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Flügerstürmer Alexander Owetschkin spielt seit 2005 bei den Washington Capitals © getty

Alexander Owetschkin ist am Ziel: Nach langer Durststrecke gewinnt er wieder einen Titel. Mit seiner Rolle fährt er problemlos.

Von Rainer Nachtwey

Helsinki - Den Pokal festumklammernd rennt er an den wartenden Journalisten vorbei.

Ein kurzer Klaps auf die Schulter des Fragen beantwortenden Kapitäns Ilja Nikulin, dann geht die Hand sofort wieder zur Trophäe.

Er reißt diese hoch, präsentiert sie vor den Fotografen wie ein stolzer Vater sein neugeborenes Kind und lässt einen Jubelschrei ertönen.

Dann verschwindet Alexander Owetschkin mit seinem Baby in der Kabine.

Owi hat großen Anteil, dass er den Pokal in Händen halten kann. Beim 6:2-Finalerfolg über die Slowakei (Nachbericht) legte der Flügelstürmer den 1:1-Ausgleich von Alexander Sjomin auf und bereitete das 5:1 von Pawel Dazjuk vor.

Ein Tor blieb ihm im Endspiel allerdings verwehrt, obwohl er es reichlich versuchte.

Es dürfte ihm aber egal sein.

Erster Titel seit 2008

Endlich hat er einen Titel geholt, erstmals seit der WM 2008 in Halifax, als er mit der Sbornaja im Finale die Kanadier auf eigenem Eis bezwungen hatte.

Aber es ist auch erst sein zweiter Mannschafts-Titel, in der NHL fehlt ihm der Stanley-Cup-Triumph noch, bei den olympischen Spielen scheiterte er mit Russland an Kanada kläglich.

Im Schatten von Malkin

Einzelauszeichnungen hat Owetschkin bei den Washington Capitals en masse gesammelt, aber was zählen diese schon in einer Mannschaftssportart?

Sie lesen sich gut im Lebenslauf, aber am Schluss bleibt doch immer die Frage: Olympia-Gold? Stanley Cup? Weltmeister?

Mit dem Finalsieg hat der Ehrgeizling eine vier Jahre dauernde Durststrecke beendet. Allerdings wird der WM-Titel 2012 immer mit einem anderen Namen in Verbindung gebracht: Jewgeni Malkin.

Es war Malkins Team.

Malkin, der Superstar

Der Star der Pittsburgh Penguins war von Turnierbeginn an da, Malkin erzielte 19 Scorerpunkte in zehn Spielen, Malkin machte in jeder Partie mindestens einen Punkt, Malkin drehte im Alleingang die Partie gegen Schweden mit drei Toren und zwei Vorlagen, Malkin schoss Russland mit einem Dreierpack ins Finale gegen die Slowakei.

Und Malkin setzte im Finale mit dem Tor zum 6:2-Endstand den Schlusspunkt auf seine WM (DATENCENTER: Die Spiele der WM).

[kaltura id="0_x007ybe5" class="full_size" title="Der SPORT1 WM R ckblick"]

Der Rockstar und die Diva

Aber Rockstar Owetschkin akzeptierte seine Rolle hinter Diva Malkin. Er kam erst nach dem Aus in den NHL-Playoffs zu den Viertelfinals nachgereist, verdeutlichte dabei aber wieder, wie gern er für sein Land aufläuft.

Und er hat gelernt sich einzuordnen.

Nicht wie 2010, als die Russen durch Einzelaktionen das Team auseinanderrissen und deshalb den Titel vergeigten.

Für den 26 Jahre alten Owetschkin ist es sicherlich nicht leicht, schließlich war er es, der immer im Mittelpunkt stand.

Owetschkin, der Spion

Owetschkin war es, der 2004 an Nummer eins gedraftet wurde - vor Malkin. Owetschkin war es, der sich mit Sidney Crosby das Duell in den Playoffs 2009 lieferte, sich auch abseits des Eises in Werbespots mit Crosby duellierte, Owetschkin war es, der den russische Spion in der Werbung spielte.

DER Check gegen Jagr

Owetschkin war es, der mit DEM Tor gegen Phoenix vor den Augen Wayne Gretzkys alle verblüffte, als er im Fallen den Puck mit dem Schläger hinter dem Kopf im Kasten versenkte, Owetschkin war es, der bei den Olympischen Spielen gegen Altstar Jaromir Jagr DEN Check ansetzte.

Bei der WM adelte "The Great 8" aber seinen Mitspieler. "Keiner kann ihn stoppen. Er ist der Beste momentan", sagte Owetschkin nach Malkins drei Toren gegen Finnland (SERVICE: Die WM-Statistiken)

Bescheidene Ikone

Seine Leistung redete er hingegen klein. "Ein glückliches Tor", sagte er lachend und ging grinsend weiter, als er auf sein Tor angesprochen wird.

Dass Owetschkin und Malkin nebeneinander in einem Team mit weiteren Ausnahmekönnern existieren können, ist die größte Leistung von Sbornaja-Coach Sinetula Biljaletdinow. Und dem Trainer schreibt Owetschkin alles zu.

"Egal was passiert, wir halten uns alle ans System. Jeder macht seinen Job, arbeitet hart, und dadurch belohnen wir uns. Es ist mir eine Ehre, für diesen Coach zu spielen."

Nun auch Olympia-Gold?

Unter Biljaletdinow soll auch dann der große Coup 2014 in Sotschi folgen.

Definitiv mit Alexander Owetschkin, denn selbst wenn die NHL keine Pause während der Olympischen Spiele in Russland macht - derzeit laufen noch Verhandlungen -, er wird mit seiner Nummer 8 im russischen Trikot auflaufen.

"Das ist, was ich will. Alle Russen wollen das, Kowaltschuk, Malkin. Und das werde ich auch wahrmachen", lässt der zweimalige NHL-MVP keine Zweifel aufkommen.

Wie es ist an der Seite Malkins zu spielen, weiß Owetschkin jetzt. Und vielleicht kann er 2014 dann sein Baby Olympia-Gold wie ein stolzer Vater präsentieren.

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