Erich Goldmann schreibt in seiner Kolumne über die schwache Vorrunde des DEB-Teams und seine Eindrücke von den anderen Nationen.

Hallo Eishockey-Freunde,

Eines vorne weg: Sicherlich bleibt der Eindruck vom Frankreichspiel in den Köpfen hängen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Vorrunde nicht nur aus der Partie gegen die Franzosen bestand, sondern durchaus positiv begann.

Die Leistungen unserer Truppe gegen die Russen und die Schweizer waren größtenteils sehr gut. Vor allem gegen die Schweiz hat die Mannschaft hervorragend gekämpft und ein klasse Spiel abgeliefert.

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Letztendlich muss man aber festhalten, dass sie ihr Ziel, das Viertelfinale, nicht erreicht hat. Gegen die Franzosen hat sie einen Sieg gebraucht und ist gescheitert. Wie der Sieg zustande gekommen wäre, hätte später keinen mehr interessiert.

Mit dem Scheitern in der Vorrunde und den folgenden Spielen in der Abstiegsrunde hat das deutsche Eishockey einen Image-Verlust erlitten. Der muss jetzt so gering wie möglich gehalten werden.

Gegen Ungarn und die beiden anderen Gruppenletzten - Österreich und Dänemark - muss die Mannschaft beweisen, dass sie die Qualität und Mentalität hat, sich international durchzubeißen, wenn es nicht so läuft.

Für Bundestrainer Uwe Krupp bietet sich hier die Chance, den Charakter der Mannschaft zu überprüfen.

Nach der Enttäuschung hat Uwe der Mannschaft freigegeben, damit sie sich etwas erholen kann. Ich halte das für eine gute Idee, damit sie Kräfte für die Abstiegsrunde sammeln und sich ordentlich verabschieden kann.

Generell lässt sich hier bei der WM feststellen, dass der Abstand zwischen den sogenannten mittleren Nationen und den Topteams nicht mehr ganz so groß ist. Gleiches gilt jedoch für den Abstand zu den in der Weltrangliste weiter hinten liegenden Nationen.

Dies konnte man bei den Spielen Slowakei - Weißrussland, Slowakei - Ungarn, Schweden - Lettland, Schweiz - Russland und Schweiz - Frankreich gut erkennen. An guten Tagen können diese Mannschaften mit der Spitze durchaus mithalten, an schlechten aber auch gegen die unteren Teams ganz alt aussehen.

Dennoch ist ein Unterschied zur Weltspitze deutlich erkennbar. Der lässt sich an der Schusseffizienz festhalten. Kanada ist mit 18,8 Prozent Erster in dieser Statistik, während unser Team mit 4,1 Prozent auf Platz 13 rangiert. Nur Norwegen, Österreich und Dänemark sind schlechter. Das sind leider die Gegner, mit denen wir uns in der Abstiegsrunde messen müssen.

Ein kleines Schmankerl noch zum Schluss: Der Koch im Hotel der deutschen Mannschaft ist der Koch der Schweizer Fußball-Nationalmannschaft. Wir können also von Glück sprechen, dass die deutsche Mannschaft nie ins Penaltyschießen musste. Ich sage nur Achtelfinale Schweiz - Ukraine bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland.

Viel Spaß weiterhin bei der WM!

Euer

Erich Goldmann

Erich Goldmann, 33, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für das DSF kommentiert Goldmann die Spiele von der WM in Bern und Zürich-Kloten.

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