Erich Goldmann spricht in seiner Sport1.de-Kolumne über Gegner und Kader der DEB-Auswahl. Der Krupp-Truppe traut er viel zu.

Hallo Eishockey-Freunde,

die WM in der Schweiz steht vor der Tür und ich gehe mit dem Gefühl in dieses Turnier, dass die DEB-Auswahl dieses Jahr etwas reißen kann.

Die Nationalspieler haben nach dem letzten Test gegen Dänemark das Ziel Viertelfinale ausgegeben. Das gefällt mir richtig gut, dass sie so offensiv mit ihren Erwartungen umgehen.

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Der Kader gibt dazu durchaus Veranlassung. Bundestrainer Uwe Krupp hat eine ausgeglichene Truppe zusammengestellt: viele junge Spieler, aber zugleich auch viele erfahrene, von denen sie lernen können. Für eine WM ist es enorm wichtig, dass man die richtige Mischung gefunden hat.

Uwe will mit dieser Mannschaft in diesem Turnier erfolgreich sein, hat den für ihn bestmöglichen Kader für dieses Turnier zusammengestellt, aber gleichzeitig die Perspektive für die nächsten großen Turniere 2010 mit den Olympischen Spielen in Vancouver und der WM im eigenen Land im Hinterkopf.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Nikolai Goc. Der Junge hat in den DEL-Playoffs sehr gut gespielt, dennoch ist für ihn dieses Turnier eine Art Lernprozess. Von ihm wird nicht erwartet, dass er bei seiner ersten WM gleich eine wichtige Stütze im Team ist. Vielmehr soll er WM-Luft schnuppern.

Über einzelne Namen kann man immer streiten, aber Uwe hat den Kader auch auf Rollen zugeschnitten: zwei eher offensiv ausgerichtete und zwei defensivere Reihen. Es geht nicht darum nur die punktbesten Deutschen einzuladen, sondern dass die Spieler auf den Positionen der Mannschaft am besten helfen können, auf denen sie Uwe sieht.

Der Spielplan stimmt mich zuversichtlich. Es kommt uns entgegen, dass wir gleich zu Beginn auf Russland treffen. Die Russen haben letztes Jahr eine überragende WM gespielt, super Eishockey geboten. Wenn sie sich erst einmal eingespielt haben, sind sie schwer zu schlagen.

Unseren Vorteil sehe ich darin, dass dies zu Beginn noch nicht der Fall ist und sie auch noch den einen oder anderen Kaderplatz für weitere NHL-Profis offen lassen. Deshalb räume ich unserer Mannschaft durchaus Außenseiterchancen auf einen Punkt ein.

Als zweites gegen die Schweiz zu spielen ist ebenfalls von Vorteil, weil die Gastgeber ihr erstes Spiel gegen Frankreich gewinnen müssen und dennoch den Druck in die zweite Partie übernehmen werden. Daher gibt es für Uwes Jungs wenig zu verlieren.

Die Schweizer sind uns technisch vielleicht ein bisschen voraus, aber sie müssen beweisen, dass sie mit dem Druck umgehen können. Außerdem schätze ich uns kämpferisch und von der Einstellung her besser ein. Ich hoffe durchaus auf Punkte in diesem Spiel.

Zu den Franzosen kann ich wenig sagen. Die Spieler sind international nicht besonders bekannt, aber Frankreich ist ein Gegner, der geschlagen werden muss. Wenn es gut läuft, ist das Viertelfinale durchaus drin. Mit Frankreich und der Schweiz sind zwei Teams in der Gruppe, gegen die man punkten kann.

In der Zwischenrunde würde dann ein Trio aus Schweden, USA, Lettland und Österreich auf uns warten. Da kommt es drauf an, wie viele Punkte wir aus der Vorrunde mitnehmen.

Als Weltmeister kommen die üblichen Verdächtigungen in Frage. Ich setzte aber vor allem auf Kanada und Russland. Die Russen haben mir letztes Jahr mit ihrem Power-Eishockey sehr gut gefallen, haben mit sehr viel Druck zum Tor gespielt. Wenn sie das dieses Jahr wiederholen können, sind sie ein ganz heißer Kandidat auf den Titel.

Viel Spaß bei der WM!

Euer

Erich Goldmann

Erich Goldmann, 33, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für das DSF kommentiert Goldmann die Spiele von der WM in Bern und Zürich-Kloten.

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