Weltverbands-Präsident Rene Fasel hat in seiner Eröffnungsrede zum 134. IIHF-Kongress in Helsinki die Forderungen nach einem Boykott der umstrittenen Eishockey-WM 2014 in Weißrussland kritisiert.

"Ein Boykott von Sportveranstaltungen spricht gegen die fundamentale Idee des Sports, und er entwertet die Idee des Sport", sagte der Schweizer und warnte: "Wir sollten uns nicht als Marionetten der Politiker oder Aktivisten benutzen lassen. Sport kann kein und sollte auch kein Instrument der Politik sein."

Gleichzeitig ermutigte Fasel die Vertreter der IIHF-Mitgliedsländer, darunter DEB-Präsident Uwe Harnos, ihre Überlegungen zu dem wegen der kritischen Menschenrechtslage im osteuropäischen Land schwierigen Thema offen zu äußern. "Das ist unsere Meinung. Wenn es andere Meinungen gibt, dann ist dieser Kongress Ihre Chance, sich zu äußern."

Der DEB hatte sich zuvor gegen einen Boykott ausgesprochen. "Unsere Meinung ist im Moment die, dass man hingehen, dort aber auch Klartext reden sollte", sagte Harnos und betonte: "Der Sport kann sich nicht darauf zurückziehen, dass er unpolitisch ist". Man müsse einheitlich auftreten und die kritische Menschenrechtslage klar ansprechen.

Dies sei zu wenig, meinen vor allem einige Politiker. Im deutschen Bundestag formiert sich fraktionsübergreifend Widerstand gegen die geplante Austragung der WM in zwei Jahren. Das Regime von Präsident Alexander Lukaschenko sei "kein würdiger Gastgeber", heißt es zum Beispiel in einem Antragsentwurf von SPD und Grünen.

In dem Entwurf war die Bitte an den DEB formuliert, beim Kongress dafür zu plädieren, Weißrussland die Austragung der Weltmeisterschaft zu entziehen. Man gehe davon aus, dass "auch die große Mehrheit der Sportlerinnen und Sportler sich nicht gerne von einem Diktator auszeichnen lassen will".

Ein Entzug der WM würde aber keine Probleme lösen, sondern eher neue schaffen, sagte Fasel. "Wenn wir nach Weißrussland gehen, können wir die Dinge besser machen. Wenn wir aber nicht dahingehen, würden wir die falschen Leute bestrafen, nämlich die weißrussischen Fans, andere Anhänger und die Athleten", sagte der IIHF-Präsident.

Weißrusslands Präsident Lukaschenko steht wegen der gewalttätigen Niederschlagung von Protesten sowie der Inhaftierung zahlreicher Oppositionspolitiker international in der Kritik.

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