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Jaromir Jagr (r.) sorgte gegen Russland mit dem 2:0 für die Vorentscheidung. © getty

Der 39-järhige Tscheche überragt beim Sieg über Russland. Die Slowakei findet für die enttäuschende Heim-WM einen Sündenbock.

Bratislava/Kosice - Die slowakische Eishockey-Party ist vorbei.

Bei den Russen lässt die Show des Alexander Owetschkin noch auf sich warten, statt dessen rückte der ewige Jaromir Jagr noch mehr ins Rampenlicht.

Der 39 Jahre alte Star des Weltmeisters Tschechien übernahm beim Duell der Giganten gegen Russland die Hauptrolle und führte sein Team zum 3:2 (2:0, 0:1, 1:1)-Erfolg und zum Gruppensieg in der WM-Zwischenrunde.

Beim Gastgeber Slowakei mischten sich nach dem 1:2 gegen Finnland und dem Ende aller Hoffnungen Wut und Trauer. "Schande", titelte die Zeitung "Novy Cas", nachdem die letzte Chance auf das Viertelfinale verspielt war (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Glen Hanlon als Sündenbock

Damit geht der WM-Heimfluch weiter: Seit 1986 hat kein Gastgeber mehr den Titel gewonnen.

Als Sündenbock erkoren die Slowaken den kanadischen Trainer Glen Hanlon aus.

Die Spieler kritisierten sein Spielsystem, die Experten die Zusammenstellung seines Teams.

"Unser System war nicht der Grund, warum wir verloren haben. Unser System war gut", wehrte sich Hanlon, der eigentlich noch einen Vertrag bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi hat, gab aber zu: "Es ist die größte Enttäuschung meiner Trainerkarriere."

"Ich weiß, wie die Welt funktioniert"

Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass dem ehemaligen NHL-Torwart nach der WM der Rauswurf droht.

[kaltura id="0_2l8ix40e" class="full_size" title="Tschechien besiegt Russland"]

"Dies ist nicht mein erster Job. Ich weiß, wie die Welt funktioniert", sagte der Kanadier, als er darauf angesprochen wurde. "Aber ich kann nicht jeden Tag über solche Dinge nachdenken."

Dass er als erster ausländischer Trainer unter besonderer Beobachtung steht, weiß der 54-Jährige: "Ich habe keinen slowakischen Pass, aber ich habe alles getan, was ich konnte."

Slowakischer Nachwuchs stagniert

Harsche Kritik gab es vom slowakischen Eishockey-Idol Igor Liba.

"Wir sind keine Kanadier, wir haben eine andere Spielweise. Das passt nicht zusammen", sagte der WM-Champion von 1985.

Sieben Weltmeister von 2002 ins Team zu holen und den Altersschnitt damit auf 31,3 zu erhöhen, sei ein Fehler gewesen, gab sogar NHL-Stürmer Michal Handzus zu.

"Wir Alten hätten gar nicht mehr spielen dürfen. Aber wir haben keine Nachfolger. Die Jugend stagniert. Noch vor einigen Jahren spielten in der NHL 40 Slowaken, jetzt noch nicht mal mehr 10."

Jagr als Dreh- und Angelpunkt

Anders die Tschechen. Russlands Superstar Owetschkin steckte einen Tag nach seiner Ankunft in Bratislava noch der lange Flug aus Washington in den Knochen.

Zwar bekam der derzeit beste Spieler der Welt viel Eiszeit, doch vieles lief noch an ihm vorbei.

Die Show stahl ihm der 14 Jahre ältere Jagr. Mit seinem Solo zum 2:0 (16.), bei dem Owetschkin als Zuschauer hinterherlief, sorgte der einstige NHL-Star für die Vorentscheidung (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Mit all seiner Routine und Übersicht war er Dreh- und Angelpunkt des tschechischen Spiels.

Die Schweiz vor dem Aus

Kurz vor dem Aus steht die Schweiz.

Nach dem 0:2 (0:0, 0:0, 0:2) gegen Schweden hilft der Mannschaft des früheren DEL-Trainers Sean Simpson nur noch ein kleines Eishockey-Wunder.

Die Eidgenossen müssen am Montag gegen die USA gewinnen, zudem muss Norwegen gegen Frankreich verlieren.

Österreich und Slowenien steigen ab

Die Aufsteiger Österreich und Slowenien stiegen sofort wieder ab.

Das österreichische Fahrstuhlteam stürzte nach dem 1:4 (0:2, 0:1, 1:1) gegen Lettland am letzten Spieltag der Relegation zum vierten Mal in den vergangenen sechs Jahren in die

Zweitklassigkeit.

Für die Slowenen, die in der Vorrunde erst nach Penaltyschießen 2:3 gegen die deutsche Mannschaft verloren hatten, bedeutete die 1:7 (0:2, 1:3, 0:2)-Niederlage gegen Weißrussland den dritten Abstieg seit 2006.

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