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Wjatschelaw Bykow trainiert die russische Nationalmannschaft seit August 2006 © getty

Russlands Trainer greift vor dem Slowakei-Spiel seine Spieler an. Die Medien erinnern an eine Niederlage historischen Ausmaßes.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Wjatschelaw Bykow lacht eigentlich nie, generell huscht selten eine Gemütsregung über das Gesicht des russischenCheftrainers.

Das Auftreten des ehemaligen Nationalspielers erinnert unweigerlich an einen KGB-Agenten - trotz seiner Körpergröße von nur 173 Zentimetern.

Nach dem erneut enttäuschenden Auftritt seiner Mannschaft gegen Slowenien, als beim 6:4-Erfolg ein erneutes Debakel nach der 0:2-Auftaktniederlage gegen Deutschland durch zwei späte Tore verhindert wurde, wirkte der Coach aber eher wie ein Häufchen elend.

"Es war ein lustiges Spiel"

Bei der PK saß er mit hängenden Schultern neben seinem slowenischen Kollegen Matjaz Kopitar, der über das ganze Gesicht strahlte.

Wenn man nicht wüsste, dass Bykows Russen siegreich waren, so hätte man vermuten müssen, die Sbornaja hätte ein zweites Debakel erlebt.

Bykow versuchte mit einem Scherz, die angespannte Situation zu lockern, verzog jedoch keine Mine. Er blieb todernst. "Es war ein lustiges Spiel", sagte er beim Eröffnungsstatement kurz angebunden, "aber das Resultat hat gestimmt. Wir sind glücklich, dass wir gewonnen haben. Wir sind glücklich, dass wir weiter im Turnier sind."

Rundum eine schlechte Leistung

Dann hörte er einem weitausholenden Kopitar zu, der seine überschwängliche Freude kaum in Worte fassen konnte, wie sein kleines Slowenien mit dem Rekordweltmeister mitgehalten hatte (Der SPORT1-Favoritencheck).

Auch Bykow schien diese Zeit zu genießen, denn er wusste, dass er sich anschließend wieder den unangenehmen Fragen der Journalisten stellen musste, insbesondere denen der russischen.

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Der Weltmeister-Trainer von 2008 und 2009 nutzte die Möglichkeit dann jedoch, um scharfe Kritik an seinen Spielern zu üben. "Wir haben unsere Spieler versucht, so gut wie möglich auf den Gegner vorzubereiten. Der Rest liegt an der Einstellung der Spieler."

Und die habe nicht gestimmt, gab Bykow gleich die Antwort.

Lustlos, lethargisch, uninspiriert - in einem Wort grottenschlecht - war der Auftritt gegen Slowenien.

"Ein 5:0 erwartet"

"Bis zum fünften Tor war es wie in Maribor", spielt "Sowetski Sport" auf die historische Niederlage der russischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Slowenien an, als sie in der WM-Qualifikation für Südafrika am Fußball-Zwerg nach einem 2:1-Erfolg im Hinspiel durch ein 0:1 gescheitert war (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Es herrscht große Enttäuschung und Entrüstung. Die Russen haben eher in beiden Spielen ein 5:0 erwartet", sagt ein russischer Journalist. "Das Slowakei-Spiel wird jetzt das wichtigste."

[kaltura id="0_9ggzydol" class="full_size" title="Russland m ht sich zum Sieg"]

Vergleich mit den Weltmeister-Tschechen

Die Bevölkerung sei zwar sauer, aber es sei nicht Zeit für Kritik. "Wir sind in der Zwischenrunde. Bykow hat gesagt, dass die Mannschaft erst in der zweiten Turnierwoche auf dem höchsten Niveau spielen muss", führt er weiter aus 388833(DIASHOW: Die Highlights der WM 2010).

Dabei zieht er einen Vergleich zur vergangenen WM. "So haben es letztes Jahr die Tschechen gemacht. Sie haben gegen Norwegen und die Schweiz verloren, haben im entscheidenden Zwischenrundenspiel Kanada geschlagen und sind dann gegen uns Weltmeister geworden."

"Vielleicht sind sie doch nicht so gut"

Dennoch stimme es in der Mannschaft nicht. Der Reporter führt es auf die Chemie zurück. "Bykow hat gegen Deutschland Zaripow und Mozorow auseinandergerissen, obwohl sie seit acht Jahren zusammenspielen. Er hat auf Nabokow gesetzt, statt unseren besten Keeper Ilja Brisgalow einzuladen", sagt der Journalist.

Und eines hat er noch erkannt. Die Mannschaft muss in der Defensive besser stehen.

Deutschlands Nationalspieler Felix Schütz fasst es prägnant zusammen: "Vielleicht sind die Russen doch nicht so gut."

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