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Nach 37 erfolgreichen Begegnungen kassierte Russland eine Niederlage gegen Deutschland © getty

Nach der Pleite gegen Deutschland findet Russlands Trainer recht drastische Worte. Die Akteure spielen das Debakel herunter.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Am Morgen danach konnten sie wieder lachen.

Auch wenn die Niederlage aus den Köpfen noch nicht verschwunden war, und Trainer Wjatscheslaw Bykow seine Mannen im Training über das Eis scheuchte, die Freude am Eishockey hat die 0:2-Niederlage (Spielbericht) der russischen Nationalmannschaft nicht genommen.

Während des Dehnens zum Ende der einstündigen Einheit zeigte Starstürmer Ilja Kowaltschuk, dass auch ein 100-Millionen-Dollar-Mann im Grunde immer noch ein Kind ist.

Beim Stretching schoss er Vitali Atjuschow immer wieder mit lockeren Handgelenksschüssen den Puck auf die Brust.

"Das war eine Ohrfeige"

Zu der Niederlage äußern wollte, sich der Star der WM dann doch nicht. Das übernahmen andere.

"Das war eine Ohrfeige", sagte Nationaltrainer Wjatscheslaw Bykow nach der ersten Pleite gegen Deutschland bei einer WM nach 37 Siegen 391186(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Drastische Worte von Bykow

Seine Spieler nahm er zugleich in die Pflicht: "Einige dachten wohl, das geht alles von selbst. Es ist höchste Zeit, aufzuwachen."

Bykows Assistenztrainer Igor Zakharin räumte ein, das Spiel auf die leichte Schulter genommen zu haben. "Wir waren zu selbstsicher. Wir dachten, dass wir sie leicht schlagen können", sagte der Coach. "Wir waren nicht fokusiert genug, uns hat es an Konzentration gefehlt."

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Unangenehme Erinnerungen

Dabei hätten die Russen gewarnt sein müssen. Im Vorjahr hatte sich der Vize-Weltmeister zu einem 2:1-Erfolg im Halbfinale gequält (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Wir erinnern uns sehr gut an das jüngste Halbfinale gegen sie und hatten uns ernsthaft vorbereitet. Leider erfolglos", meinte Verteidiger Ilja Nikulin.

In der Heimat gab es einen großen Aufschrei, wie nach dem Debakel im Olympia-Viertelfinale, als der russische Bär 3:7 gegen Gastgeber Kanada untergegangen war.

Ein Sieg für die Geschichtsbücher

"Historische Niederlage für eine zahnlose russische Mannschaft", schrieb die Tageszeitung "Sport Express".

Und auch der internationale Eishockey-Verband machte au seiner Homepage den deutschen Erfolg zum Thema Nummer eins: "History! Germany 2 Russia 0"

Keine Unruhe bei Russland

Trotzdem spielten Russlands Eishockey-Millionäre die Pleite herunter. "Natürlich sind wir enttäuscht. Aber es gibt keinen Grund, diese Auftaktniederlage zu dramatisieren", sagte Torhüter Jewgeni Nabokow, der beim deutschen Führungstor durch Thomas Greilinger nicht ganz schuldlos wirkte.

"Das war nur ein Spiel. So etwas passiert", bagatellisierte Stürmer Maxim Afinogenow die historische Pleite.

Bykow kündigte für das anstehende Aufeinandertreffen mit Slowenien (So., ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) an: "Wir werden den Kopf nicht hängen lassen. Das ist nicht unser Stil."

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Lob an das Krupp-Team

Und Zakharin führte weiter aus: "Wir müssen aggressiver in die kommenden Aufgaben geben. Wichtig ist, dass wir in der zweiten Turnierwoche unsere besten Leistungen abrufen."

Von Alexej Morosow gab es lobende Worte für die deutsche Mannschaft. "Wir konnten kein Mittel gegen diese gut stehenden Deutschen finden", meinte der Kapitän nachdem die Sbornaja erstmals nach zuvor 94 Länderspiele gegen Deutschland ohne Torerfolg geblieben war.

Und Bykow verteilte das größte Lob, das jemals ein deutsches Team erhalten hat: "Deutschland war die bessere Mannschaft und hat verdient gewonnen."

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