nordamerika-Legionär Philip Gogulla heraus (31.). Der Stürmer der Portland Pirates war in der Zwischenrunde noch nach schwachen Leistungen auf die Tribüne verbannt worden.

Die letzte WM-Medaille hatte die deutsche Mannschaft 1953 gewonnen, als sie Zweiter wurde.

Erster WM-Sieg seit 2002

Für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), bei der Torwart Dennis Endras eine Weltklasseleistung zeigte, endete auch die Negativserie gegen die Eidgenossen.

Die letzten drei WM-Duelle hatte sie verloren, der letzte Sieg war 2002 in Schweden gelungen (3:0).

Die vom ehemaligen Münchner Meistertrainer Sean Simpson trainierten Schweizer, die zuvor mit Siegen gegen Kanada (4:1) und Tschechien (3:2) für Aufsehen gesorgt hatten, verpassten es, erstmals seit 1998 wieder ins Halbfinale einzuziehen.

Schweiz drückt mehr und mehr

Das Duell war von Beginn an hitzig und verbissen. Die deutsche Mannschaft startete mit viel Aggressivität und Härte. Durchaus mit Erfolg, denn zunächst hatte sie mehr vom Spiel und durch Michael Wolf die erste Torchance (5.) 239699(DIASHOW: Die Bilder vom Spiel).

Doch je länger die Partie dauerte, desto mehr setzte sie läuferische Klasse der Schweizer durch. Nach rund zehn Minuten wurde der Druck der Eidgenossen so groß, dass sich das Krupp-Team nur mit zahlreichen unerlaubten Befreiungsschlägen zu helfen wusste.

Endras bekam im Tor mehr Arbeit.

Stockstich von Plüss

Dann jedoch erwies Routinier Martin Plüss dem Schweizer Team einen Bärendienst. Der 33-Jährige vom Meister SC Bern streckte NHL-Verteidiger Christian Ehrhoff mit einem Stockstich nieder (16.).

Plüss, der bereits vier Turniertore erzielte hatte, kassierte eine Spieldauerdizsiplinarstrafe, seine Mannschaft musste fünf Minuten in Unterzahl spielen (Die WM-Statistiken).

Doch die DEB-Auswahl tat sich auch im Power Play schwer, fand selten die richtige Aufstellung. Die einzige hochkarätige Chance hatte Gogulla, der den Puck vor dem Tor aber

nicht unter Kontrolle brachte (19.).

Gogulla nutzt Abpraller

Im zweiten Drittel bekam Endras noch mehr Möglichkeiten, sich auszuzeichnen. Der Augsburger entschärfte aber alle Schüsse, hatte allerdings Glück, als ihm der Puck nach einem Schuss von Paul Savary durch die Beine rutschte, aber nicht im Tor landete (25.).

Erst nach 30 Minuten kämpfte sich die deutsche Mannschaft wieder ins Spiel zurück. Beim 1:0 nutzte Gogulla einen Abpraller von Torhüter Martin Gerber, der den Schuss von Alexander Sulzer nicht unter Kontrolle brachte.

Endras nicht zu überwinden

Die Schweizer waren sichtlich geschockt, die Ordnung war plötzlich verschwunden, die DEB-Auswahl am Drücker.

Erst gegen Ende des zweiten Abschnitts befreiten sich die Eidgenossen wieder und hatten durch Thomas Deruns die Chance zum Ausgleich (38.), doch Endras parierte erneut glänzend. Auch im Schlussdrittel war der Augsburger unüberwindbar.

Butenschön auf der Tribüne

Krupp hatte im 28. WM-Duell der Erzrivalen erneut nur sieben Verteidiger, aber 13 Stürmer aufgeboten. Ausgerechnet Lokalmatador Sven Butenschön von den Mannheimer Adlern musste wieder auf die Tribüne.

Der Hamburger John Tripp blieb als überzähliger Angreifer zunächst auf der Bank, kam aber ab dem zweiten Drittel zum Einsatz.

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