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Frank Hördler unterlief der schwere Fehler, den die Franzosen zum 2:1 nutzten © getty

Nach dem Verpassen der angestrebten Ziele sind die Fans sauer auf Bundestrainer Krupp. Der nimmt sein Team in die Pflicht.

Bern - Mit Bier übergossen, von den Fans verhöhnt: Uwe Krupp ist nach dem ersten schweren Rückschlag als Eishockey-Bundestrainer massiv unter Beschuss geraten.

"Ich kann die Enttäuschung verstehen", sagte der 43-Jährige nach der 1:2-Pleite gegen Frankreich und dem Absturz in die WM-Abstiegsrunde. (Spielbericht: DEB-Team verpasst alle Ziele)

Auch die Anfeindungen der aufgebrachten Anhänger nahm er hin: "Der Trainer kriegt es immer als Erster ab, das gehört zum Job dazu, das ist eine normale Sache."

Das Sakko hatte Krupp nach der Bierdusche auf dem Weg vom Eis zwar gewechselt, doch die Gesänge der Fans klangen ihm noch in den Ohren. "Uwe, das war dein letztes Spiel", tönte es von den Rängen der Berner Allmend-Halle, gefolgt von der höhnischen Frage: "Uwe, sind wir schon wieder schuld?"

"Uwe hat das nicht verdient"

Das Verhältnis des einzigen deutschen Stanley-Cup-Siegers zum mitreisenden Anhang ist seit der WM im vergangenen Jahr massiv gestört. Dass Krupp den Fans in Kanada nach deren Kritik an der Verbandsspitze riet, nach Hause zu fliegen, haben sie ihm bis heute nicht verziehen.

"Da ist ganz offensichtlich etwas hängengeblieben", meinte Franz Reindl, Generalsekretär des DEB: "Mich wundert's, wie sich das entwickelt hat. Mir tut das schon persönlich weh, weil Uwe es nicht verdient hat."

Krupp bleibt Trainer

Für Reindl, vor einem Jahr in Halifax nach der Affäre um den nicht spielberechtigten Deutsch-Kanadier Jason Holland Sündenbock der Fans, steht Krupp als Bundestrainer trotz der wachsenden Kritik nicht zur Diskussion.

"Ich wüsste nicht, warum nicht", antwortete er auf die Frage, ob der ehemalige NHL-Star bei der Heim-WM 2010 noch im Amt sein werde.

Krupp sucht keine Ausreden

Krupp, dessen Personalentscheidungen schon länger von den Verantwortlichen der Klubs kritisch hinterfragt werden, suchte keine Ausreden für das überraschende Scheitern.

"Wir haben unsere Ziele erklärt, haben gesagt, dass wir ins Viertelfinale kommen können, wenn alles gut läuft. Das haben wir nicht erreicht, ganz klar", sagte der Bundestrainer nach der schlechtesten Leistung in seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit.

Ziele verfehlt

Dass sein Team nach einer starken Saison mit regelmäßigen Siegen gegen die direkten Nachbarn in der Weltrangliste ausgerechnet im entscheidenden WM-Spiel gegen die Nummer 18 der Welt scheiterte, hatte Krupp wohl selbst nicht erwartet. (DATENCENTER: Die deutsche Gruppe B)

Denn anders als in den Vorjahren hatte er - wie seine Spieler - offensiv das Ziel Viertelfinale formuliert.

Abstieg in die Bedeutungslosigkeit

Doch statt um den ersten Einzug in die Runde der letzten Acht seit 2003 zu spielen und so die Werbetrommel für die WM 2010 im eigenen Land zu rühren, versinkt Krupps Team in der sportlichen Bedeutungslosigkeit.

In den Partien der Abstiegsrunde am Freitag (ab 16 Uhr LIVESCORES) gegen Dänemark oder Norwegen, am Sonntag (12.15 Uhr) gegen Österreich oder Lettland und am Montag (12.15 Uhr) gegen Aufsteiger Ungarn geht es nur noch "um die Ehre", wie NHL-Profi Jochen Hecht feststellte.

Versagen bei den wichtigen Spielen

"Jetzt müssen Siege her, alles andere wäre peinlich", meinte der 31-Jährige, der gegen Frankreich sein erstes WM-Tor erzielte (5.), aber erneut nur ein Mitläufer war. Für den Außenstürmer der Buffalo Sabres, der in keiner Phase die Führungsqualitäten eines Marco Sturm zeigte, setzte sich eine schwarze Serie fort.

Bei seinen letzten vier WM-Teilnahmen versagte die DEB-Auswahl immer in den entscheidenden Spielen: 1998 und 2005 stieg sie ab, 2004 verpasste sie das schon sicher geglaubte Viertelfinale, jetzt muss sie in die sportlich bedeutungslose Relegation.

"Es wird eine harte Zeit"

Dort wird sich zeigen, welche Trainerqualitäten Krupp in der Krise hat. "Das ist ein Test, ein schwieriger Test", sagte der Coach, der die deutsche Mannschaft aus der Zweitklassigkeit zurück in die erweiterte Weltspitze geführt hatte: "Du lernst eine Mannschaft immer erst richtig kennen, wenn es nicht läuft. Es wird eine harte Zeit."

Nach der Hälfte des Turniers wollte Reindl noch kein abschließendes Urteil fällen. "Vom Zählbaren haben wir einen Rückschritt erzielt", meinte der DEB-Generalsekretär zwar, mahnte aber: "Wir sollten jetzt nicht den Knüppel rausholen und auf alles draufhauen. Das wäre ein großer Fehler."

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