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Jaromir Jagr (l. mit Cipulis) gewann 2010 mit Tschechien die Goldmedaille © getty

Jaromir Jagr verzückt auch noch im reifen Alter die Zuschauermassen und Teamkollegen. Die DEB-Spieler freuen sich auf das Duell.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - T-Shirt, kurze Hose, Baseball-Cap. Dazu ein paar Handschuhe, ein Schläger und die Schlittschuhe.

Er kurvt einsam auf dem Eis, nimmt einen Puck hoch, schleudert ihn während dem Fahren in die Luft, fängt ihn mit der Kelle auf.

Für Jaromir Jagr ist dieser Augenblick auf dem Eis der Trainingshalle wohl einer der wenigen Momente, in denen er ganz allein ist.

Beobachtet von zahlreichen Journalisten und Zuschauern, aber auf dem Eis ganz allein (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Sehr populär

39 Jahre ist der Flügelstürmer mittlerweile alt, doch seiner Popularität haben das Alter und das Engagement in der KHL seit drei Jahren keinen Abbruch getan.

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Im T-Shirt wirkt Jagr immer noch unglaublich gut austrainiert - und er strahlt diese Aura aus.

Betritt Jagr die Eisfläche der Orange Arena, verblasst jeder vorherige Jubelsturm. Berührt Jagr während des Spiels den Puck, geht ein Raunen durch die Reihen. Schießt Jagr aufs Tor wird es groß gefeiert.

Und wenn Jagr dann noch trifft wie im Zwischenrundenspiel gegen die Russen (Bericht), könnte man glauben die WM fände in Prag statt.

Fukal schwärmt

Sein Umgang mit dem Puck, seine kurzen Antritte, seine Eleganz auf dem Eis, seine filigrane Technik zieht die Zuschauer in seinen Bann - und seine Landsleute bewundern ihn für seinen Einsatz.

"Der ist 39 und sagt in jedem Interview: Du musst hart arbeiten", schwärmt Fußball-Profi Milan Fukal, der von 2000 bis 2006 für den Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach 109 Bundesliga-Spiele absolvierte.

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Überraschender WM-Erfolg

"Hart arbeiten": Jaromir Jagr wird nicht müde, seinen Erfolg dieser Einstellung zuzuschreiben. Er selbst bezog sich darauf nach dem Gewinn des WM-Titels im vergangenen Jahr.

"Das war sehr wahrscheinlich die größte Überraschung in der Eishockey-Geschichte", meinte damals Jagr. "Die Russen hatten die Stars im Team, wir solche aus der heimischen Liga - dies zeigt, dass es nicht aufs Talent ankommt, sondern auf die harte Arbeit."

Das Team ist wichtig

Und Jagr ist auch ein Team-Player. "Das macht im Moment unseren Erfolg aus", sagt NHL-Star Patrik Elias bei SPORT1, der mit New Jersey bereits zweimal den Stanley Cup gewann. "Jaromir fügt sich in die Mannschaft ein, so wie jeder andere auch."

Die Zeit der Mannschaften mit herausragenden Einzelspielern ohne dabei als Einheit aufzutreten, scheint der Vergangenheit anzugehören.

Das sieht zumindest Elias so. Und ohne darauf angesprochen zu werden, sagt er von sich aus:

"Diese WM zeigt, was möglich ist, wenn man als Team auftritt. Deutschland ist doch das beste Beispiel. Die haben keinen Superstar, kompensieren das aber als Mannschaft."

"Einer der besten Eishockeyspieler"

Die DEB-Auswahl ist nun der nächste Gegner von Jagrs Tschechen (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER). Das Duell mit dem Superstar lässt die Herzen der deutschen Spieler schneller schlagen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Als Alexander Barta auf Jagr zu sprechen kommt, glänzen seine Augen und er strahlt über das ganze Gesicht.

"Ich hatte das Glück und habe schon ein paar Mal gegen ihn spielen können. Er ist einer der besten Eishockeyspieler, die es je geben wird", sagt der Hamburger Stürmer bei SPORT1.

Jagrs Zukunft offen

Wie lange Jagr noch mit seiner Nummer 68 in Tschechiens Nationalteam auflaufen wird, lässt er offen.

Bereits nach dem Gewinn des WM-Titels war über einen möglichen Rücktritt spekuliert worden.

Der Star selbst hielt dem sofort entgegen. "Ich hoffe, dies war nicht mein letztes Spiel für das Nationalteam", sagte er nach dem Finale in Köln. "Ich liebe Eishockey und will so lange wie möglich spielen."

Mindestens zwei Partien, das letzte Zwischenrundenspiel gegen Deutschland und das Viertelfinale, werden es definitiv sein. Tschechische und internationale Fans hoffen, weitere Jahre in den Genuss seines Spieles zu kommen. Und auch die Gegner.

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