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Marcel Hossa (M.) gehört zu den slowakischen Spielern mit NHL-Erfahrung © imago

Der enge Kreis der Medaillen-Kandidaten bei der WM erhält Zuwachs. Kanada und Russland sind auf Wiedergutmachung aus.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Im vergangenen Jahr hat die deutsche Mannschaft an der Medaille geschnuppert, in die Phalanx der Großen konnte sie dennoch nicht einbrechen.

Seit 2005 machen fünf Nationen die Medaillen bei den Eishockey-Weltmeisterschaften unter sich aus: Tschechien, Russland, Schweden, Kanada und Finnland.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gesellten sich mit dem diesjährigen Gastgeber Slowakei (Gold 2002, Silber 2000, Bronze 2003) und dem Olympia-Zweiten USA (Bronze 2004) zwei weitere Länder hinzu, bei den letzten Weltmeisterschaften sorgten beide eher für negative Schlagzeilen, als sie gegen den Abstieg (Slowakei 2008, USA 2010) spielten.

Eine Überraschung durch die sogenannten kleinen Eishockey-Nationen wie Deutschland, Schweiz oder Weißrussland blieb aus.

Auch dieses Jahr bei den Titelkämpfen in Bratislava und Kosice (ab 29. April LIVE im TV auf SPORT1) werden die Top Fünf sowie der Gastgeber kaum zu schlagen sein.(DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Russland ist für mich der absolute Topfavorit", sagt SPORT1-Experte Rick Goldmann, "und die Slowakei ist mehr als nur ein Außenseiter-Tipp."

SPORT1 stellt die sechs Titelkandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor:

Finnland:

Man glaubt es kaum, aber Suomi wird die WM ohne Petteri Nummelin bestreiten. Erst zum zweiten Mal innerhalb der letzten 16 Jahre kommt der 38-Jährige bei Titelkämpfen nicht zum Einsatz.

Der Verteidiger vom HC Lugano hatte bei Finnlands bis lang erstem und letztem Titelgewinn 1995 in Schweden sein Debüt gefeiert, nur 2008 verpasste er das Turnier in Kanada, als er sich mit seinem NHL-Team Minnesota für die Playoffs qualifizierte.

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Head Coach Jukka Jalonen hat eine bunte Mischung aus NHL-, KHL- und in der Heimat aktiven Spielern berufen. Star der Mannschaft ist Mikko Koivu, der kleine Bruder von Finnlands Legende Saku Koivu, der längst aus dem Schatten seines großen Bruders getreten ist. Bei der WM in Deutschland sorgten die Youngster Juhamatti Aaltonen und Leo Komarov für Aufsehen.

Kanada:

Für die Ahornblätter war der siebte Platz in Deutschland nach sechs Finalteilnahmen in den letzten sieben Jahren eine herbe Enttäuschung. Coach Ken Hitchcock soll die Schmach vom vergangenen Jahr vergessen machen. Der Trainer der Ahornblätter meldete beim Weltverband auch erst das Minimum mit 15 Feldspielern und zwei Keepern. Die Olympiasieger Corey Perry und Ryan Getzlaf von den Anaheim Ducks sollen die Kanadier in den kommenden Tagen verstärken. 388833(DIASHOW: Die Higlights der WM 2010)

Unter den 15 befindet sich mit Jeff Skinner der jüngste Spieler der WM. Der Stürmer der Carolina Hurricanes feiert am Tag nach dem WM-Finale erst seinen 19. Geburtstag. Wozu der Stürmer im Stande ist, zeigte er in der abgelaufenen NHL-Saison. 31 Tore und 32 Vorlagen gelangen dem Teenager in seiner ersten Spielzeit.

Russland:

Bei der WM in Deutschland setzte es für den Titelverteidiger im Finale eine überraschende Niederlage, das dritte Gold in Folge - den sogenannten "Threepeat" - verpasste die Auswahl von Trainer Wladimir Bykow. Nun ist Wiedergutmachung angesagt. Recht überraschend meldete Bykow bereits zu Beginn des Turniers 20 Feldspieler beim Weltverband IIHF. Lediglich die dritte Torhüter-Position ließ der Sbornaja-Coach noch unbesetzt.

[kaltura id="0_mla01b9r" class="full_size" title="Krupps Jungs verpatzen WM Generalprobe"]

Unter den 20 Feldspielern finden sich mit Starstürmer Ilja Kowaltschuk, den Verteidigern Fedor Tjutin und Dimitri Kulikow sowie Nikolai Kulemin nur vier Akteure aus der NHL wieder, aber auch eine Großzahl der KHL-Spieler kann auf eine beachtliche Anzahl an Einsätzen in Nordamerika zurückblicken.

Der Coach baut auf ein geschlossenes Team statt auf ein Starensemble. "Viele Superstars können eine Mannschaft schnell kaputtmachen", warnt DEG-Stürmer Daniel Kreutzer. Mit Wladimir Tarasenko nominierte Bykow zudem einen möglichen kommenden Star. Der 19-Jährige ließ bei der U-20-WM sein Können aufblitzen, als er sein Team zum WM-Titel über Kanada führte.

Slowakei:

Der Gastgeber ist heiß auf Gold. "Wenn die nicht das Halbfinale erreichen, ist das die Titanic", meint auch SPORT1-Experte Goldmann. Seit einem Jahr arbeitet Coach Glen Hanlon auf die Heim-WM hin. Bei der Auswahl nehme er auf Namen keine Rücksicht, hatte der Amerikaner beim Deutschland Cup im November angekündigt. Dennoch stehen erneut viele alte Bekannte im Kader. Für die alten Herren wie Miroslav Satan, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2002 in Schweden, wird die Heim-WM der letzte Auftritt im Nationalteam sein. 388225(DIASHOW: Die Stars der WM)

Gerade dies spornt Satans Senioren an. Die Mannschaft ist extrem erfahren und vor allem hat sie die Schwachstelle der vergangenen Jahre ausgemerzt. Mit Jaroslav Halak von den St. Louis Blues steht Hanlon ein außergewöhnlicher Keeper zur Verfügung. In der vergangenen NHL-Saison verdrängte er in Montreal Carey Price aus dem Kasten, ließ in der zweiten Playoff-Runde "The Great Eigh" Alex Owetschkin verzweifeln und führte die Canadiens ins Conference Finale.

Schweden:

Das große Jahr 2006, als die Tre Kronor nach dem Olympiasieg in Turin auch das letzte Mal den WM-Titel holten, ist vor allem mit einem Namen verbunden: Peter Forsberg. Der "alte" Schwede mit der 21 hat seine Karriere nach mehrmaligen misslungenen Comebacks endgültig beendet, mit Loui Eriksson steht eine neue Führungsfigur in dem jungen Kader von Coach Pär Marts. Bei den Dallas Stars gehört der Flügelstürmer, der wie Forsberg die 21 trägt, zu den absoluten Leistungsträgern.

In den vergangenen drei Spielzeiten kam er auf 207 Punkte in 243 Spielen. Mit dem "Kindergarten" Magnus Päärjärvi (20), Mattias Tedenby (21), Mickael Bäcklund (22) und Patrick Berglund (22) - alle vier spielen in der NHL - stehen zudem zukünftige Hoffnungsträger in Marts? Aufgebot.

Tschechien:

Ja, er spielt immer noch: Jaromir Jagr. Für den 39 Jahre alten Flügelstürmer, der bei der WM 1992 in Prag noch für die Tschechoslowakei auflief, dürfte das Turnier im Bruderstaat allerdings der letzte Auftritt für Tschechien sein. Nach dem überraschenden WM-Titel hatten viele bereits mit seinem Rücktritt spekuliert.

Aber Jagr macht nicht nur auf dem Eis, selten das, was man von ihm erwartet. Die Titelverteidigung erscheint von den Namen her - Patrik Elias, Martin Havlat, Marek Zidlicky, Ondrej Pavelec - nicht unmöglich, Kanada und Russland erscheinen vom Papier her aber stärker. Aber dies kennen die Tschechen bereits aus dem vergangenen Jahr.

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