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Yannic Seidenberg bestritt gegen die Schweiz sein 50. Länderspiel © getty

Trotz der zweiten Pleite im zweiten Spiel nimmt die DEB-Auswahl viel Positives aus der Partie gegen die Schweiz mit. Nicht nur einen Punkt.

Aus Bern berichtet Rainer Nachtwey

Bern - Mit hängenden Köpfen schlichen die deutschen Nationalspieler nach dem 2:3 in der Verlängerung gegen Gastgeber Schweiz Richtung Kabine.

"Es ist schon wieder wie immer" gab sich Sven Butenschön bei Sport1.de geknickt. "Wieder mit einem Tor verloren." (DATENCENTER: Die deutsche Gruppe B)

Dabei hatte Bundestrainer Uwe Krupp vor kurzem noch festgestellt, dass man diese engen Spiele kaum noch verliere - nicht so wie früher.

Andererseits bahnte sich der Siegtreffer der Schweizer an. Im letzten Drittel schossen die Gastgeber zwölf Mal auf den Kasten von Dimitri Pätzold, die Krupp-Truppe hingegen nur vier Mal.

"Das mag sein, dass die Schweizer mehr Schüsse auf unseren Kasten abgefeuert haben", gab Jochen Hecht bei Sport1.de zu, "aber bei den vier von uns, fehlt zum Beispiel meine Chance, wo ich knapp am Kasten vorbeiziele."

Hecht verpasst Führungstreffer

In der Tat hätte Hecht die DEB-Auswahl in der 53. Minute mit 3:2 in Führung bringen können, wenn nicht sogar müssen, allerdings strich seine Direktabnahme nach schöner Vorarbeit von Michael Hackert nur um Zentimeter am Pfosten vorbei. (Video: die Highlights)

"Mit dem Spiel kann ich zufrieden sein", bilanzierte Krupp. "Wir waren in den ersten zwei Dritteln ebenbürtig. Das letzte geht aber an die Schweizer. Das ist ein Ergebnis mit dem ich leben kann."

Punkt kann Gold wert sein

Düsseldorfs Kapitän Daniel Kreutzer wies auf den einen Zähler hin, den die deutsche Mannschaft sich erkämpft hatte.

"Der Punkt kann Gold wert sein. Wenn wir jetzt gegen die Franzosen am Dienstag gewinnen, dann gehen wir erstmals seit Jahren wieder mit einem Punkt in die Zwischenrunde", sagte der Stürmer bei Sport1.de. "Und den haben wir uns für unseren Einsatz verdient."

War es ein Punkt für den Willen und die Moral? "Ja, definitiv. So wie wir heute gekämpft haben, hätten wir sogar mehr verdient", führte Kreutzer aus.

Einem NHL-Playoff-Spiel ähnlich

Der Wille und Einsatz war ab dem ersten Bully spürbar. Schüsse blocken, checken, dem Puck nachgehen, die Intensität und Aggressivität in der Partie war unglaublich hoch.

"Ich kann mich an kein internationales Spiel in den letzten Jahren erinnern, wo dies der Fall war. Es war eine richtiger Kampf von der ersten bis zur letzten Sekunde", sagte Hackert bei Sport1.de und Hecht fügte hinzu: "Das war wohl die Entschädigung dafür, dass ich die Playoffs in der NHL verpasst habe. Von der Intensität her, kam dieses Spiel in nichts nach."

Gegen 10.000 Schweizer gespielt

"Es waren unglaublich viele Emotionen in dem Spiel. Dazu noch die fast 10.000 Schweizer Fans, die einen bei jeder Aktion ausgebuht haben. Das hat riesigen Spaß gemacht", meinte der Stürmer der Buffalo Sabres. 95818(DIASHOW: Die Stars der WM 2009)

Iserlohns Michael Wolf schwärmte von der Kulisse: "Das war unglaublich. Gegen so viele Fans habe ich noch angespielt."

In der DEL undenkbar

Laut Kreutzer wäre so eine hart geführte Partie in der DEL undenkbar, "hier wurden Aktionen laufen gelassen, bei denen wärst du in der Liga für ein Spiel gesperrt worden."

Leichte Kritik an den Schiedsrichtern? "Sie haben ihre Linie nicht konsequent durchgezogen", meinte der Düsseldorfer. "Da ist es schwierig darauf einzustellen, was sie pfeifen und was sie laufen lassen."

Butenschön kritisiert Schiedsrichter

Schärfer mit dem finnischen Duo ging Butenschön ins Gericht. "Es war so ein intensives Spiel. Ich weiß nicht, warum die Referees meinen, sie müssen bei so einer Kleinigkeit pfeifen", sprach der Verteidiger der Adler Mannheim die Zwei-Minuten-Strafe für Michael Bakos wegen Haltens in der Verlängerung an.

"Haken und Stockschlag hätte ich verstehen können, aber so was. Das ist wie in Mannheim dieses Jahr: Wir haben kein Glück mit den Schiedsrichtern."

Auch wenn Bakos selbst eine Konzessionsentscheidung bei dem Pfiff gegen sich ausgemacht hatte. Schließlich habe er kurz zuvor ein Foul begangen, das die Finnen nicht geahndet hatten.

Pingpong statt Eishockey

In der Kritik stand auch das Eis. "Es war sehr weich, der Puck ist immer wieder gesprungen", meinte Kreutzer.

Krasser formulierte es der Schweizer Roman Wick. "Die Scheibe ist gesprungen wie ein Pingpong-Ball. Es war zum Schluss in einem unglaublich schlechten Zustand", sagte der Schweizer Torschütze zum 1:1.

Kein Wenn und Aber gegen Franzosen

Aber nicht nur Eis und Schiedsrichterleistung, auch der Abschluss wurde bemängelt. "Vielleicht haben wir zu viel ums Tor herumgespielt und zu selten den Abschluss gesucht", meinte Wolf.

Gegen die Franzosen (Di., ab 20 Uhr LIVE) müsse man daran arbeiten.

Hinzu komme, dass man gegen Frankreich selbst das Spiel machen müsse, meinte Hecht: "Dabei haben wir uns zuletzt nicht immer leicht getan, aber die Franzosen wollen sicherlich auch in die Zwischenrunde, daher müssen sie selbst auch die Initiative ergreifen."

Michael Hackert blickte schon wieder kämpferisch nach vorne: "Wenn du weiterkommen willst, musst du so eine Mannschaft schlagen ohne Wenn und Aber."

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