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Verbote über Verbote: So reguliert ist Bratislawa © imago

Eine Autofahrt im El Dorado der Verbotsschilder erinnert SPORT1-Redakteur Rainer Nachtwey an eine legendäre Simpsons-Episode.

Ein Verbotsschild hier, ein Verbotsschild da. Bratislava ist in den Tagen der Eishockey-WM der reinste Schilderwald. Fast alles ist verboten.

Und vor allem, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Hier nicht links abbiegen, dort nicht rechts, kein U-Turn und vor allem Parken darf man sowieso nirgends.

In der slowakischen Hauptstadt ist es ein schier aussichtloses Unternehmen, einen Parkplatz zu finden. Rund um die Arena schicken dich die Polizisten von einer Parkmöglichkeit zur nächsten, nur bei ihnen darf man nicht.

So ist man denn froh, wenn man etwas Parkplatzähnliches entdeckt.

Wie am Abend nach dem Überraschungserfolg der deutschen Mannschaft gegen Russland und dem anschließenden Spiel der Slowaken gegen Slowenien.

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Kurz nach 23 Uhr noch einen kleinen Happen essen mit einem Kollegen, also rein ins Auto Richtung Altstadt. Nur dort ist die Parksituation ähnlich.

Eine freie Fläche vor einem eingezäunten Bereich springt mir geradezu ins Blickfeld. Ein einheimischer Audi steht bereits dort, und davor ist noch Platz.

Rund eineinhalb Stunden später machen wir uns vom Restaurant aus auf den Weg Richtung Auto. Von weitem erkennen wir an der Windschutzscheibe bereits einen Zettel. Na Servus, war wohl doch kein so guter Parkplatz. Als wir nur noch wenige Meter vom Auto entfernt sind, fällt mein Blick auf das linke Vorderrad.

D'oh - Hallo Homer Simpson.

Eine Kralle umfasst das Vorderrad. Dazu der Zettel in slowakischer Sprache, ich verstehe kein Wort. Ich male mir bereits aus, wie ich stundenlang vor dem Auto auf eine Polizeistreife warte.

Eben wie Homer Simpson in der Folge "Homer und New York", als Trunkenbold Barney Homers Auto vor dem World Trade Center stehen lässt, und der gelbe Comic-Held es innerhalb von drei Tagen entfernen muss.

Durstig wartend auf die slowakische Polizei, die genau in dem Moment auftaucht, als ich mich - nachdem ich mit Krabbensaft meinen Durst gelöscht habe - erleichtere.

Während in meinen Gedanken die komplette Folge abläuft, kommt zu unserem Glück ein junger Mann in Begleitung vorbei und rettet uns aus der Bredouille.

Kurz eine Nummer gewählt, die Polizei erscheint, nach kurzen Verhandlungen handelt der Slowake den Polizisten von 60 auf 20 Euro herunter, der Beamte entfernt die Kralle und wir können wieder fahren.

Bevor wir nach etlichen Dankbekundungen uns von dem netten Einheimischen verabschieden, gibt er uns noch einen Tipp: "Parkt doch das nächste Mal auf dem Parkplatz hier. Dort kostet eine Stunde nur ein Euro", und deutet auf den eingezäunten Bereich dahinter.

Nun ja, immerhin muss ich nicht vor Sonnenaufgang die Stadt verlassen. Und Krabbensaft mussten wir auch nicht trinken.

An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an den Slowaken. Du warst unser Retter!

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