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Russlands Superstar Jewgeni Malkin spielt seit 2006 bei den Pittsburgh Penguins © getty

Jewgeni Malkin führt die Sbornaja mit einer phänomenalen Leistung zum WM-Titel. Der eigentliche Held ist Coach Biljaletdinow.

Aus Helsinki berichtet Rainer Nachtwey

Helsinki - Etwas Neues ist es nicht, was sich die russische Mannschaft einfallen lässt.

Die Spieler um die Superstars Jewgeni Malkin und Alexander Owetschkin schnappen sich Trainer Sinetula Biljaletdinow und lassen ihn in der Hartwall Areena hochleben.

Dreimal werfen die Spieler ihn in die Luft, ehe der russische Coach wieder festen Füßen unter sich hat.

Gleiches hatte sein Vorgänger Wjatscheslaw Bykow erlebt, als er 2009 in der Schweiz das letzte Mal mit der Sbornaja den WM-Pokal nach Russland geholt hatte.

Aber nach dem Gewinn des 26. WM-Titels durch das 6:2 gegen die Slowakei im Endspiel von Helsinki (Spielbericht) erhält der Coach eine besondere Auszeichnung (DATENCENTER: Die Spiele der WM).

"Der beste Coach in Russland"

Keine materielle, aber die Worte seiner Spieler, insbesondere des Superstars Owetschkin, dürften dem 57 Jahre alten Biljaletdinow weit mehr wert sein.

"Er ist der beste Coach, den es in Russland gibt. Es ist für mich eine Ehre für, diesen Coach und dieses Team zu spielen", sagt der Starspieler des NHL-Klubs Washington Capitals.

Eine Einheit, keine Einzelkämpfer

Biljaletdinow hat das geschafft, was Bykow vor zwei Jahren in Deutschland nicht gelang. Seinem Vorgänger hatte eine ähnliche Mannschaft zur Verfügung gestanden, neben Malkin, Owetschkin, Pawel Dazjuk war zudem noch der vierte Ausnahmekönner Ilja Kowaltschuk im Kader.

Die Russen unterlagen damals im Finale jedoch Außenseiter Tschechien. Neid und Missgunst innerhalb der Mannschaft waren für das Scheitern verantwortlich.

Biljaletdinow hingegen hat in Stockholm und Helsinki aus einer Großzahl an überragenden Einzelspielern eine Einheit geformt, die sein System umsetzt, seine Vorgaben befolgt und am allerwichtigsten - erfolgreich spielt.

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"Der Trainer ist sehr wichtig für uns", sagt Owetschkin, "Jeder mag ihn und spielt mit Herz. Jeder von uns hat verstanden, was wir machen müssen, um zu gewinnen."

Malkin, der WM-Held

Der ehemalige Verteidiger schaffte es auch, den überragenden Spieler, der der WM seinen Stempel aufgedrückt hat, nach dem Aus in den NHL-Playoffs zu motivieren und ihn dazu zu bringen, im Turnier eine Leistung abzurufen, die seines Gleichen sucht.

Was Jewgeni Malkin bei den Titelkämpfen zeigte, wie er die gesamte WM an sich riss, war bei den letzten Weltmeisterschaften keinem Spieler gelungen.

Viel Lob für Malkin

Der ehemalige russische Weltklasse-Verteidiger Alexei Schitnik tituliert Malkin bei SPORT1 als den "zurzeit besten Spieler der Welt".

Und Igor Larionow, Mitglied der legendären KLM-Reihe um Wladimir Krutow und Sergej Makarow, lobt im SPORT1-Interview Malkins Vorzüge.

"Die Art wie er sich bewegt, wie er seine Plays macht, wie er in der Defensive arbeitet, technisch überragend ist, machen ihn einfach unberechenbar", sagt der zweimalige Olympiasieger, dreimalige Stanley-Cup-Champion und viermalige Weltmeister.

[kaltura id="0_x007ybe5" class="full_size" title="Der SPORT1 WM R ckblick"]

WM-Spiele nicht immer möglich

Larionow stellt aber auch Malkins Wille und seine Motivation heraus.

"Wenn man mal den Stanley-Cup gewonnen hat, Topscorer in der NHL war, und nun die Möglichkeit hat, Gold bei der WM zu gewinnen, dann nutzt man diese Chance, vor allem weil Pittsburgh selten früh ausscheidet", meint der ehemalige Weltklasse-Stürmer.

"Er weiß, dass er nicht jedes Jahr eine WM spielen kann. Deshalb hängt er sich dieses Jahr so rein, und das ist schön zu sehen."

Auf einer Stufe mit Gretzky

Mit dem Titel, der Wahl zum wertvollsten Spieler und Topscorer der WM wurde Malkin entlohnt. Zudem hält er mit keinem Geringeren als Wayne Gretzky nun einen Rekord.

Außer den beiden - Gretzky 1982 - gelang es keinem Spieler bisher, eine NHL-Saison und eine Weltmeisterschaft als Topscorer abzuschließen.

Einheit als Schlüssel zum Erfolg

Sowohl Larionow als auch Schitnik werden aber nicht müde, zu erwähnen, dass sich die russische Mannschaft nicht allein auf den 26-Jährigen reduzieren lässt.

"Russland hat viele gute Spieler, die Tore schießen können. Das ist der Schlüssel, den man finden muss, wenn Malkin mal nicht trifft", sagt Larionow.

Und Schitnik bringt wieder den Trainer ins Spiel: "Russland ist nicht Malkin allein. Der Coach hat eine sehr gute Mischung gefunden."

Biljaletdinow hat die Mannschaft geformt und genießt bei seinen Spielern allerhöchstes Ansehen. "Wir respektieren ihn sehr", meint Malkins Reihenkollege Alexander Pereschogin.

Und Owetschkin sagt: "Die ganze Atmosphäre, das ganze System passt einfach."

Dazjuk, der Arbeiter

Wie gut sich die Spieler auf Biljaletdinows System eingestellt haben, zeigt das Beispiel Pawel Dazjuk.

Der Starstürmer der Detroit Red Wings leistete viel Defensivarbeit, um seinen Reihenkollegen Owetschkin und Alexander Sjomin den Rücken freizuhalten.

"Dazjuk hat eine hervorragende WM gespielt", sagt SPORT1-Experte Rick Goldmann. "Das findet man zwar nicht in der Statistik, aber was er an Zweikämpfen gewonnen und nach hinten gearbeitet hat, war enorm."

Erst im Finale hatte Dazjuk mit einem Tor und zwei Vorlagen seine WM-Bilanz auf sieben Scorerpunkte ausgebaut (SERVICE: Die WM-Statistiken).

Nächstes Ziel: Olympia-Gold

Das erste Etappenziel hat Biljaletdinow mit dem Gewinn des WM-Titels erreicht.

Es wartet auf ihn aber noch die echte Reifprüfung. 2014 stehen in Sotschi die Olympischen Spiele an. Dort zählt für die Sbornaja nichts anderes als Gold.

Ob die Spieler ihn dann auch wieder dreimal in die Luft schleudern und von ihm in höchsten Tönen schwärmen, wird sich im Februar 2014 zeigen.