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Sebastian Vettel holt im 22. Rennen seinen 1. GP-Triumph © getty

Beim Italien-Grand-Prix in Monza stellt Sebastian Vettel mit seinem Sensationssieg sogar die WM-Favoriten in den Schatten.

Von Marc Ellerich

München/Monza - Die Legende hatte vollstes Verständnis.

Michael Schumacher wusste genau, was in Sebastian Vettel vorging, nachdem dieser beim Großen Preis von Italien in Monza seinen Toro-Rosso-Boliden völlig unerwartet als Erster ins Ziel gelenkt hatte.

Dem Sieger von Monza verschlug es erst einmal die Sprache, um sein Glück in Worte zu fassen.

"Erstmal sacken lassen"

Musste er auch gar nicht, fand Schumi, sein großer Mentor. "Er muss das jetzt erstmal sacken lassen", sagte der Rekord-Weltmeister nach dem Sensationserfolg seines jungen Landsmanns.

"Worte dafür zu finden, ist generell sehr schwer", nahm Schumacher Vettel in Schutz: "Wir sind Formel-1-Piloten und keine Rhetoriker."

Ein Start-Ziel-Sieg also bei seinem 22. Grand Prix und obendrein den Rekord als jüngster Formel-1-Sieger aller Zeiten gebrochen, das war zu viel für Vettel.

Tränen bei der Siegerehrung

Auf der Siegerehrung verdrückte er mit seligem Lächeln ein paar Tränen. Den letzten deutschen Formel-1-Sieg hatte Michael Schumacher am 15. Juli 2006 ebenfalls in Monza eingefahren, eben jener Schumacher, der Vettel früh mit dem Satz geadelt hatte, er habe das Zeug, eines Tages Weltmeister zu werden.

Nun ist Schumis Urteil überraschend und sensationell früh bestätigt worden. "Das, was er heute gezeigt hat, war 1-A", lobte die Formel-1-Legende. Schumacher gab in Monza zu, dass er Vettel bei dessen Siegfahrt die Daumen gedrückt hatte.

Und später fand auch Vettel, der Glückspilz, seine Sprache wieder, als er neben dem zweitplatzierten McLaren-Mercedes-Piloten Heikki Kovalainen und Robert Kubica (BMW-Sauber) in der Pressekonferenz saß.

"Wie am Schnürchen"

"Unglaublich", jubelte der Toro-Rosso-Pilot über seinen ersten Platz ganz oben auf dem Podium: "Das gesamte Rennen über hatten wir keine Probleme, das Auto lief wie am Schnürchen."

Und auch den Schlüssel zu seinem Rekord-Sieg auf dem Autodromo im Königlichen Park von Monza verriet der Youngster aus Heppenheim am Sonntagnachmittag: Die Pole-Position vom Vortag - ebenfalls als jüngster Fahrer aller Zeiten - habe ihm den Sieg beschert, glaubte Vettel.

"Dadurch hatte ich keine Probleme mit der Sicht. Ich konnte sofort einen guten und soliden Abstand auf Heikki aufbauen. Ich habe sehr viel Druck gemacht und einige Mal hätte ich das Auto fast verloren."

Eine Sekunde pro Runde

Begünstigt wurde Vettels historischer Triumph durch einen Safety-Car-Start, zu dem sich die Rennleitung angesichts der erneut schlechten Wetterbedingungen in Italien entschieden hatte. So sollte das Risiko für die Fahrer minimiert werden.

Nachdem das Rennen freigegeben war, geriet sein Erfolg zu keiner Phase wirklich in Gefahr. Der Regen habe Vettel in seinem eigentlich unterlegenen Boliden geholfen, glaubte Schumacher: "Er hat schon öfter unter Beweis gestellt, dass er ein extrem starker Regenfahrer ist. Mit so einem Auto kann man das aber nur unter solchen Bedingungen zeigen."

Teilweise fuhr Vettel pro Runde bis zu eine Sekunde schneller als sein Verfolger Heikki Kovalainen im McLaren.

"Er war zu gut"

Nur in der Rennmitte, als der WM-Führende Lewis Hamilton in seinem Silberpfeil eine furiose Aufholjagd gestartet hatte, von Startplatz 15 bis auf Rang zwei vorfuhr und bis auf 30 Sekunden herankam, schien ein Führungswechsel noch einmal möglich.

Doch auch die Einstopp-Strategie des Briten brachte nicht den gewünschten Erfolg. Und auch gegenüber Kovalainen verteidigte Vettel seinen Vorsprung. Am Ende passierte er gute zwölf Sekunden vor dem Finnen das Ziel. "Er war einfach zu gut für mich", sagte Kovalainen später.

21 Jahre und 73 Tage ist der Triumphator nun alt, kein Formel-1-Pilot vor ihm war jünger.

WM-Kampf im Schatten

Vettels Sensationserfolg von Monza stellte sogar den Kampf um die WM-Spitze in den Schatten, der hinter dem führenden Deutschen tobte. Auch das starke Rennen von Nick Heidfeld, der im Regen von Platz zehn gestartet Fünfter wurde, fand zunächst wenig Beachtung.

Felipe Massa rückte als Sechster einen weiteren Zähler an den WM-Führenden Lewis Hamilton heran, der einen Platz hinter ihm einkam.

78:77 steht es zwischen den beiden - vorbehaltlich des FIA-Urteils, das am 22. September den Streit um Lewis Hamiltons spektakuläres Überholmanöver von Spa klären soll.

"Der beste Tag meines Lebens"

An das Duo hat Sebastian Vettel im Moment der Zieldurchfahrt nicht mehr gedacht, ihm schossen ganz andere Gedanken durch den Kopf.

"Das ist sicher der beste Tag meines Lebens. Die Bilder und Emotionen werde ich nie vergessen", gestand er später: "Erste Pole, erster Rennsieg. Ich habe beim Fahren immer wieder gedacht: Geil, da steht immer noch Position eins - das kann nicht wahr sein."

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