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Sebastian Vettels wurde 2007 Vierter beim GP in Schanghai © imago

Sebastian Vettel meistert im Qualifying zum Italien-GP das miserable Wetter und sichert sich als jüngster F-1-Pilot die Pole.

Von Marc Ellerich

München/Monza - Sebastian Vettel konnte sein Glück kaum fassen. Eben war er im Qualifiying zum Großen Preis von Italien in Monza (So., ab 13.45 UhrLIVE )auf die Pole Position gerast.

Und jetzt schlugen seine Gefühle Salto. Noch aus dem Cockpit seines Toro Rosso waren über die Mikrofone die Jubelschreie des jungen Deutschen zu hören.

Kaum war er seinem Boliden in der Boxengasse entstiegen, schien es, als wollte er sich bei jedem Mitglied seiner italienischen Crew einzeln bedanken. Jedem, der ihm in den Weg kam, fiel er um den Hals.

"Unglaublich, unglaublich"

Und die Pressekonferenz, auf der die älteren Piloten sonst ihre Statements mit demonstrativer Gleichgültigkeit vortragen, begann Vettel mit Worten, die seine pure Freude widerspiegelten: "Unglaublich, unglaublich! Dies war ein Tag, den ich nicht erwartet hatte. Es fühlt sich fantastisch an, Teil der Formel 1 zu sein."

Und erstaunlich ist der Triumph des jungen Deutschen tatsächlich: Kein Massa, kein Hamilton, kein Räikkönen parkte seinen Boliden als Schnellster. Nein, es war Vettel - übrigens vor McLaren-Pilot Heikki Kovalainen und Mark Webber im Red Bull.

Nachfolger von Alonso

Nun hat er keinen Geringeren als den spanischen Doppel-Weltmeister Fernando Alonso als jüngsten Pole-Inhaber in der Formel 1 abgelöst.

Mit 21 Jahren und 74 Tagen startet Vettel im Autodromo internazionale am Sonntag vom ersten Startplatz. Alonso war bei seinem Rekord 200 Tage älter als der junge Deutsche. Vettel gelang sein Rekord im 22. Grand Prix seiner Karriere.

Vor der Zeitenjagd von Monza habe er mit seinem Team noch über Startplatz 1 gescherzt verriet Vettel später: "Ich hatte mit meinen Ingenieuren noch den Witz gemacht, dass wir um die Pole fahren, wenn es nass ist."

Prominente Opfer

Der Youngster aus Heppenheim schob seinen Triumph anschließend auf die katastrophalen Wetterbedingungen in der Lombardei: "Die Bedingungen waren heute sehr schwierig. Bei Wasser weiß man nie, was zu erwarten ist."

Der fürchterliche Platzregen über dem Königlichen Park von Monza forderte am Samstag ziemlich prominente Opfer. Die beiden Topstars Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen scheiterten beide im zweiten Durchgang. Und auch der WM-Dritte, BMW-Pilot Robert Kubica, kam über den elften Platz nicht hinaus.

McLaren verspekuliert sich

Hamilton hatte sich auf Intermediate-Reifen in den zweiten Durchgang gewagt und damit völlig verspekuliert. Obwohl der Fehler schnell behoben war, war er anschließend völlig von der Rolle.

Auch Räikkönen brachte keine schnelle Runde zu Stande. "Ich wurde vom Wetter auf dem falschen Fuß erwischt", sagter er anschließend. Immerhin rettete Massa als Sechster halbwegs die Ferrari-Ehre - was ihm aber gute Chancen für das Rennen beschehrt.

Rosberg überrascht

Andere wurden nach oben gespült, Nico Rosberg zum Beispiel. Der Williams-Pilot beherrschte die Nässe und wurde überraschend Fünfter. Timo Glock (9.) und Nick Heidfeld (10.) sorgten für zwei weitere Platzierungen deutscher Piloten unter den besten zehn.

Vettel mag mit seinem Urteil von der Wetter-Lotterie also recht haben. Doch sein Husarenstreich kam so überraschend auch wieder nicht.

Lob von Schumacher

Zum einen steht das Zitat von Michael Schumacher, dem letzten deutschen Sieger in Monza, im Raum, der Vettel mit dem Satz adelte, dieser habe sogar das Zeug zum kommenden Weltmeister. Der Boulevard nennt ihn seitdem nur noch den "Baby-Schumi".

Zum anderen zeigt seine Formkurve steil nach oben, seit sein Rennwagen seit einigen Wochen von neuen Ferrari-Aggregaten angetrieben wird. Sechster und Fünfter wurde er in den letzten beiden Rennen.

Was macht er im Rennen?

Nun fehlt ihm als nächster Schritt der ganz große Wurf. Kann Vettel seinen vierten Platz von Schanghai aus dem Vorjahr gar toppen, zwanzig Jahre nachdem Toro-Rosso-Anteilseigner Gerhard Berger in Monza siegte?

Zur Erinnerung: Auch dort herrschte miserables Wetter. Aber seinerzeit war Vettel nur von Startplatz 17 aus ins Rennen gegangen.

Wie sich der Deutsche beim Wetter-Lotto am Sonntag schlagen wird, ist dennoch völlig offen. Er selbst wünschte sich nach dem Qualifying "ein paar Punkte oder einen Platz auf dem Podium".

Dass er sich im Regen wohl fühlt, hat er dann immerhin noch zugegeben.

Was er sich für ein Wetter für den Sonntag wünscht, braucht man ihn deshalb vermutlich nicht zu fragen.

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