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Christian Ehrhoff spielt seit 2003 in der amerikanischen Profiliga NHL © getty

Christian Ehrhoff ist seit seiner Ankunft beim DEB-Team der Dauerbrenner auf dem Eis. Die WM-Teilnahme ist für den Deutschen Ehrensache.

Köln - Der NHL-K.o. liegt erst anderthalb Wochen zurück und ist doch schon ganz weit weg.

Christian Ehrhoff hat sich längst wieder aufgerappelt und erlebt bei der Eishockey-WM im eigenen Land Unvergessliches.

"Wir haben Geschichte geschrieben und sind darauf unheimlich stolz", sagt der Verteidiger der Vancouver Canucks, der mit der deutschen Nationalmannschaft erstmals seit 57 Jahren unter den ersten Vier steht: "Das toppt natürlich alles." (Das Video zum Viertelfinale)

Ehrhoff: "Ein einmaliges Erlebnis"

Erst vor gut einer Woche war der 27-Jährige in Köln eingetroffen - nach elfstündigem Flug, mit sechs Stunden Verspätung, dem Jetlag im Körper und dem Aus im NHL-Viertelfinale im Kopf.

Den Frust in Lust umzuwandeln hätte jedoch nirgendwo schneller gelingen können als bei der Weltmeisterschaft in Deutschland. "Es ist ein einmaliges Erlebnis für jeden in seiner Karriere", sagt Ehrhoff: "Da vergisst man das Playoff-Aus ganz schnell."

Im Dauereinsatz

Er selbst hat wesentlich zur eigenen Frustbewältigung beigetragen. Seit seinem ersten Einsatz für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes bei der Heim-WM zum Zwischenrundenauftakt gegen Russland vor einer Woche (2:3) ist der NHL-Verteidiger der meistbeschäftige deutsche Feldspieler.

93:28 Minuten stand er in den vier Partien vor dem Halbfinale am Samstagabend gegen den Rekordweltmeister auf dem Eis - länger sogar als fünf Teamkollegen, die alle sieben Spiele absolvierten.

Strapazen sind schnell vergessen

Mit 23:22 Minuten Eiszeit pro Match ist er unter den Top-Acht-Nationen bei dieser WM nach dem finnischen Weltrekordler Petteri Nummelin (23:42), der seine 15. Weltmeisterschaft bestreitet, der Dauerbrenner. (Die WM-Statistiken)

Dass er schon über 100 Saisonspiele in den Knochen hat, merkt ihm niemand an.

Und er selbst spürt es in diesen historischen Tagen ohnehin nicht. "Es macht unheimlich viel Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen", sagt der NHL-Profi aus dem Ruhrgebiet, der in Moers geboren ist: "Da sind alle Strapazen schnell vergessen."

Ehrhoff löst Versprechen ein

Für den Abwehrspieler, der sich in dieser Saison in die NHL-Elite gespielt hat, stand der Einsatz für die Nationalmannschaft nie infrage.

Während andere NHL-Kollegen wie Marco Sturm, Jochen Hecht oder Olaf Kölzig nach einer langen und anstrengenden Saison schon mal auf den Trip zur DEB-Auswahl verzichteten, war Ehrhoff immer da, wenn er gefragt wurde.

"Es ist für mich Ehrensache, für Deutschland zu spielen", betont er immer wieder. Vier WM-Teilnahmen in acht Jahren und drei Reisen zu Olympischen Spielen sprechen für sich. Schon nach dem Olympia-Turnier in Vancouver, in seiner Wahlheimat an der kanadischen Pazifikküste, hatte Ehrhoff versprochen: "Wenn ich in den NHL-Playoffs ausscheide, komme ich."

Krupp: "Er will unbedingt dabei sein"

Er hielt Wort, rief kurz nach der entscheidenden 1:5-Pleite gegen die Chicago Blackhawks Bundestrainer Uwe Krupp an und saß einen Tag später schon im Flugzeug.

"Er setzt ein Riesenzeichen für die Mannschaft", sagte Krupp zu dem Musterprofi: "Das zeigt, wie motiviert er ist, dass er unbedingt dabei sein will."

Schlag in den Bauch

Mit Ehrhoff ist die zuvor schon stabile deutsche Defensive noch sattelfester geworden. Neun Gegentore in den ersten sieben Spielen sind der beste Wert seit 1938.

Mitunter schmerzt der Dienst für die Mannschaft aber auch: Beim 1:0 im Viertelfinale gegen die Schweiz stieß ihm Martin Plüss den Schläger in den Bauch. 239699(DIASHOW: Die Bilder vom Spiel)

Der beste Torschütze der Eidgenossen kassierte eine Spieldauerdiziplinarstrafe und fehlte den Schweizern in den letzten 45 Minuten spürbar. "Da habe ich einen fürs Team eingesteckt", sagt Ehrhoff - und hat die Schmerzen längst vergessen.

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