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Franz Reindl spielte insgesamt 666-mal in der Bundesliga und erzielte 423 Tore © getty

Im Interview der Woche spricht Franz Reindl über negative Schllagzeilen, die Erwartungen an das DEB-Team und seine WM-Favoriten.

Von Rainer Nachtwey

Die WM 2008 in Halifax und Quebec City war für das DEB-Team sportlich durchwachsen und neben dem Eis ein Fiasko: Der zehnte Platz bei nur einem Sieg wurde überschattet von zwei Personalien und Ärger mit den Fans.

Florian Busch hätte nach einem versäumten Dopingtest nach Ansicht der WADA nicht spielen dürfen, die Rechtmäßigkeit von Jason Hollands Mitwirken war ebenso unklar, da er als Junior für Kanada gespielte hatte.

Nachdem die nach Kanada mitgereisten deutschen Fans ihrem Unmut bei der 1:10-Klatsche gegen die Gastgeber Luft verschafften, sagte Uwe Krupp, diese Zuschauer wären besser zu Hause geblieben.

Ein Jahr später soll nun alles besser werden: Sport1.de fragte DEB-Sportdirektor Franz Reindl vor den Titelkämpfen in der Schweiz (ab Fr., 16 Uhr LIVE) nach seinen Erwartungen an die Mannschaft, den Vorbereitungen und eventuelle Nachnominierungen aus der NHL.

Sport1.de: Bei der letzten WM in Kanada sorgten die "Skandale" um Florian Busch und Jason Holland abseits des Eises für Schlagzeilen. Haben Sie dieses Jahr bei der Kaderzusammensetzung darauf geachtet, dass solche Eventualitäten ausbleiben?

Franz Reindl: Wir gehen immer davon aus, dass es keine Probleme gibt. Aber seit dem letzten Jahr nehmen wir die Prüfung noch genauer. Bei Florian Busch war die Sachlage eine andere. Das war von unserer Seite aus nicht zu beeinflussen. Für die WM sehen wir uns im sportlichen als auch im administrativen Bereich gut vorbereitet.

Sport1.de: Sind Sie wegen der Vorfälle bei der letzten WM vorsichtiger ins Ringen um die Spielgenehmigung für Jochen Hecht gegangen? (NADA gibt Grünes Licht)

Reindl: Da haben wir aus der Vergangenheit gelernt. Insbesondere den NADA-Antidopingcode, der seit dem 1.1.2009 Gültigkeit hat, hält der DEB absolut strikt und konsequent ein. Wir werden keinen Spieler nominieren, der nicht die Athletenvereinbarung unterzeichnet und oder von der NADA Grünes Licht bekommen hat.

Sport1.de: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Turnier in der Schweiz?

Reindl: Die Leistungen und das Auftreten der Mannschaft in den Vorbereitungsspielen macht Hoffnung auf eine gute WM. Wir haben ein junges, starkes Team, das läuferisch im internationalen Geschäft mithalten kann. Deswegen gehen wir sehr, sehr positiv gestimmt in diese WM. Wir wissen allerdings, dass eine WM zwar lang dauert, zunächst aber aus der Vorrunde besteht, bei der man nicht Letzter werden darf.

Sport1.de: Ist die Plätzeverteilung in der Vorrundengruppe bereits vorgegeben mit Weltmeister Russland, dahinter Gastgeber Schweiz, anschließend Deutschland und Frankreich?

Reindl: Das ist nur die Papierform. Letztlich muss jede Partie gespielt werden, und wir gehen in jedes Spiel sehr, sehr gut vorbereitet. Uwe Krupp wird seine Mannen zu hundert Prozent eingestellt haben. Im Sport kann man keine Rechenspiele anstellen.

Sport1.de: Die Franzosen werden voraussichtlich auf Star-Torhüter Cristobal Huet verzichten müssen, der mit Chicago noch in den NHL-Playoffs spielt. Ist dies ein Vorteil für die deutsche Mannschaft?

Reindl: Ich glaube nicht. Die Franzosen haben einen starken Kader, sind aufgestiegen und haben sich in der A-Gruppe gehalten. Sie sind ein ernstzunehmender Gegner. In der vergangenen Saison sind wir im Suisse Cup auf sie getroffen, da war Huet auch nicht im Tor, und wir konnten erst in letzter Sekunde das Spiel 6:5 für uns entscheiden.

Sport1.de: Für Deutschland sind noch Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Dennis Seidenberg in der NHL aktiv. Allerdings sieht es derzeit danach aus, dass sie mit ihren Teams San Jose Sharks und Carolina Hurricanes in der ersten Runde scheitern könnten. Haben Sie bereits einen Gedanken daran verschwendet, die drei zu kontaktieren?

Reindl: Das beschäftigt uns erst, wenn es wirklich soweit ist. Wir sind laut IIHF-NHL-Vertrag angehalten, mit den Spielern während des laufenden Wettbewerbs keinen Kontakt aufzunehmen. Daran halten wir uns und lassen die Spieler in Ruhe. Sollte sich die Situation ergeben, werden wir uns damit befassen, und Uwe Krupp wird eine Entscheidung fällen.

Sport1.de: Welchen Einfluss hat das Turnier in der Schweiz auf die WM 2010 im eigenen Land?

Reindl: Es spielt eine große Rolle. Es ist für uns richtungweisend. Zudem sind die Platzierungen bei der jetzigen WM ausschlaggebend für die Weltranglistenplatzierungen und wirken sich dementsprechend auch auf den Spielplan 2010 aus. Dann erst entscheidet sich: Wer wird unser Gruppengegner, wer wird Gegner im Auftaktspiel? Wir wollen so weit wie möglich kommen, um in der Weltrangliste einen Sprung nach vorne zu machen.

Sport1.de: Hat die Heim-WM auch Einfluss auf die Spieler in Bezug auf die Kaderplätze im kommenden Jahr?

Reindl: Davon gehe ich zu hundert Prozent aus, das hat man auch in den Vorbereitungsspielen gesehen, die alle von hoher Intensität und Leidenschaft geprägt waren. Da will jeder seine Chance nutzen, und ich kann mich an keine Situation erinnern, bei der die Kadersituation so eng gefasst und ein Unterschied zwischen den Nominierten und Nichtnominierten war.

Sport1.de: Welcher deutsche Spieler wird bei der WM groß auftrumpfen?

Reindl: Man hofft immer, dass es der oder der wird. Aber es war immer so, und es wird immer so sein, dass einer eine Leistungsexplosion hat und dann überrascht. Wir haben auf jeden Fall genügend Spieler mit dem Potenzial, die das schaffen können. Ich bin guter Dinge, weil ich die vier Blöcke, die wir im Rennen haben, als sehr stark einstufe. Die Spieler haben große individuelle Fähigkeiten und werden den nötigen Einsatz geben. Namen kann man aber nicht nennen.

Sport1.de: Wer wird Weltmeister?

Reindl: Das ist so schwer zu beantworten.

Sport1.de: Wer von den üblichen Sechs - Kanada, Russland, Tschechien, USA, Schweden oder Finnland - hat die besten Chancen

Reindl: Einer der üblichen Sechs wird es werden. Ich glaube, dass Russland als amtierender Weltmeister wieder sehr gute Chancen hat. Aber die die anderen fünf Großen haben auch das Potenzial, den Titel zu gewinnen.

Sport1.de: Kann ein Außenseiter in diese Phalanx einbrechen?

Reindl: Die Schweizer sind als Heimmannschaft nicht zu unterschätzen. Sie standen schon bei der Heim-WM 1998 im Halbfinale. Denen traue ich sehr viel zu.

Sport1.de: Wo landet die deutsche Mannschaft?

Reindl: Wir gehen das Turnier Schritt für Schritt an. Aus der Vergangenheit haben wir gelernt, dass man die WM dreiteilen muss. Dazu gehört, erst einmal die Vorrunde zu überstehen. Die Mannschaft hat das Potenzial, das Auftreten und die Einstellung, um ganz weit vorne landen zu können.

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