vergrößernverkleinern
Auch DEB-Ass Frank Hördler (l.) bekam die Präsenz Jewgeni Artjuchins zu spüren © getty

Russlands Stürmer Jewgeni Artjuchin wütet gegen Tschechien auf dem Eis - der Weltverband lässt allerdings Milde walten.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Leicht unrasiert, die Haare über die Ohren reichend, ein mildes Lächeln: Das Bild auf der Anzeigentafel zeigt Jewgeni Artjuchin eher als Teddybär.

In der Gegenwart des russischen 196-Zentimeter-112-Kilogramm-Riesen aus Moskau wirkt alles kleiner.

Die Trinkflasche und der Schläger in seiner Hand, man selbst, wenn man neben ihm steht.

Er erinnert einen eher an Nikolai Walujew. Sein großer Kopf, der massige Körper, die breiten Schultern - ein harter Kerl, aber dennoch ein Teddybär.

Kaum betritt der Stürmer von SKA St. Petersburg das Eis, verwandelt sich der Teddybär jedoch in ein wildes Raubtier, auf der Jagd nach Gegenspielern, immer bereit, den Gegner zu checken, aufs Eis zu befördern (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Platzwunde und Brummschädel

Erfahrung damit sammelten zuletzt Tschechiens Milan Michalek und Karel Rachunek.

Beim 3:2-Sieg ihrer Mannschaft gegen Russland im Zwischenrundenspiel der Eishockey-WM in Bratislava machten sie nähere Bekanntschaft mit dem Russen.

Verteidiger Rachunek verließ die Eisfläche Ende des letzten Drittels mit einer Platzwunde am Hinterkopf, Michalek spielte mit einem Brummschädel kurz weiter, verließ aber vorzeitig die Partie.

Revanche-Akt gegen Michalek

"Wir haben zwar gewonnen, aber wir haben Milan und Karel verloren, zwei sehr gute Spieler. Das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack", sagte Martin Havlat vom NHL-Klub Minnesota Wild.

Einen bitteren Nachgeschmack auch deshalb, weil der Check gegen Michalek ein Revanche-Akt war.

[kaltura id="0_2l8ix40e" class="full_size" title="Tschechien besiegt auch Russland"]

Nach einem vorangegangenen, eher harmlosen Hit von Michalek und kurzem Trashtalk lief Artjuchin Michalek hinterher und ohne dass der Puck sich in der Nähe von Michalek befand, beförderte Artjuchin den Stürmer der Ottawa Senators zu Boden.

Zwei Minuten Zeitstrafe für Behinderung war die Folge. Mehr nicht. Obwohl der Ellbogen Artjuchins hochging.

Pavelec wird ausfallend

Die Disziplinarkommission der IIHF hat auch im Nachhinein keine Sperre gegen ausgesprochen. Der Ausschuss kam zu der Erkenntnis, dass der Check mit der Zwei-Minuten-Strafe ausreichend bestraft wurde.

"Er ist ein gewaltiger Kerl. Es ist schwer, ihn zu stoppen, wenn er jemanden checken will. Er ist ein gewaltiges Monster, auf der Jagd nach dir. Einer seiner Hits war nicht regelgerecht, weil unser Spieler nicht in Scheibenbesitz war", sagte Jaromir Jagr noch in freundlichem Ton.

Schärfere Worte fand Tschechiens Torwart Ondrej Pavelec. "Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber dieser Kerl ist ein 'f****n' idiot'", formulierte es der Keeper der Atlanta Thrashers gegenüber dem finnischen Portal von "Jatkoaika.com".

"Das macht er vorsätzlich"

Und Pavelec fuhr in Rage fort: "Sein einziger Job ist es, Gegner zu verletzten. Das macht er vorsätzlich, das ist kein Zufall."

Pavelec muss es wissen, schließlich spielte der Torwart in der vergangenen Spielzeit noch mit Artjuchin im selben Klub in Atlanta.

Sperre gefordert

Und auch Havlat stimmte ein. "Zu Artjuchin gibt es nichts zu sagen, außer, das er im nächsten Spiel nicht spielen sollte", sprach sich der Stürmer aus (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Dann fuhr er dennoch fort: "Er hatte drei Bandenchecks und Checks gegen den Kopf in einem Wechsel. Wir sprechen die ganze Zeit über die Sicherheit der Spieler, aber das war gefährlich. Er hat zwei Spieler verletzt."

Weicher Kern

So sehr Havlat Artjuchin auch verdammt, der Riese mit der harten Schale zeigte nach der Partie auch einen weichen Kern.

Als nach der Begegnung beide Teams in einer Reihe hintereinander die Hand schüttelten, verweigerten die Tschechen dem Russen den Handschlag.

Nach fünf vergeblichen Versuchen scherte Artjuchin aus, fuhr einsam um die Tschechen herum. Sein Blick wirkte traurig. Wie ein zurückgelassener Teddybär.

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel