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Motorschaden in Valencia: 2008 kam beim Europa-GP nur ein Ferrari ins Ziel © getty

Durch das geplatzte Comeback Michael Schumachers entgehen der Formel 1 riesige Einnahmen, die Fans schauen in die Röhre.

Von Julian Meißner

München - Nicht nur die Fans schlagen angesichts des geplatzten Comebacks Michael Schumachers die Hände über dem Kopf zusammen.

Auch für die Hintermänner in der Formel 1 bedeutet die Absage des Rekordweltmeisters einen kapitalen Schaden.

Das Interesse an der Königsklasse war mitten im Sommerloch sprunghaft angestiegen, als der erfolgreichste Fahrer der Geschichte verkündete, wieder in der PS-Liga mitmischen zu wollen.

Doch der zwischenzeitliche Boom fand ein jähes Ende, und die Formel 1 ist, wo sie vorher war: Zurück bei Finanzkrise, Machtkampf und Zuschauerschwund.

Weber: "Es war gewaltig"

Von einem "Riesenausfall" sprach Schumachers Manager Willi Weber am Mittwoch auf der Pressekonferenz in Genf, auf der Schumacher seine Absage erklärte .

Genau ließe sich dieser nicht beziffern, sagte Weber, aber: "Ich weiß, dass man an einem Tag mehr Karten verkauft hat als in den vergangenen vier Wochen. Ich weiß, dass es in Spa 25.000 Anfragen für Wohnmobilplätze gab. Und ich habe ja die Reaktionen von Interessenten mitbekommen, von Sponsoren, die mit auf das Auto und mit auf den Overall wollten. Es war gewaltig."

Schumi und Ferrari die Gewinner

Den genauen Effekt zu beziffern, den Schumachers Comeback hinterlassen hätte, ist unmöglich. Fest steht jedoch: Vor allem Schumacher selbst hätte profitiert und seinen Werbewert noch einmal gigantisch gesteigert.

Die FIA als Ausrichter der Formel-1-Weltmeisterschaft vergibt Werbe- und TV-Verträge immer für das ganze Jahr und hätte so nur unmittelbar erhöhte Einnahmen zu verzeichnen gehabt.

Unter den Teams wäre natürlich Ferrari der große Gewinner gewesen, doch auch der Konkurrenz hätte die gesteigerte Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gut getan.

Wehklagen in Valencia

Daraus wird nun nichts. Beim Großen Preis von Valencia sitzt nicht der siebenmalige Champion Schumacher, sondern der langjährige Testfahrer Luca Badoer im F60.

Dabei haben die Veranstalter in der spanischen Hafenstadt an der Sperre des Renault-Teams und dem damit verbundenen Fehlen von Lokalmatador Fernando Alonso ohnehin genug zu knabbern. "Das ist natürlich keine gute Nachricht", sagt Pablo Pernia vom Organisationsteam zu Schumachers Absage.

Ticket-Boom in Spa

Beim darauf folgenden Rennen auf dem Traditionskurs von Spa, Schumachers Lieblingsstrecke, war ein regelrechter Run auf die Tickets losgebrochen. "Ein Ticket pro Minute" habe man zwischen Mittwochabend und Donnerstagnachmittag vergangener Woche abgesetzt, berichtet die belgische Nachrichtenagentur "Belga" unter Berufung auf einen Sprecher des Ausrichters.

Umtauschen lassen sich die Tickets nun nicht ohne weiteres, die Fans schauen in die Röhre.

Quotenanstieg ade

Auch für die übertragenden Fernsehsender war die Nachricht vom geplatzten Comeback eine echte Hiobsbotschaft. Sondersendungen und Reportagen fallen flach, der erwartete Quotenanstieg rund um die nächsten Rennen wird ausbleiben.

Cordelia Wagner von der RTL-Vermarktungstochter IP Deutschland hat Hoffnung: "Es gab zusätzliche Interessenten für Werbeblöcke. Wir hoffen, dass wir sie dennoch halten können."

Zurück in der Realität

Das generelle Interesse an der Formel 1 in Deutschland war nach dem Rücktritt Schumachers 2006 signifikant gesunken. Auch wenn Sebastian Vettel als neuer Hoffnungsträger einen leichten Aufschwung bedingte, sorgte die Königsklasse in den Jahren nach Schumi eher für Negativschlagzeilen.

Die Spionage-Affäre um McLaren-Mercedes, der Sex-Skandal um Max Mosley, der Rückzug zahlreicher Sponsoren und nicht zuletzt der Machtkampf zwischen FIA und Teamvereinigung FOTA haben das Image der Serie gehörig ramponiert. Die letzte Meldung vom unrühmlichen Ausstieg BMW-Saubers zum Saisonende wurde durch Schumachers geplante Wiederkehr nur zeitweise übertüncht.

Vorsichtiger "Mister 20 Prozent"

Immerhin hat Manager Weber aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt: "Ich muss jetzt keine Merchandising-Produktion stoppen, weil die nie begonnen hatte", erklärte der langjährige Begleiter Schumachers am Mittwoch.

"Mister 20 Prozent", der lange Jahre den fünften Teil von Schumachers Einnahmen kassierte, hatte zwar angekündigt, den Hype um Schumachers Rückkehr mitnehmen zu wollen, doch diesmal war er vorsichtig.

Böse Erinnerungen

1997 hatte er einen Haufen Weltmeister-Mützen verbrennen müssen, weil seinem Schützling der Titel im Saisonfinale in Jerez auf der Zielgeraden vom Kanadier Jacques Villeneuve noch entrissen wurde. Weber setzte damals nach eigener Aussage eine Million Euro in den Sand.

Die Summe von damals wäre von den Umsätzen, die Schumachers Rückkehr generiert hätte, allemal übertroffen worden.

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