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Erik Ersberg spielt bei Salawat Julajew Ufa in der Kontinentalen Hockey-Liga © getty

Bei den Schweden fallen nach der Pleite heftige Worte. Die Sieger feiern ihren Keeper, der gar nicht im Tor stehen sollte.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava/Kosice - Lars Haugen wusste gar nicht wie ihm geschah.

Ein Spielerknäuel kam auf ihn zugeschossen, der erste stoppte, als es an die Bande gedrückt nicht weiter hinter ging.

Mit seiner Parade gegen Loui Eriksson im Shootout und dem Glück im Bunde, als Schwedens zweiter Schütze Patrick Berglund nur den Außenpfosten traf, führte Haugen seine Mannschaft zur zweiten Überraschung bei der 75. Eishockey-WM in der Slowakei.

Mit 5:4 (1:3, 2:0, 1:1, 0:0, 1:0) nach Penaltyschießen setzte sich der Außenseiter gegen den haushohen Favoriten und den achtmaligen Weltmeister durch.

"Das ist das absolut Beste"

Für die Norweger war der Erfolg gegen die große Eishockey-Nation etwas ganz Besonderes - es war der erste Sieg seit 61 Jahren.

Nicht einmal in Test-, U-20- oder U-18-Spielen war den "Wikingern" ein Erfolg über den Nachbarn gelungen. Einzig bei der WM 1994 in Italien hatten die Norweger den "Tre Kronor" ein Remis abgerungen 388833(DIASHOW: Die Highlights der WM 2010).

"Heute Nacht habe ich davon geträumt, aber ganz ehrlich, ich kann nicht sagen, dass ich das vor dem Kampf erwartet habe", sagte WM-Debütant Lars Haugen.

Das kuriose dabei: Haugen sollte gar nicht im Tor stehen. Der 24-Jährige kam erst durch den verletzungsbedingten Ausfall von Stammkeeper Pal Grotnes zu seinem WM-Debüt.

"Das ist das absolut Beste", jubelte auch Kapitän Ole-Kristian Tollefsen und wusste um die Bedeutung des Sieges. "Es ist eine große Rivalität zwischen uns."

"Es kann nicht schlimmer werden"

Während Norwegen den Sieg in vollen Zügen genoss, herrschte im schwedischen Lager großer Frust (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Kapitän Rickard Wallin sorgte mit Kraftausdrücken gegenüber dem "Aftonbladet" für Aufsehen. "Wir sind scheißenttäuscht. Wir finden selbst, dass das arschschlecht war", hielt sich der Stürmer nicht zurück.

Auch Trainer Per Marts stimmte ein: "Es ist verdammt schief gelaufen. Ich kann nichts Positives finden. Doch: Es kann nicht schlimmer werden."

[kaltura id="0_ntcu3r4b" class="full_size" title="N chste Sensation Norwegen siegt"]

Fehlentscheidung der Schiedsrichter

Besonders bitter für die Schweden waren zwei verspielte Führungen. 3:1 hatten sie nach dem ersten Drittel geführt, 4:3 im Schlussabschnitt.

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Zudem hatten die Schiedsrichter das vermeintliche 4:1 nicht gegeben, denn laut Schiedsrichter war der Treffer erst erzielt worden, nachdem der Pfiff das Spiel bereits unterbrochen hatte.

Nach Toren der beiden Shootout-Fehlschützen Eriksson (7.) und Berglund (12./16.) bei einem Gegentor durch Martin Roymark (9.) gaben die Tre Kronor im zweiten Drittel das Spiel aus der Hand (Der SPORT1-Der Favoritencheck).

"Wir haben es ihnen ermöglicht, ins Spiel zurückzufinden", übte Magnus Päärjärvi Selbstkritik. "Wir haben es zugelassen, dass sie das zweite Drittel dominieren."

Dank Bastiansen in der Verlängerung

Der ehemalige Nürnberger Morten Ask (22.) und Marius Holtet (34.) glichen in den zweiten 20 Minuten zum 3:3 aus, ehe Eriksson mit seinem zweiten Tor, erneut die Führung der Schweden erzielte.

Anders Bastiansen rettete die Norweger durch ihren ersten Treffer, der nicht in Überzahl fiel, in die Verlängerung (56.) und damit mindestens einen Punkt.

"Das war nicht mehr real"

Im Shootout schlug dann die Stunde von Haugen. Nach Per-Age Skroders Führung vereitelte er Erikssons Versuch per Poke-Check.

Der ehemalige Augsburger Mathis Olimb erhöhte auf 2:0, ehe nach Berglunds Schuss an den Außenpfosten der erste norwegische Sieg in der Geschichte von Weltmeisterschaften über Schweden feststand.

"Das war schon nicht mehr real, so gut hat unser Torwart gehalten", lobte Tollefsen den Keeper.

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