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Andreas Renz (r.) zieht gegen Witali Atjuschow ab - einer der seltenen DEB-Angriffe © getty

Das DEB-Team gerät beim WM-Auftakt gegen Russland früh in Rückstand und setzt kaum Akzente. Der Angriff ist die größte Baustelle.

Bern - Das Wunder von Bern blieb aus, der Weltmeister war eine Nummer zu groß: Mit der schon traditionellen Niederlage gegen Rekordtitelträger Russland ist die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft in die WM in der Schweiz gestartet.

Beim 0:5 (0:3, 0:0, 0:2) hatte das Team von Bundestrainer Uwe Krupp gegen den 24-maligen Champion nicht den Hauch einer Chance auf eine Sensation (DATENCENTER: Die deutsche Gruppe B).

Die 35. Niederlage im 35. WM-Duell besiegelten Oleg Saprykin (9.), NHL-Star Ilja Kowaltschuk (10.), Sergej Sinowjew (16.), Anton Kurjanow (43.) und Danis Saripow (52.) vor 10.570 Zuschauern in der Allmend-Halle - nur wenige hundert Meter vom Wankdorfstadion entfernt, wo Fritz Walter und Co. 1954 mit ihrem Finalsieg Fußball-Geschichte geschrieben hatten.

"Das Niveau ist wahnsinnig hoch. Das war ein guter Fingerzeig, was auf uns zukommt. Wir haben es hinter uns. Es ist egal, ob wir 1: 2 oder 0:5 verloren haben sagte Andreas Renz.

Jochen Hecht ergänzte: "Die Russen waren ein übermächtiger Gegner. Da fehlt uns noch einiges, um da mitzuhalten. Mit so vielen Strafzeiten zieht man da den Kürzeren."

Grünes Licht für Hecht

Auch der deutsche Hoffnungsträger Jochen Hecht hatte dem Angriffswirbel der Russen wenig entgegenzusetzen. Der Stürmer der Buffalo Sabres, der erst tags zuvor in Bern eingetroffen war, erhielt wenige Stunden vor dem ersten Bully Grünes Licht.

Das negative Analyseergebnis der vor einer Woche genommenen Dopingprobe war am Morgen noch rechtzeitig eingetroffen, so dass die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) dem WM-Einsatz zustimmte.

Jetlag als Hemmschuh

Dem 31-Jährigen, der mit Verteidiger Christoph Schubert die deutsche NHL-Fraktion bildet, war der Jetlag nach dem Flug aus den USA noch deutlich anzumerken. Der Außenstürmer konnte gegen die Russen, die mit nur fünf NHL-Profis antraten, noch nicht die erhofften Akzente setzen.

Im zweiten Spiel am Sonntag (16 Uhr LIVE) gegen Gastgeber Schweiz sind die Rollen nicht so eindeutig verteilt. Letzter Gegner in der Vorrunde ist am Dienstag (20.15 Uhr LIVE) Frankreich.

Konter zerstört alle Träume

8:14 Minuten durften die Deutschen von einer Sensation träumen. Bis dahin hielten sie sich an Krupps Vorgabe.

"Wir müssen kompakt stehen, uns auf keinen offenen Schlagabtausch einlassen und von der Strafbank wegbleiben", hatte der Bundestrainer gefordert: "Die Russen müssen sich ihre Tore erarbeiten." Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ging hochkonzentriert zu Werke und hätte sogar in Führung gehen können.

Doch Schubert übersah bei einem Konter den mitgelaufenen, völlig freien Michael Wolf (3.).

Pätzold unter Beschuss

Allerdings erfüllte sich die Hoffnung nicht, die Russen könnten ihr erstes Spiel mit einer allzu laschen Einstellung angehen, "unvorbereitet, unkonzentriert, sie nehmen uns auf die leichte Schulter", wie Krupp es formuliert hatte.

Denn der Weltmeister machte sehr schnell ernst und nahm Torhüter Dimitri Pätzold unter Beschuss 95818(DIASHOW: Die Stars der WM 2009).

Russen einfach zu stark

Als Saprykin nach einem genialen Querpass von Alexander Radulow in der neunten Minute den Puck über die Linie bugsierte, war der Goalie der Hannover Scorpions machtlos - und das Spiel eigentlich schon verloren. Denn danach drehte das Team von Trainer Wjatscheslaw Bykow auf und ließ der DEB-Auswahl keine Chance mehr.

Beim 0:2 war Verteidiger Chris Schmidt zu weit nach vorne gestürmt, Anton Woltschenkow schickte Kowaltschuk auf die Reise. Der Siegtorschütze beim 5:4 nach Verlängerung im Finale von Quebec 2008 gegen Kanada zog allen davon und überwand Pätzold.

Danach zauberten die Russen, schnürten die Deutschen minutenlang ein und verdienten sich Szenenapplaus der Schweizer Fans. Die deutschen Strafzeiten häuften sich. Einzig Pätzold verhinderte mit einer starken Leistung eine noch höhere Niederlage.

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