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Lewis Hamiltons Vorsprung in der Fahrerwertung ist auf zwei Punkte geschmolzen © imago

McLaren-Mercedes behauptet, die Rennleitung habe Hamilton das Okay zum Überholen gegeben. Der nennt seine Sicht des Manövers.

Von Michael Spandern

München - Die Wogen nach dem Skandal-Urteil von Spa sind noch lange nicht geglättet.

Im Gegenteil: McLaren-Mercedes, dessen Pilot Lewis Hamilton durch eine 25-Sekunden-Strafe der Rennkommissare um den Sieg gebracht wurde, hat am Dienstagnachmittag Protest eingelegt.

Und via Pressemitteilung auch ein pikantes Detail ans Licht der Öffentlichkeit gebracht: Hamiltons Überholmanöver an Kimi Räikkönen vorbei soll vorab genehmigt worden sein.

Doppelt abgesichert

"Von der Boxenmauer aus haben wir die Rennleitung um die Bestätigung gebeten, dass sie damit einverstanden sind, wie Lewis Kimi wieder vorbeiziehen hat lassen. Und sie haben zweimal bestätigt, dass die Position auf eine Weise zurückgegeben wurde, die 'okay' sei", sagte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh und schrieb dies auch an die FIA.

Hamilton hatte beim GP von Belgien in einer Schikane unzulässig abgekürzt und dabei den Weltmeister überholt. Unmittelbar danach hatte er Räikkönen allerdings wieder passieren lassen, um den Finnen schließlich kurz darauf doch zu überholen.

Online-Petition gegen das Urteil

Doch die drei Rennkommissare, die unabhängig von der Rennleitung der FIA sind, die das Rennens während seines Verlaufes kontrollieren, brummten Hamilton eine Strafe auf.

Diese warf den WM-Leader vom ersten auf den dritten Platz hinter seinen Titelrivalen Felipe Massa im Ferrari und Nick Heidfeld im BMW-Sauber zurück. 63,8 Prozent der Sport1.de-User (25.426 Stimmen, Stand 10.9., 9 Uhr) halten die Sanktion für nicht gerechtfertigt.

In einer Online-Petition eines US-Medienunternehmens, die der FIA zugehen soll, hatten bis 9 Uhr des gleichen Tages 30.251 Fans gegen das Urteil gestimmt.

FIA-Steward wehrt sich

Unterdessen hat einer der drei FIA-Stewards sich gegen den Vorwurf gewehrt, es habe ein Komplott gegen McLaren vorgelegen.

Der Kenianer Surinder Thathi sagte der Nachrichten-Agentur "Reuters", er und seine Kollegen hätten ihr Urteil gefällt, da ein klarer Verstoß gegen die FIA-Regeln vorgelegen habe.

"Da gab es keine Verschwörung gegen irgendjemanden, McLaren eingeschlossen", sagte Thathi: "Wir haben professionell gehandelt und gemäß der FIA-Regeln. Hamilton hat in der Kurve abgekürzt als er abseits der Strecke war."

"Die einzige Möglichkeit, Kollision zu verhindern"

Hingegen betonte Hamilton, dass er beinahe zu dem Manöver gezwungen wurde. Er sei Räikkönen nahe genug gekommen, um einen Überholversuch zu wagen.

"Ich war in der Bremszone des ersten Scheitelpunkts der letzten Schikane knapp vor Kimi", so der Brite. "Er kämpfte vor dem zweiten Scheitelpunkt zurück, ließ mir aber auf der inneren Spur keinen Platz."

"Die einzige Möglichkeit für mich, eine Kollision zu verhindern, war, den zweiten Scheitelpunkt abzuschneiden", ergänzt Hamilton. Dann habe er aber den Fuß vom Gas genommen, um Kimi wieder nach vorne zu lassen.

Spätestens, als Räikkönen die Start-Ziel-Linie 6,7 km/h schneller als er überquert hatte, sei das Manöver aus der 42. Runde für ihn erledigt und die Lage klar für einen neuen Angriff gewesen, erklärt Hamilton.

Blick nach vorne

Er blickt nach vorn auf das Rennen am Wochenende in Monza/Italien. "Wie in Spa bekommt der Sieger in Monza ebenfalls zehn Punkte. Und der bin hoffentlich ich", so Hamilton in der "Bild".

"An etwas anderes denke ich nicht, und ich freue mich sehr darauf, in Italien das Rennen zu fahren", sagt Hamilton, der seine Titelchancen als "groß, hoffentlich sehr groß" einstuft, auch wenn er momentan vom Spa-Rennen nur sechs Punkte auf seinem Konto hat, "anstatt der zehn, die ich meiner Meinung nach verdient hätte".

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