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Finnland gewann bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin Silber © getty

Nach dem langersehnten Titel gibt es bei den Finnen kein Halten mehr. Der Coach nennt den entscheidenden Faktor für den Sieg.

Bratislava - Als das lange Warten nach 16 Jahren ein Ende hatte, gab es für die Finnen kein Halten mehr.

"Jetzt wird's wild", rief Jungstar Mikael Granlund nach dem 6:1-Triumph im Finale (Bericht und Video) von Bratislava gegen den Erzrivalen Schweden und verschwand zur ersten Sause in die Kabine.

Der 19-Jährige, der den ewigen Zweiten mit seinem Zaubertor gegen Rekordweltmeister Russland erst ins Endspiel geführt hatte, gab damit den Startschuss zur großen blau-weißen Party.

In Bratislava feierten die mehr als 2000 Suomi-Fans noch lange ausgelassen das zweite WM-Gold nach 1995, in der eishockeyverrückten Heimat machten Zehntausende die Nacht zum Tage.

"Es war ein langer Weg"

Und die Helden versuchten zwischen Sektduschen und Jubelgesängen, den so lange herbeigesehnten Erfolg einzuordnen. `

"Beim ersten WM-Titel war ich zwölf", erzählte NHL-Profi Tuomo Ruutu, "ich hab's am Fernseher verfolgt und bin am nächsten Morgen in die Schule gegangen. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Es war ein langer Weg hierher."

Jalonen lobt den Charakter

Von den Weltmeistern von 1995, die ausgerechnet im Stockholmer Globen gegen die Schweden mit 4:1 triumphiert hatten, war in Bratislava erstmals niemand mehr im Team.

Alle Versuche zuvor, bei denen mindestens ein 95er dabei gewesen war, waren gescheitert.

Viermal erst im Finale, einmal auch im Olympia-Endspiel 2006 in Turin. "Ich hoffe, wir müssen jetzt nicht wieder 16 Jahre warten", sagte Stürmer Leo Komarov. Dass in der Slowakei endlich der große Wurf gelang, lag an einer Qualität, die den Finnen in all den Jahren stets gefehlt hatte.

"Wir waren mental stark", sagte Trainer Jukka Jalonen, "wir lagen fast in jedem Spiel mit ein, zwei Toren hinten, sind aber immer zurückgekommen. Das sagt eine Menge über den Charakter dieses Teams aus."

Dann "wäre alles anders gelaufen"

Auch gegen die jungen Schweden geriet Jalonens Mannschaft durch ein Tor des 20-jährigen Magnus Pääjärvi-Svensson in Rückstand (28.), doch dann brachte wieder Granlund die Finnen zurück ins Spiel.

[kaltura id="0_szgnvxen" class="full_size" title="Finnland ist neuer Weltmeister"]

Bei einem unwiderstehlichen Solo war der künftige Profi der Minnesota Wild nur durch ein Foul zu stoppen. Die Strafzeit nutzte Jarkko Immonen sieben Sekunden vor der zweiten Drittelsirene zu seinem neunten Turnier-Tor.

"Wenn wir das Tor nicht bekommen hätten, wäre alles anders gelaufen", mutmaßte Schwedens NHL-Verteidiger Mattias Tedenby (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Harte Kritik des Trainers

Im Schlussdrittel brach der achtmalige Weltmeister völlig auseinander.

"So ist es, wenn junge Spieler Sachen versuchen, die sie nicht können", urteilte Trainer Pär Marts über das katastrophale Defensiv-Verhalten seines Team mit elf Spielern unter 23 Jahren.

Ein Doppelschlag von Petteri Nokelainen (43.) und Niko Kapanen (44.) sowie späte Treffer von Janne Pesonen (57.), Mika Pyörälä (58.) und Antti Pihlström (60.) besiegelten den höchsten Finalsieg in der WM-Geschichte.

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Coach Marts ist "völlig leer"

Granlund, dessen "Lacrosse-Tor" (Video) im Halbfinale das Bild dieser Weltmeisterschaft bleiben wird, wollte, mit Gold dekoriert, von seinem Geniestreich gar nichts mehr wissen.

"Das war doch nur ein Tor. Was wirklich zählt, ist diese Medaille", sagte er.

Zu viel Edelmetall hat dagegen Schwedens Trainer Marts in seiner Sammlung. Nach zwei Finalniederlagen als U-20-Coach gab es diesmal wieder die falsche Plakette.

"Ich habe zu viele Silbermedaillen, ich will keine mehr", sagte der 58-Jährige nach seiner ersten WM an der Bande der A-Nationalmannschaft, "aus Niederlagen lernt man ja eigentlich. Aber ich weiß im Moment wirklich nicht, was. Ich bin völlig leer."

Das waren einige Stunden später auch die Biervorräte in Bratislava und im fernen Finnland.

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